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Hochbegabte Kinder Das Genie spielt Geisterschach

2. Teil: Richtig fördern, wie geht das?

Karsten Otto vom Verein Hochbegabtenförderung sieht zwei Schwerpunkte: Zum einen, sagt er, gehe es darum, die Kinder in Kindergarten und Schule zusätzlich noch auszulasten: "Sie müssen sich intellektuell austoben können." Zum anderen sei der Kontakt mit ähnlichen Kindern wichtig. "Statistisch ist ein hochbegabtes Kind nicht allein auf der Grundschule. Es gibt da noch mindestens ein anderes", macht Otto gestressten Eltern Mut.

Für solche Kinder - nötig ist der Nachweis eines IQs von mehr als 120 - bietet Ottos Verein bundesweit rund 120 Kurse an: "Wir bemühen uns, kein Schulwissen vorwegzunehmen." Sonst würden mögliche Schulprobleme der Hochbegabten durch die Kurse möglicherweise größer statt kleiner.

Naturwissenschaften sind bei den Treffen, die zwei Mal im Monat stattfinden ebenso Thema wie Sprachen: Wer will, kann in Gruppen von sieben Kindern Japanisch, Chinesisch oder Russisch lernen - jedenfalls wenn die Eltern den Monatsbeitrag von knapp 80 Euro locker machen können.

Um zusätzliche Förderung für Hochbegabte kümmert sich auch der Verein Bildung und Begabung. Er richtet die Deutschen Schülerakademien aus, zu denen sich jeden Sommer rund 900 Schüler aus den letzten beiden Jahrgängen vor dem Abitur treffen. Jeweils 15 bis 16 Teilnehmer, die 550 Euro Teilnahmegebühren zahlen müssen, sitzen in einem der Kurse.

Auch an den Schulen bleibt man nicht untätig

"Jede Schule, die zum Abitur führt kann pro Jahr ein bis zwei Kandidaten empfehlen", erklärt Harald Wagner, der sich mit der Organisation der Akademien befasst. Doch immer mehr Schulen dürften es bei der Auswahl der Kandidaten für die Schülerakademien einigermaßen schwer haben. Denn bundesweit gibt es eine stattliche Zahl an Bildungseinrichtungen, die sich speziell um Schüler mit besonderen Fähigkeiten kümmern. Genies sind dort unter sich.

Im Osten der Republik gibt es zum Beispiel ein Netz von neun Gymnasien, die aus den "Spezialschulen" der ehemaligen DDR hervorgegangen sind. Dort hatte man bereits in den Sechzigern damit begonnen, Talente zusätzlich auszubilden. Und dann gibt es noch Schulen wie das Sächsische Landesgymnasium St. Afra in Meißen und das baden-württembergische Landesgymnasium für Hochbegabte in Schwäbisch-Gmünd.

Sie fördern Hochbegabte, zum Teil mit harten Regeln: So ist der Besuch des Internats in Schwäbisch-Gmünd verpflichtend, denn auch dort wird gebüffelt. Und so lernen Schülerinnen wie Julia Götz nicht nur Allerweltssprachen wie Englisch und Französisch. Außerdem stehen für die junge Frau in Schwäbisch Gmünd noch Arabisch, Griechisch und Chinesisch auf dem Programm, damit keine Langweile aufkommt.

Ihre Schulkollegin Lea Krämer verfolgt dasselbe Ziel übrigens beim "Geisterschach". Statt Bauern, Türmen, Springern und Läufern stehen auf ihrem Brett nur Mühlesteine - und die sind obendrein noch alle weiß. Lea kann die Figuren also nicht sehen, sondern muss sie sich in jeder Spielsituation merken, nur auf der Unterseite ist der Wert der Figur vermerkt.

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