Jugendgewalt: Täter schlagen in der Gruppe zu

Sie kloppen, boxen und treten: Jugendliche Gewalttäter begehen mehr Straftaten. Gemeinsam schlagen sie besonders oft zu, heißt es in einem Bericht der Innenministerkonferenz. Doch es könnte noch einen anderen Grund dafür geben, dass die Zahl der Taten steigt.

Die Jugendgewalt in Deutschland hat zugenommen - das ergab eine Untersuchung von Bund und Ländern. Die Deliktsform, die immer häufiger begangen werde, "ist die gemeinschaftlich begangene Körperverletzung", zitierte die "Welt am Sonntag" aus dem Bericht einer Arbeitsgruppe für die Innenministerkonferenz.

Prügelei: Die Täter werden immer brutaler
DPA

Prügelei: Die Täter werden immer brutaler

In einigen Bundesländern habe sich die Anzahl der Körperverletzungen, Raub-Delikte und schweren Nötigungen innerhalb eines Jahrzehnts fast verdoppelt, heißt es in dem Bericht, der der Zeitung vorliegt. In Niedersachsen etwa sei die Zahl der Körperverletzungen durch Jugendliche von 5.194 auf 10.280 gestiegen. Die Täter würden immer brutaler.

Auch Hamburg, Bremen, Baden-Württemberg oder das Saarland verzeichneten einen starken Anstieg bei Körperverletzungsdelikten.

"Früher gab es eine natürliche Hemmschwelle: Wenn jemand bei der Schulhofprügelei am Boden lag, wurde nicht mehr nachgetreten. Das ist heute anders", sagte der niedersächsische Innenminister Uwe Schünemann.

Täter werden häufiger angezeigt

Hamburgs Innensenator Udo Nagel sprach von einem "deutlichen Warnzeichen" für die Gesellschaft. "Offensichtlich existiert unter jungen Menschen eine immer niedrigere Hemmschwelle zur Ausübung von Gewalt", sagte er. Um diesen Trend zu stoppen, müssten auch die strafrechtlichen Möglichkeiten verschärft werden.

Überwiegend seien die Täter um die 20 Jahre alt. "Diese Aussage lässt sich als Trend, vor allem für den Bereich der einfachen Körperverletzung, für alle Bundesländer ausmachen", schreiben die Autoren des Berichts mit dem Titel "Entwicklung der Gewaltkriminalität junger Menschen mit einem Schwerpunkt auf städtischen Ballungsräumen".

Jugendbanden oder Gangs wie in Berlin oder Bremen seien eher die Ausnahme. "Zumeist handelt es jedoch um lose, wohn- oder schulnahe Gruppierungen mit wechselnden Mitgliedern, die überwiegend Aggressionstaten innerhalb der jeweiligen Altersgruppe begehen, eher in Form einer Clique", heißt es laut "Welt am Sonntag" in dem Bericht.

Doch darin ist der Zeitung zufolge auch zu lesen, dass es noch eine andere Ursache für den Anstieg von jugendlichen Gewalttaten geben könnte: Die Bereitschaft, Täter anzuzeigen, nehme zu. Vielleicht hat es früher sogar genausoviele gewalttätige Jugendliche gegeben, wie heute - aber mehr als heute kamen ungestraft davon. Einen abschließenden Bericht soll es im Frühjahr 2008 geben.

kat/AP

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