Die Stadt Zweibrücken möchte Jugendliche von Drogen abhalten. Das Ziel allerdings hat die Kommune mangelhaft umgesetzt: Gemeinsam mit dem Internationalen Bund, ein Verein, der sich in der Jugendarbeit engagiert, hat die Stadt einen Wandkalender herausgegeben. Darin stehen Sprüche wie: "Drogen sind keine wahren Freunde", "Drogen machen hässlich", "Bist du high, sagst du Bye!!!!" - und: "Nüchtern cool, Saufen schwul". Der Lesben- und Schwulenverband Deutschland teilt dazu mit: "Dieser Kalender ist mit öffentlichen Geldern geförderte Homophobie." Der Kalender fördere Mobbing und Ausgrenzung, er müsse sofort zurückgezogen werden.
"Schwul" und "Schwuchtel" gehören auf deutschen Schulhöfen zu den beliebtesten Schimpfwörtern: Fast zwei Drittel der Berliner Sechstklässler haben die Ausdrücke schon als Schimpfworte verwendet, zu dem Ergebnis kam im vergangenen Jahr eine repräsentative Studie der Berliner Humboldt Universität (Studie als PDF). Schwule, lesbische und bisexuelle Schüler werden oft gemobbt, auch manche schwulen Lehrer berichten von Angst im Unterricht.
Alle Kalender vernichtet
Es handele sich eben um weit verbreitete Schülersprache, sagte der Bürgermeister Rolf Franzen (CDU) dem "Pfälzischen Merkur". Ihm sei zunächst gar nichts aufgefallen, als er auf den Kalender angesprochen worden sei. Er würde das Ganze "nicht so extrem hochhängen", gegen Schwule und Lesben sei das sicher nicht gerichtet. "Ein Lapsus." Ob die Stadt auf die Kritik reagiert, ist bislang nicht bekannt. Im Rathaus war am Freitagnachmittag keiner mehr für eine Stellungnahme erreichbar.
Alles andere als einen "Lapsus" sieht darin der Lesben- und Schwulenverband: Diese Bewertung zeige, "dass für die Verantwortlichen Homophobie ein Kavaliersdelikt zu sein scheint". Auch bei den Schülern kommt der Kalender nicht unbedingt gut an: "Es ist auf keinen Fall okay, 'schwul' als abschreckenden Begriff in einer offiziellen Publikation zu verwenden", sagte der 17-jährige Stadtschülerratssprecher Christian Becker der Zeitung. Drogenprävention sei gut, aber nicht wenn sie unbewusst Homophobie fördere.
Immerhin will sich der Internationale Bund von dem Kalender verabschieden: Im Bemühen um jugendgerechte Sprache sei "ein sehr unreflektierter Slogan" verwendet worden, sagte dessen Geschäftsführer in Rheinland-Pfalz/Saarland, Jürgen Feucht, dem "Pfälzischen Merkur". Die Veröffentlichung sei ein Fehler, dafür wolle sich der Verein entschuldigen. Der Geschäftsführer versicherte: Alle im Besitz des Vereins befindlichen Kalender seien vernichtet.
fln
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