Schulessen vom Sternekoch: Gourmet-Alarm am Gymnasium

Johann Lafer macht auf Jamie Oliver: Der deutsche Sternekoch brutzelt künftig auch für Schüler. Im rheinland-pfälzischen Bad Kreuznach hat er eine Mensa eröffnet. Dort sollen die Kinder nicht nur gesund satt werden, sondern auch etwas über Ernährung lernen - und ihre Mahlzeit per Smartphone ordern.

Lafers neue Mensa: Wo Schüler speisen wie Gourmets Fotos
dapd

Bad Kreuznach - Die Speisekarte zur Eröffnung konnte sich sehen lassen: Frühlingsröllchen mit Sweet-Chili-Soße oder gefüllte Frikadelle mit Kartoffelpüree, das war auf den großen Flachbildschirmen in dem Holzbau zu sehen. Bereits der erste Blick auf die Bilder ließ erahnen, wer hier an den Kochtöpfen gestanden hatte - ein Sternekoch.

Johann Lafer, 55, bekannt bei Feinschmeckern und TV-Zuschauern, eröffnete am Freitag an einem Gymnasium im rheinland-pfälzischen Bad Kreuznach seine erste Schulmensa. Das Projekt soll nach Wünschen der Organisatoren bald bundesweit Schule machen. Vergleichbares gebe es bislang nicht.

"Wir betreiben hier Unterstützung von Bildung in Form von Essen", sagte Lafer, bevor hinter einem schwarzen Vorhang die neue Essensausgabe der Mensa enthüllt wurde. Vier Millionen Euro hat der Bau gekostet, er wird vom Kreis Bad Kreuznach und dem Land Rheinland-Pfalz finanziert.

Lafer stieß das Projekt an und ist der Betreiber. Er will fast ausschließlich Produkte aus der Region verarbeiten, eingekauft beim Bauern. Kalkuliert sind maximal 3,99 Euro pro Gericht, einen Euro davon gibt der Landkreis. Die Macher wollen erreichen, dass die Schüler bald lieber zu Gesundem greifen als zu einer Nudelbox vom Asiaten um die Ecke. Es ist ein Kampf, den der englische Starkoch Jamie Oliver schon seit Jahren führt, denn in Großbritannien ist es mancherorts besonders grausig, was die Kinder in der Schule zu essen bekommen. Das zeigte zuletzt auch eine bloggende Schülerin, die ihre Mahlzeiten fotografierte und online stellte.

Guten App-etit - Wie die Schüler mit dem Handy ihr Essen bestellen sollen

Zur Arbeit von Lafer sagte die rheinland-pfälzische Bildungsministerin Doris Ahnen (SPD) jetzt: "Es geht darum, ein neues Verhältnis zu Lebensmitteln zu entwickeln." Dazu wurde auch der Stundenplan umgekrempelt. Eine fest angestellte Ökotrophologin - eine Expertin für Ernährung, Verpflegung und Lebensmittelwirtschaft - soll die Schüler künftig über gesundes Essen aufklären.

Es gibt eine gläserne Probeküche und auf den Tabletts bei der Essensausgabe werden einzelne Zutaten erklärt und abgebildet. Die Schüler können über einen "Mensabeirat" mitbestimmen, was auf den Teller kommt. Selbst ihre Handys bleiben von den Neuerungen nicht verschont: Über eine App sollen sie künftig das passende Gericht bestellen können.

Ernährungswissenschaftler der Hochschule Fulda hatten seit mehr als zwei Jahren nach passenden Rezepten geforscht und die rund 1200 Schüler des Gymnasiums befragt. Dabei kam heraus: Viele hielten ihre Ernährung für gesund, obwohl sie zu viel Wurst und Fleisch und zu wenig Gemüse aßen.

Lafer zeigte sich immer noch verwundert über manche Antworten: "Bei der Befragung fielen Spaghetti Bolognese durch, Nudeln mit Hackfleischsoße waren aber sehr beliebt." Auch Bratwurst mit Pommes seien nicht gefragt gewesen, weil der bisherige Caterer eine schlechte Bratwurst angeboten habe.

Der Sternekoch will künftig pro Tag bis zu 600 Schüler im Zweischichtbetrieb bewirten - und Unwissenheiten rund ums Essen beheben. Wie schwer die Aufgabe werden könnte, wurde bereits am Freitag deutlich: "Am beliebtesten bei uns sind natürlich Pizza, Nudeln und Döner", sagte der Schülersprecher des Gymnasiums. "Ich hoffe, das bleibt auf der Speisekarte."

Fotostrecke

13  Bilder
Mensa-Kunst: Mariosotto, Carrotiger, Pacmedaillon

Von Jonas-Erik Schmidt/dpa/son

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insgesamt 48 Beiträge
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1. handys
elizar 10.11.2012
so ein schmarrn. handys haben an der schule nichts verloren. hier wird ein falsches signal gesetzt. außerdem dürfen/können das natürlich nur die schüler mit smartphones. tolle kiste...
2. oha.....
unangepasst 10.11.2012
Zitat von sysopdapdJohann Lafer macht auf Jamie Oliver: Der deutsche Sternekoch brutzelt künftig auch für Schüler. Im rheinland-pfälzischen Bad Kreuznach hat er eine Mensa eröffnet. Dort sollen die Kinder nicht nur gesund satt werden, sondern auch etwas über Ernährung lernen - und ihre Mahlzeit per Smartphone ordern. http://www.spiegel.de/schulspiegel/gesundes-schulessen-johann-lafer-eroeffnet-mensa-a-866380.html
...ich hätt auch gern ein smartphone!
3. Weiß Herr Lafer überhaupt
mischpot 10.11.2012
was gesundes Essen ist? In seinen Kochshows ist davon nicht viel zu sehen, da geht es um Gorumetküche also Genußküche und die ist nicht unbedingt gesund. 4 Millionen Steuergeld für eine gläserne Probeküche und dann noch 4 € für ein Essen. Naja wirtschaftlich ist das ganze schon mal höchst ungesund wann ist der break even erreicht? Wohl nie. Wieder ein Projekt was der Steuerzahler bezahlt damit ein Fernsehkoch sich profilieren kann.
4.
no-panic 10.11.2012
---Zitat--- Vier Millionen Euro hat der Bau gekostet, er wird vom Kreis Bad Kreuznach und dem Land Rheinland-Pfalz finanziert. ---Zitatende--- Aha. Und woanders wird beim Schulessen so gespart, daß man gammelige Erdbeeren aus China verwenden muss. ---Zitat--- Kalkuliert sind maximal 3,99 Euro pro Gericht, einen Euro davon gibt der Landkreis. ---Zitatende--- 3€/Tag Eigenleistung für die Eltern? Das übertrifft den Hartz IV Tagessatz für Kinderernährung. Aber Hartz IV Kinder sind wohl nicht die Zielgruppe, wenn man per Smartphone App ordern muss, oder? Nichts gegen gesundes Schulessen mit Bildung als Beilage, aber es sollte für alle Schüler erschwinglich bleiben. Im Übrigen läßt sich der Artikel nicht über die Zusammensetzung des Preises aus. Geht es dabei nur um die eingesetzten Nahrungsmittel? Was ist mit Nebenkosten der Einrichtung, was ist mit den Löhnen für das Personal (Zweischichtbetrieb!)?
5. Der
edusson 10.11.2012
Dachte, der wär ein Steirer - also Österreicher???
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