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Kinderbilder vom Syrien-Krieg: "Der Freiheitsvogel wurde erschossen"

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"Ein Flugzeug beschießt ein Mädchen": So klingt es, wenn syrische Kinder Alltagserlebnisse schildern. In der Malstunde an einer Flüchtlingsschule haben viele zum ersten Mal die Möglichkeit, sich auszudrücken. Hier sind ihre Bilder.

Panzer der syrischen Regierungstruppen walzen durch ein Dorf, dazwischen laufen schießende Soldaten. Flugzeuge bombardieren Wohnhäuser. Ein Bild zeigt ein Schulgebäude, das es heute nicht mehr gibt. Es sind farbenfrohe Kinderbilder, Wasserfarbe auf weißem Papier, doch sie zeigen nichts als Gewalt und Tod.

Die Bilder wurden von Kindern gemalt, die in ihrer syrischen Heimat Schreckliches erleben mussten, ehe sie dem seit drei Jahren andauernden Bürgerkrieg endlich entkamen. "Ein Flugzeug beschießt einen Jungen und ein Mädchen, das bitterlich weint", beschrieb etwa die elfjährige Asya ihr Bild.

"Sie machen mich stolz und traurig zugleich", sagt Annegret Hoffmann. Hoffmann ist Lehrerin an einer privaten Schule in Berlin und ohne ihre Initiative hätten die Flüchtlingskinder die Bilder nicht malen können. Denn gemeinsam mit ihrem Ehemann, der aus Syrien stammt, hat die 42-Jährige den Verein Jusur gegründet, was auf Arabisch Brücke heißt.

Hoffmann sammelt gemeinsam mit ihren Berliner Schülern Spenden für Flüchtlinge aus dem Bürgerkriegsland, verkauft selbst gebackenen Kuchen, wirbt Dauerspender in der Elternschaft. Sie organisierte auch eine Kunstauktion, bei der Berliner Künstler ihre Werke zugunsten des Vereins versteigern ließen. Mit dem Erlös schickt Hoffmann Hilfstransporte über 4000 Kilometer quer durch Europa an die türkisch-syrische Grenze: Kleidung, Schuhe, Schultafeln, Schreibutensilien. Sie kommen etwa dem Dorf Hacipasa zugute, das früher 2500 Einwohner hatte, nun wohnen dort weitere 2500 Menschen in Notunterkünften.

"Man müsste noch viel mehr tun"

Mit den Spenden des Vereins gründete Hoffmann in der Südtürkei zwei Schulen für je etwa 50 Flüchtlingskinder, weitere sollen folgen. "Ich freue mich sehr, dass selbst organisierte Hilfe funktioniert. Gleichzeitig ist es bedrückend zu sehen, wie eingeschränkt man ist. Man müsste noch viel mehr tun, es reicht hinten und vorne nicht", beschreibt Hoffmann ihre Erfahrungen.

Viele der Flüchtlingskinder haben seit Jahren keine Schule mehr besucht. "Jusur" bezahlt die Miete und Gehälter der Lehrerinnen, stellt Wasserfarben, Papier und Scheren zur Verfügung. Nun haben die Kinder wieder die Möglichkeit, zu malen, und auf diese Weise auszudrücken, was sie bewegt und was sie vermissen.

Die entstandenen Werke hat Annegret Hoffmann anschließend in ihrer Berliner Schule ausgestellt. Es sind Bilder, die unter die Haut gehen und den Betrachter erahnen lassen, was diese Kinder erlebt haben: Bombardierungen, Verletzte und Tote gehörten zu ihrem Alltag. "Der Freiheitsvogel wurde erschossen, weil er die Freiheitsfahne getragen hat", kommentiert die 14-jährige Maram ihr Bild. Und Ramzi, 8, hat wie so viele anderen Kinder ein Flugzeug gemalt. Es ist ein Kampfjet, der ein Haus bombardiert.

  • AFP
    Sie malen Blut, Waffen und tote Menschen: In der Türkei besuchen traumatisierte Flüchtlingskinder aus Syrien eine provisorische Schule. Blumen zu zeichnen müssen sie erst wieder lernen, ihre Schulleiterin macht sich Sorgen um eine verlorene Generation.

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1. schlimm
ziegenzuechter 21.05.2014
Zitat von sysopJusur"Ein Flugzeug beschießt ein Mädchen": So klingt es, wenn syrische Kinder Alltagserlebnisse schildern. In der Malstunde an einer Flüchtlingsschule haben viele zum ersten Mal die Möglichkeit, sich auszudrücken. Hier sind ihre Bilder. http://www.spiegel.de/schulspiegel/kinderbilder-syrische-fluechtlinge-malen-den-krieg-a-970456.html
die armen kinder. sehr traurig, dass ihnen eingeredet wurden die islamisten, die syrien ins mittelalter bomben wollen. wuerden fuer freiheit stehen.
2.
alafesh 21.05.2014
Zitat von ziegenzuechterdie armen kinder. sehr traurig, dass ihnen eingeredet wurden die islamisten, die syrien ins mittelalter bomben wollen. wuerden fuer freiheit stehen.
Traurig ist, daß Sie noch nicht begriffen haben, daß die islamistischen Kämpfer aus dem Ausland kommen und von unseren Islamistischen Freunden unterstützt werden. Für Freiheit standen die Männer und Frauen, Arbeiter und Studenten, die zu Anfang auf die Straßen gegangen sind . Das wisssen- im Gegensatz zu Ihnen- dort sogar die Kinder. Der Zug der Revolution wurde nicht nur in Syrien von Islamisten übernommen,was unsere Politiker viel lieber sehen als etwa Demokratie in diesen Ländern.
3.
Olaf 21.05.2014
Zitat von sysopJusur"Ein Flugzeug beschießt ein Mädchen": So klingt es, wenn syrische Kinder Alltagserlebnisse schildern. In der Malstunde an einer Flüchtlingsschule haben viele zum ersten Mal die Möglichkeit, sich auszudrücken. Hier sind ihre Bilder. http://www.spiegel.de/schulspiegel/kinderbilder-syrische-fluechtlinge-malen-den-krieg-a-970456.html
Die armen Kinder müssen die Fehler der Erwachsenen ausbügeln. Erinnert mich an die Bilder der Kinder aus dem Bosnienkrieg. Möchte wissen, was aus denen geworden ist.
4. optional
irrenderstreiter 21.05.2014
Schade, dass selbst solch ein trauriges Thema instrumentalisiert wird, denn es gibt nicht wenige Kinder in diesem Bürgerkrieg geben, die in einer Form Opfer der Gewalt durch die Aufständischen wurden. Sei es durch Anschläge, Granatwerferbeschuss, oder weil ihre Eltern masakkriert wurden.
5. Alle Kriege …
kopfweh 22.05.2014
… werden ähnliche Bilder liefern. Mir sind sie 1999 in einem Flüchtlingslager in Mazedonien erstmalig begegnet. Geschenke von Kindern aus Neprosteno — Kinderzeichnungen die mich schockierten. Zeigten sie alle möglichen Gräueltaten des Krieges. Erst in Gesprächen, mit den Flüchtlingen im Lager, wurde mir die Grausamkeit des Krieges wirklich bewusst. Zeigte uns die Weltpresse z.T. ein verzerrtes Bild. Wie mag es diesen Kindern heute ergehen?
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