Junge Lehrer sollen bald problemlos in jedem Bundesland arbeiten können, egal wo sie ihren Abschluss gemacht haben: Die Länder haben sich am Donnerstag darauf geeinigt, Lehrerexamen bundesweit gegenseitig anzuerkennen. Die Kultusministerkonferenz (KMK) verabschiedete eine Richtlinie, die Pädagogen berufliche Mobilität garantiert.
Es soll künftig also niemand mehr grundsätzlich irgendwo abgelehnt werden dürfen, weil er zum Beispiel "nur" einen Master of Education aus Berlin und kein Staatsexamen aus Bayern vorweisen kann. Auch die unterschiedliche Dauer des Referendariats soll keine Rolle mehr spielen dürfen. Die Länder würden rechtliche Änderungen dafür "bis zum Jahresende" einleiten, sollten diese nötig sein, teilte die KMK mit.
Der Einigung ging ein langes politisches Gezerre voraus - und Bayern beharrte bis zuletzt auf einigen Sonderwünschen. So behalte man sich vor, Bewerber für das Grundschullehramt zurückzuweisen, die Mathe und Deutsch nicht als Prüfungsfächer hatten, sagte Bayerns Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) SPIEGEL ONLINE. Für Mittelschulen solle Deutsch oder Mathe Voraussetzung sein.
Die Qualität der Ausbildung sei entscheidend für den Unterrichtserfolg, sagte Spaenles Sprecher Ludwig Unger. Deshalb dürfe man die Ausbildung in diesen wichtigen Hauptfächern nicht "dem Zufall überlassen". Spaenle fügte hinzu, die Kultusminister wollten gemeinsam prüfen, ob Deutsch und Mathe für angehende Grundschullehrer nicht bundesweit verpflichtende Studienfächer werden sollten.
Aussichten auf Geld vom Bund
Zwar garantiert eine EU-Richtlinie auch den Lehrern europaweit berufliche Mobilität. Doch innerhalb Deutschlands tun sich die Kultusminister seit Jahren schwer, denn die Lehrerausbildung ist in den 16 Ländern sehr unterschiedlich geregelt. So schließen Studenten in Bayern die Ausbildung in der Regel nach wie vor mit einem Staatsexamen ab. In Baden-Württemberg werden Grund- und Hauptschullehrer immer noch an eigenständigen Pädagogischen Hochschulen (PH) ausgebildet, die in Hamburg bereits nach der Reichsschulkonferenz von 1920 abgeschafft wurden. In den anderen Bundesländern wurden die PHs spätestens in den siebziger Jahren in die Universitäten integriert.
Der Bund hat Druck auf die Länder ausgeübt, sich in diesem Kuddelmuddel endlich anzunähern. Das Bundesbildungsministerium hat den Ländern bis 2023 jährlich 50 Millionen Euro für Hochschulprojekte in Aussicht gestellt. Damit soll die Qualität des Lehramtsstudiums verbessert werden. Der Bund wollte das Geld für die "Qualitätsoffensive Lehrerbildung" allerdings nicht freigeben, bevor sich die Länder nicht dazu verpflichtet haben, Lehrerexamen uneingeschränkt anzuerkennen.
"Ich hoffe, dass wir mit der Verabschiedung der verbindlichen Anerkennungsrichtlinie die 'Qualitätsoffensive Lehrerbildung" starten können", sagte die rheinland-pfälzische Kultusministerin Doris Ahnen (SPD). Das wäre ein gutes und wichtiges Signal für die Lehrer. Das Programm stehe in der nächsten Sitzung der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz von Bund und Ländern (GWK) am 12. April auf der Tagesordnung, die die Verabschiedung bereits einmal vertagt hatte.
Nach einer KMK-Schätzung wechseln pro Jahr etwa 6000 bis 9000 Pädagogen unmittelbar vor oder nach dem Referendariat das Bundesland. Bei rund 700 Fällen gab es dabei zum Schuljahr 2011/12 Probleme, die zur Ablehnung führten.
son/dpa
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