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04. Februar 2013, 15:19 Uhr

Spicken mit dem Smartphone

Ministerium untersagt Handy-Melder an Schulen

Ja, Schüler benutzen Handys. Manchmal auch zum Schummeln. Trotzdem dürfen Schulen in Schleswig-Holstein keine Detektoren verwenden, um aktive Smartphones bei Klassenarbeiten aufzuspüren. Das zuständige Ministerium sieht für den Einsatz der Überwachungsgeräte keine Rechtsgrundlage.

Schulen in Schleswig-Holstein dürfen keine Handy-Detektoren verwenden, um elektronische Schummelei bei Klassenarbeiten zu unterbinden. Es gebe keine Rechtsgrundlage dafür, heißt es in der Antwort des Bildungsministeriums auf eine Kleine Anfrage des Landtagsabgeordneten Sven Krumbeck (Piraten).

Das Preetzer Gymnasium, das zwei Detektoren eingesetzt hatte, sei aufgefordert worden, die Geräte nicht mehr zu verwenden. Er gehe davon aus, dass sich die Schule daran halte, sagte Ministeriumssprecher Thomas Schunk. Die "Kieler Nachrichten" hatten am Montag über die Ministeriumsentscheidung berichtet.

"Wir haben die Detektoren ohnehin nur bei Abiturprüfungen und den Klausuren zum Vorabitur eingesetzt", sagte Schulleiterin Anja Grabowsky. "In Zukunft werden wir mehr Aufsichtslehrer einsetzen, die die Einhaltung des Handy-Verbots überwachen. Mehr können wir im Augenblick nicht tun." Schüler müssen, wie an anderen Schulen auch, bei Klausuren ihre Mobiltelefone ausschalten und auf einem Sammeltisch ablegen.

Mit den verwendeten Detektoren ließen sich der Antwort auf die Abgeordnetenanfrage zufolge auch keine einzelnen Schüler identifizieren, sondern es ließ sich lediglich feststellen, ob in einem Raum ein Mobiltelefon aktiviert sei.

Das Detektorenverbot lässt sich auch als Rückschlag der Lehrer und Schulleitungen im digitalen Wettrüsten sehen: Denn natürlich versuchen Schüler, neue Technik für ihre Zwecke zu nutzen, nicht immer innerhalb der Grenzen des Erlaubten. Das war bei den ersten programmierbaren Taschenrechnern und Armbanduhren nicht anders als mittlerweile bei den Handys. An einer renommierten New Yorker Privatschule etwa erwischte im vergangen Jahr der Direktor 70 Schüler beim Spicken mit dem Smartphone. Die Jugendlichen verteidigten sich mit dem Argument, im harten Konkurrenzkampf bleibe ihnen kaum etwas anderes übrig. Und natürlich wissen auch deutsche Schüler, wie praktisch ein internetfähiges Telefon während einer Klassenarbeit sein kann.

otr/dpa

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