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Körperschmuck an US-Schule: Heiliger Nasenstab

Sie wollte ihren Nasenstecker im Unterricht nicht ablegen, aus religiösen Gründen - und setzte sich damit gegen ihre Schule durch: Eine US-Schülerin sagt, sie gehöre zur "Church of Body Modification". Ihr Piercing müsse sie tragen, auch wenn die Schulordnung das verbietet. Ein Richter sah das ähnlich.

Piercing-Fan (Archivbild von 2006): Wo endet die Religionsfreiheit? Zur Großansicht
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Piercing-Fan (Archivbild von 2006): Wo endet die Religionsfreiheit?

Sie gehöre zur "Church of Body Modification", der Stecker in ihrem Nasenloch sei Ausdruck ihrer religiösen Überzeugungen, als Gläubige müsse sie ihn tragen. Mit dieser Argumentation setzte sich die Highschool-Schülerin Ariana I. aus North Carolina gegen ihre Schule durch, an der Piercings im Gesicht eigentlich verboten sind.

Die Clayton Highschool hatte die Schülerin im Herbst suspendiert, nachdem sie mit dem Nasenstecker zum Unterricht erschien. Denn die Schulordnung verbietet solchen Körperschmuck. Ein Bundesrichter entschied allerdings: Das Mädchen soll weiter zur Schule gehen, Piercing hin oder her, bis geklärt sei, ob Schulordnung oder das Recht auf Religionsfreiheit schwerer wiegen.

Ursprünglich habe die Schulverwaltung geplant, den Streit rechtlich durchzukämpfen schreibt die "Washington Post". Dann sei man aber zu dem Schluss gekommen, dass sich ein voraussichtlich langwieriger und teurer Prozess nicht lohnen würde, das Geld werde anderswo gebraucht, zitiert die Zeitung einen Schulrat. Die Schule ließ ihren Widerspruch gegen die richterliche Anordnung fallen und akzeptiert, dass das Mädchen jetzt gepierct zur Schule kommt.

Bodymodfication-Kult hat angeblich 3500 Anhänger

Bei der Bürgerrechtsorganisation American Civil Liberties Union, die die Schülerin in dem Fall vertrat, war von einem Sieg der Religionsfreiheit die Rede.

Die Schule erlaubt dem Mädchen jetzt, ihren Nasenschmuck solange zu tragen, wie sie Mitglied der "Church of Body Modification" bleibt. Die kleine Gruppe hat nach eigenen Angaben 3500 Mitglieder in den USA, berichtet die "Washington Post". Zu den spirituellen Ritualen gehören demnach auch Tätowierungen.

Erst im letzten Jahr hatte ein 22-Jähriger US-Amerikaner für Aufmerksamkeit gesorgt, weil er seinen Cannabiskonsum als Ausdruck seiner Religion ansah. Er war der "Church of Universal Sacraments" beigetreten, trug Hemden aus Hanffasern und kiffte. Vor Gericht kam er damals allerdings nicht damit durch.

otr/AP

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1. Leute die sich entbloeden
kb26919 07.06.2011
sich durchloechern,taetowieren bis zur Unerkenntlichkeit koennen einem leid tun. Aber hier in USA gibt es schon die ersten Laeden,die diese Koerperverschandlung entfernen und zwar fuer einen Haufen mehr Geld als die Taetowierung.
2. .
tanzschule 07.06.2011
"Church of Universal Sacraments" gefällt mir. da die usa doch so gnadelos pleite sind , sollten sie das feld der weichen drogen nicht den gangs überlassen. im "drugstore" verkauft mit ner ordentlichen steuer würden sie gut dran verdienen.
3. Ah ja...
DefTom 07.06.2011
Zitat von kb26919sich durchloechern,taetowieren bis zur Unerkenntlichkeit koennen einem leid tun. Aber hier in USA gibt es schon die ersten Laeden,die diese Koerperverschandlung entfernen und zwar fuer einen Haufen mehr Geld als die Taetowierung.
Sehr sinnvoller Beitrag, danke hierfür. Die Schülerin hat genau das Richtige getan, sie hat nicht den Schwanz eingezogen und zeigt den sog. "Moralaposteln", wo der Hammer/Nasenstecker hängt. Lustig auch das Zurückrudern der Schulbehörde, die wahrscheinlich von ihren Anwälten geflüstert bekam, daß diese Klage bzw. das Verfahren unmöglich zu gewinnen sei... Warum versuchen manche Leute immer, den anderen ihren Lebensstil und Weltanschauung aufzudrängen? Leben wir nicht inzwischen im 21. Jahrhundert?
4. Und Anhänger der Nudistenkirche?
Porgy, 07.06.2011
Zitat von sysopSie wollte ihren Nasenstecker im Unterricht nicht ablegen, aus religiösen Gründen - und setzte sich damit gegen ihre Schule durch: Eine US-Schülerin sagt, sie gehöre zur "Church of Body Modification". Ihr Piercing müsse sie tragen, auch wenn die Schulordnung das vierbietet. Ein Richter sah das ähnlich. http://www.spiegel.de/schulspiegel/0,1518,767113,00.html
Das ist natürlich ein gefundenes Fressen für islamische Kopftuchträgerinnen. Allerdings müssten dann Anhänger einer noch zu gründenden "Church of Nudists" auch splitternackt in die Kirche gehen dürfen. Und Rastafaris müsste zugestanden werden, in der Schule aus religiösen Gründen ihre Joints zu rauchen.
5. ...
Neurovore 07.06.2011
Zitat von DefTomSehr sinnvoller Beitrag, danke hierfür. Die Schülerin hat genau das Richtige getan, sie hat nicht den Schwanz eingezogen und zeigt den sog. "Moralaposteln", wo der Hammer/Nasenstecker hängt. Lustig auch das Zurückrudern der Schulbehörde, die wahrscheinlich von ihren Anwälten geflüstert bekam, daß diese Klage bzw. das Verfahren unmöglich zu gewinnen sei... Warum versuchen manche Leute immer, den anderen ihren Lebensstil und Weltanschauung aufzudrängen? Leben wir nicht inzwischen im 21. Jahrhundert?
Sie beziehen sich auf die Schülerin, die ihr Recht auf persönliche Selbstbestimmung nicht nur im Privatleben und in der Öffentlichkeit ausleben, sondern ihren Lebensstil und ihre Weltanschauung auch ihren Mitschülern (Schulpflicht?) aufdrängen wollte? Keine Ahnung, solche armseligen Menschen gibt es halt....
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