Schülerzeitungspreis-Gewinner: "Ich mag es, wenn es raschelt"

Michael B. Rehders

Wie müssen sich Zeitungen verändern, damit junge Leute sie lesen? Im Interview geben die Schülerzeitungspreis-Gewinner Antworten: Sie verraten, wie sie Print und Online vereinen und warum es immer Leute geben wird, die auch Papier kaufen.

SPIEGEL ONLINE: Glückwunsch, ihr gehört zu den Hauptgewinnern des Schülerzeitungspreises 2013. Wie fühlt ihr euch?

Julia: Einfach geil.

Immanuel: Champagner!

Linus: Unsere Arbeit wurde von Fachleuten anerkannt. Es ist pure Freude.

SPIEGEL ONLINE: Julia und Immanuel, ihr seid mit "Wooling" Gesamtsieger geworden, Linus und Mark ihr wurdet für den besten Online-Auftritt ausgezeichnet. Wie habt ihr euch vorbereitet?

Linus: Gar nicht. Unsere Idee ist es, dass uns die Arbeit Spaß macht und wir uns mit den Themen identifizieren können. Und es muss unsere Mitschüler interessieren. Wir haben keinen zusätzlichen Aufwand für diesen Wettbewerb betrieben und uns einfach beworben.

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Schülerzeitungspreis 2013: Das sind die Gewinner
Julia: Bei uns ist das leider etwas anders: Unser Heft ist teuer, die Druckkosten sind sehr hoch, und wir empfinden schon einen Leistungsdruck bei diesem Wettbewerb. Wir müssen immer vorne dabei sein. Nur so bekommen wir Preisgelder und können "Wooling" in dieser Form machen.

SPIEGEL ONLINE: Wie gelingt es denn euren Schülerzeitungen, Print und Online zu vereinen?

Julia: Wir beschränken uns auf Print und haben nur eine Facebook-Seite. Als unsere Redaktion vor ein paar Jahren kleiner wurde, mussten wir uns entscheiden. Die Mehrheit unserer Redakteure wollte mit dem Herzen Print machen.

Mark: Bei uns ist das nicht so: Gerade mit unserem Online-Auftritt haben wir es geschafft, Aufmerksamkeit für unsere Schule zu bekommen und Schüler zu motivieren, bei uns mitzumachen.

SPIEGEL ONLINE: Wie verbindet Ihr den gedruckten "Mittelpunkt" mit Eurem Online-Auftritt?

Mark: Wir haben in unserer Print-Ausgabe QR-Codes, die auf weitere Fotostrecken oder Videos verlinken. Bei anderen Texten haben wir zusätzliche Audio-Stück auf der Website. Alles Dinge, die wir im Print so nicht machen könnten.

Linus: Und über die Kommentar-Funktion können wir mit unseren Lesern reden. Wie soll das bei einem Print-Text gehen? Wir sind außerdem in sozialen Netzwerken aktiv. Das gehört alles zusammen.

SPIEGEL ONLINE: Seht ihr die Zukunft eher im Print oder Online?

Immanuel: Es muss sich alles miteinander verbinden. Print wird für mich immer weiter existieren, aber nur, wenn sich der Printjournalismus weiterentwickelt.

Julia: Es wird immer Freaks geben, die Zeitungen gedruckt lesen wollen. Die sich am Kiosk anstellen und ein Magazin kaufen. Ich selbst mag es viel lieber, wenn es raschelt und nach Papier riecht.

Linus: Ich weiß nicht. Ich liebe auch Papier, aber wenn wir selbst demnächst alles auf einem Tablet lesen, warum sollten unsere Kinder in ein paar Jahren dann noch zu einer Papierausgabe greifen?

SPIEGEL ONLINE: Würdet ihr für Texte im Internet bezahlen?

Julia: Klar, wenn es gute Texte sind und gute Recherche und wenn ich finde, dass es sich insgesamt für mich lohnt. Dann ist das doch selbstverständlich.

Linus: Ich könnte mir gut vorstellen, statt einem Print-Abo ein SPIEGEL-ONLINE-Abo zu haben. Wenn ich dann aber ein paar mal "Die Zeit" lese und feststelle, dass ich mich damit besser fühle, wäre der SPIEGEL sehr schnell für mich gestorben. Es ist wie bei einer Modemarke: Es muss cool sein, den SPIEGEL zu lesen.

Immanuel: Das Gefühl spielt eine große Rolle: In welche Gruppe wird man damit auf dem Schulhof eingeordnet? Online- oder Print-Leser? SPIEGEL- oder "Zeit"-Abonnent? Ist das cool? Das ist wichtig.

SPIEGEL ONLINE: Wie blickt ihr als junge Zeitungsmacher in die Zukunft?

Mark: Es wird viel von der Medienkrise geredet, aber Menschen werden immer Informationen wollen und dafür auch bezahlen. Falls ich wirklich Journalist werden will, dann ist dieser Wettbewerb bestimmt hilfreich. Aber erst mal muss ich im nächsten Jahr Abi machen.


Julia Kluttig, 18, und Immanuel Jork, 19, gehören zur Schülerzeitung "Wooling", dem Gesamtsieger des diesjährigen Schülerzeitungspreises. Kluttig wurde in diesem Jahr außerdem für die beste Reportage und das beste Foto ausgezeichnet.

Mark Offermann, 18, und Linus Luka Bahun, 19, gehören zur Redaktion von "Mittelpunkt". Sie wurden in diesem Jahr u.a. für den besten Online-Auftritt prämiert.

Das Gespräch führte Jonas Leppin.

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1. Wie gewinnt man...
Das Auge des Betrachters 18.06.2013
Zitat von sysopMichael B. RehdersWie müssen sich Zeitungen verändern, damit junge Leute sie lesen? Im Interview geben die Schülerzeitungspreis-Gewinner Antworten: Sie verraten, wie sie Print und Online vereinen und warum es immer Leute geben wird, die auch Papier kaufen. http://www.spiegel.de/schulspiegel/interview-mit-den-gewinnern-des-schuelerzeitungspreis-2013-a-906270.html
...einen Preis für Schülerzeitungen? In dem man eine Kopftuchträgerin auf dem Titel präsentiert. Allein damit kann man den Beweis antreten, dass die politkorrekte Selbstleugnung durch Indoktrination Erfolg hatte.
2. Wenn Schema X verfängt
Andr.e 18.06.2013
Zitat von Das Auge des Betrachters...einen Preis für Schülerzeitungen? In dem man eine Kopftuchträgerin auf dem Titel präsentiert. Allein damit kann man den Beweis antreten, dass die politkorrekte Selbstleugnung durch Indoktrination Erfolg hatte.
Sie sollten Ihre banale Oberflächlichkeit nicht auf die Jury projizieren. Denn - so meine unbewiesene Vermutung - diese hat wohl in die Zeitungen auch mal reingeschaut.
3. diese sessel
olly 18.06.2013
weiß jemand wo man diese sessel von dem bild bekommt? kennt jemand die bezeichnung von diesen "ohrensessel"? Danke, verzweifel beim googlen :)
4. An olly:
Nic_Blume 18.06.2013
Das sind Sessel vom Designer Arne Jacobsen. Google Suchen danach werden dir weiterhelfen ;)
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