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Londoner Privatschule: Internet gibt es erst ab 16

Kinder spielen Indianer im Wald: Hemmen Medien die Vorstellungskraft? Zur Großansicht
Corbis

Kinder spielen Indianer im Wald: Hemmen Medien die Vorstellungskraft?

Wer oft auf Bildschirme stiert, kann sich schlechter konzentrieren, sagen die Gründer einer teuren Londoner Privatschule. Sie verbieten ihren Schülern Handys, PCs und Fernseher. Sogar die Eltern sollen mitziehen.

Fernseher, Computer und Mobiltelefone seien verantwortlich dafür, dass Kinder schnell abschweiften, sich schnell langweilten und sich kaum noch auf eine einzige Sache konzentrieren könnten. Da sind sich die Gründer der London Acorn School sicher. An ihrer Schule sind moderne Medien deshalb verboten. Und nicht nur dort: Kinder, die die teure Privatschule besuchen, dürfen nicht mal zu Hause oder in den Ferien surfen, daddeln und chatten, berichtete die Zeitung "The Guardian".

Wer sein Kind auf die Schule schicke, erkläre sich dazu bereit, deren Satzung zu befolgen, heißt es auf der Homepage der Acorn School. Und die Satzung besagt: Gar kein Fernsehen für Kinder unter zwölf Jahren, danach nur von den Eltern abgesegnete Dokus. Spielfilme sind erst ab 14 Jahren erlaubt, und Internet ist für alle unter 16 verboten, in der Schule und zu Hause.

Die Schule verspricht sich davon, Kinder zu wacheren, kreativeren Menschen erziehen zu können. In den heutigen "frenetischen, von Medien erfüllten Umgebungen" seien Kinder lediglich "passive Beobachter". Sie wechselten ständig zwischen verschiedenen Bildschirmen hin und her. Das wirke sich negativ aufs Gehirn aus und führe dazu, dass Kinder verlernten, sich mit einzelnen Dingen kreativ und nachhaltig zu beschäftigen, heißt es auf der Homepage der Einrichtung, die seit 2013 besteht.

Mit ihrem Technikverbot stemmt sich die Schule gegen den Trend, Kinder schon früh an moderne Medien heranzuführen. So forderte hierzulande unlängst die SPD, das Fach Informatik für deutsche Schulen zur Pflicht zu machen. Und Pädagogen diskutieren landesweit darüber, wie sie mit Tablets, interaktiven Whiteboards und Lernvideos einen besseren Unterricht gestalten können.

Ob Handys, Computer und Internet die Leistungsfähigkeit von Schülern hemmen oder fördern, ist umstritten. Das kommt wohl vor allem darauf an, ob die Technik klug eingesetzt wird. Die London Acorn School hat sich für den totalen Verzicht entschieden. Ihre rund 40 Schüler sollen den eigenen Entdeckungsdrang und ihre Vorstellungskraft ausleben dürfen - indem sie Bilder malen, Holz schnitzen, die Natur erkunden.

Die Eltern lassen sich die technikfreie Erziehung einiges kosten: Die Gebühren für ein Schuljahr liegen bei umgerechnet 10.700 bis 14.800 Euro pro Jahr.

lov

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