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Rassistische Einträge: Bäcker hetzt auf Facebook, Schüler starten Boykott

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REUTERS

Facebook (Symbolbild)

Weil er auf Facebook rassistische Kommentare postete, haben Schüler in Dormagen gegen einen Bäcker protestiert - und gegen seinen Liefervertrag mit ihrer Schule. Der Mann sagt, seine Firma stehe vor dem Aus.

Werner M. hat sein Facebook-Profil gelöscht. Die rassistischen Sprüche, die der Bäckereibesitzer dort gepostet hatte, haben ihn wichtige Aufträge gekostet. Nun fürchtet er um die Existenz seines Geschäfts.

"Wenn die Afrikaner uns überrennen, ist das anscheinend gut. Gut für die Ausrottung der eigenen Rasse. Der Suizid ist von mir nicht gewollt", soll M. zum Beispiel am 29. Februar auf Facebook geschrieben haben. Eine Neuntklässlerin des Leibniz-Gymnasiums Dormagen sah den Eintrag und meldete ihre Entdeckung der Schülervertretung: Denn M. war der Brötchenlieferant der Schule.

Die Cafeteria, in der die Brötchen verkauft werden, wird vom Förderverein der Schule betrieben. Viele Eltern engagieren sich dort. Sie reagierten auf die rassistischen Beiträge des Bäckers empört - und kündigten den Dauerauftrag. Das hatte auch die Schülervertretung beantragt.

"Meine Mitarbeiter können nichts für meine Einträge"

Das Gymnasium hat sich als eine von etwa 2000 deutschen Schulen dem Netzwerk "Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage" angeschlossen. "Wir sind als 'Schule ohne Rassismus' ausgezeichnet, da geht so etwas nicht", zitiert die "Neuß-Grevenbroicher Zeitung" die Vorsitzende des Fördervereins, Stefanie Börgener. Auch ein Mitglied des dreiköpfigen Schülersprecherteams kommt in dem Artikel zu Wort: "Wir Schüler wenden uns gegen jede Form von Diskriminierung. Jeder Schüler ist aufgerufen, aktiv dagegen vorzugehen."

In den Osterferien will der Förderverein der Schule nun gemeinsam mit den Schülern einen Brief verfassen, der das Ende der Zusammenarbeit mit der Bäckerei ausführlich begründet.

Werner M. weist auf SPIEGEL ONLINE die Rassismusvorwürfe zurück: "Ich habe einige Sachen geschrieben, die vielleicht etwas zu emotional waren. Aber ich bin kein Rassist und war auch nie rechtsorientiert." Er habe einige Türken in seinem Freundeskreis, beschäftige in seiner Bäckerei Menschen unterschiedlicher Nationen, unter anderem aus Polen und der Türkei. "Ich selbst spreche sogar ein bisschen Türkisch", so M.

M. ist promovierter Tierarzt und hat eine eigene Praxis, gleichzeitig führt er die Familienbäckerei, die sein Urgroßvater 1882 gründete. Deren Zukunft sei nun ungewiss, denn wegen der Vorwürfe habe er nicht nur den Förderverein der Schule, sondern noch einen weiteren großen Kunden verloren, so M. Seine wirtschaftliche Existenz sei gefährdet, und er sorge sich um die Arbeitsplätze der Mitarbeiter: "Sie können nichts für meine Facebook-Einträge."

Manche halten die Reaktion des Fördervereins für übertrieben. Im Internet fühlten sich einige an den Boykott jüdischer Geschäfte im Nationalsozialismus erinnert. Ein Vergleich, den der Bürgermeister von Dormagen, Erik Lierenfeld, nicht hinnehmen will. Auf Facebook nahm der SPD-Politiker am Sonntag Stellung zu dem Sachverhalt.

Darin heißt es, es sei "absolut inakzeptabel", die Schülerinnen und Schüler mit der NS-Propaganda zu vergleichen. Weiterhin mahnt Lierenfeld die Bürger an, sachlich zu diskutieren. Auf SPIEGEL ONLINE stellt er sich erneut hinter die Schule: "Die Schüler haben sich mit dem Thema auseinandergesetzt, sie haben diskutiert und anschließend ihre Konsequenzen gezogen."

Kritik übt Lierenfeld an Bäckereibesitzer Werner M.: "Herr M. hat in seinen Kommentaren Grenzen überschritten. Er hat verallgemeinert und Flüchtlinge kriminalisiert. So spricht man nicht über Menschen. Nun hat er es in der Hand, das wieder geradezubiegen."

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