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Homosexuelle Pädagogen: "Herr Lehrer, sind Sie schwul?"

Lehrer Fabian Müller in Villingen-Schwenningen: "Man ist denen ausgeliefert" Zur Großansicht
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Lehrer Fabian Müller in Villingen-Schwenningen: "Man ist denen ausgeliefert"

Von seiner Homosexualität erzählte Lehrer Fabian Müller seinen Schülern zunächst nichts - aus Angst, sich die Zukunft zu verbauen. Dann tat er es doch und wurde überrascht.

Im Referendariat erzählte Fabian Müller seinen Schülern lieber nicht, dass er schwul ist. "Man ist denen halt komplett ausgeliefert", sagt der 30-Jährige. "Das hätte in der Phase zum Problem werden können."

Für die Lehrproben, für seinen Abschluss also, brauchte er nämlich das Wohlwollen der Jugendlichen in Freiburg. Erst als ihn seine Klasse zum Abschiedsfest einlud, erzählte er ihnen von seinem Freund. Die Reaktion: Sie hätten es schon vermutet, sagt Müller in seiner Dachwohnung in Villingen-Schwenningen am Rande des Schwarzwalds und lacht. An seiner neuen Schule ist er nun offener.

Angst vor konservativen Eltern

Auch Stefan Richter ist Lehrer und homosexuell. Doch er will sich vor seinen Schülern nicht outen - und versucht, das Thema zu umgehen. Wenn er im Unterricht über Toleranz und Akzeptanz von Homosexualität spricht, sagen Schüler manchmal: "Das ist gegen die Natur" oder "Das ist gegen Gott".

Manchmal fragen sie ihren Lehrer auch: "Sind Sie schwul, Herr Richter?" Dann antwortet der 40-Jährige: "Denk mal genau nach, dann hat sich die Frage schon erledigt."

Wenn die Schüler noch mal nachdenken, hat sich die Frage für sie tatsächlich meist erledigt. Vielleicht, weil sie wissen, dass er einen Sohn hat. Vielleicht entspricht Stefan Richter, der in Wirklichkeit anders heißt, auch doch nicht so ganz ihrer Vorstellung eines schwulen Mannes. Der Lehrer aus einer mittelgroßen Stadt in Baden-Württemberg ist groß, kräftig und hat eine tiefe Stimme. "Wenn man mich kennenlernt, denkt man es erst mal nicht", sagt er selbst über seine Homosexualität.

Richter hat Angst, dass er Probleme mit konservativen Eltern bekommen könnte oder mit muslimischen Familien. "Dass Eltern sich über mich beschweren, Sturm laufen beim Schulamt und der Schule", sagt Richter, dass er sich plötzlich für etwas ganz Persönliches, seine sexuelle Identität, rechtfertigen müsse.

Der Vorsitzende des Landeselternbeirats, Carsten Rees, sagt: "Das finde ich natürlich traurig, wenn man Angst vor der Reaktion der Eltern hat." Die Schule müsse ganz klar Position beziehen. Der Fall zeige, wie wichtig das Thema Antidiskriminierung im Unterricht sei.

Jüngere Lehrer outen sich häufiger

Tatsächlich bemüht sich die grün-rote Landesregierung von Baden-Württemberg mit dem neuen Bildungsplan 2016 um mehr Akzeptanz von Homosexualität. Der Begriff "Sexuelle Vielfalt" sorgte allerdings für Kritik aus konservativen Kreisen, die eine "Sexualisierung" ihrer Kinder befürchten. Das Kultusministerium erweiterte daraufhin den Begriff unter anderem um religiöse und kulturelle Vielfalt.

Doch auch dieser Kompromiss stößt auf Widerstand: Erst kürzlich gingen 5000 Menschen in Stuttgart auf die Straße, um gegen "eine Sexualisierung unserer Kinder" und für den "Schutz der Familie" zu demonstrieren.

Jüngere Lehrer outeten sich mittlerweile eher, sagt Udo Fleige, Gründer des Arbeitskreises Schwulenpolitik der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Baden-Württemberg. Und: "Oft ist die Angst unbegründet", sagt Fleige. Er habe nie mitbekommen, dass Eltern Stimmung gegen einen homosexuellen Lehrer gemacht hätten.

Fabian Müller hatte keine Probleme an seiner Schule nach seinem Coming-out. Der Schulleiter stehe hinter ihm, sagt er. Wie genau er sich bei den Schülern in Villingen-Schwenningen geoutet hat, weiß Müller nicht mehr. Vermutlich, sagt er, habe ihn einmal jemand gefragt, was er in den Ferien mache, und er habe auf die Pläne mit seinem Freund verwiesen.

Die beiden sind seit sechs Jahren zusammen. "Ich würde mich nicht hinstellen: 'Ich bin euer Klassenlehrer. Ich bin schwul'", sagt Müller. Aber Schülerinnen habe er später schon auch mal Bilder von seinem Freund gezeigt. "Oh, der ist aber süß", quietschten die Mädchen. "Finger weg, das ist meiner", sagte Müller da. Darüber lacht er noch heute.

  • Corbis
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Stefanie Järkel, dpa/lov

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