In Ägypten ist eine Lehrerin wegen eines Übergriffs auf unverschleierte Schülerinnen zu einer sechsmonatigen Bewährungsstrafe verurteilt worden. Das entschied ein Gericht in der Stadt Luxor. Die Lehrerin hatte zwei muslimischen Grundschülerinnen die Haare abgeschnitten, weil die sich geweigert hatten, Kopftuch zu tragen. Sie selbst trägt Kopftuch und Gesichtsschleier.
Zuvor war sie bereits von der Schule verwiesen worden. Angeblich "im Spaß" hatte sie den zwei zwölfjährigen Mädchen einen Teil der Haare abgeschnitten, wie sie sich verteidigte. Eine Frauenrechtsorganisation hatte die Aktion als eine Verletzung der Menschenrechte verurteilt. Auch der Vater eines der Mädchen machte nach dem Vorfall seinem Ärger öffentlich Luft. Er sagte, er habe eine Beschwerde beim Staatsanwalt eingereicht.
Der Vorfall reiht sich ein in eine Serie von religiösen Streitereien. So gibt es immer mehr selbst ernannte Religionspolizisten. Ägyptische Frauen, die sich nicht verschleiern, klagen verstärkt über Belästigungen durch Salafisten.
Erst vor wenigen Tagen versuchten Fanatiker in der Stadt Suez, dem Sohn eines Gemüsehändlers die Hand abzuhacken. Damit wollten sie ihn dafür "bestrafen", dass er ein Mitglied ihrer Gruppe zur Rede gestellt hatte. Im Sommer wurde ebenfalls in Suez ein Student von Bärtigen ermordet, weil er mit seiner Verlobten spazieren gegangen war.
Kritiker sehen in dem Kopftuchvorfall einen Zusammenhang mit der erstarkenden Stellung der Islamisten in der ägyptischen Politik und Gesellschaft. Linke und liberale Parteien protestieren seit dem Sturz des langjährigen Präsidenten Husni Mubarak immer wieder gegen den ultrakonservativen Kurs der neuen Regierung - die Muslimbruderschaft stellt den Präsidenten Mohammed Mursi und die größte Fraktion im Parlament. Auch das Verfassungskomitee wird von Islamisten dominiert.
otr/dpa
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