Sabrina: Also ich fand’s süß, dass er Popcorn geholt hat, muss ich ehrlich sagen. Irgendwie mochte ich ihn zu der Zeit auch schon. Jetzt nicht sooooo, aber ich fand ihn schon sehr nett und alles, aber ich durft’ halt nie, weil meine Freundin war verliebt in ihn und das hat sie mir auch immer gesagt. Deswegen war ich auch immer so abweisend.
Frage: Wann seid ihr dann zusammengekommen?
Daniel: So zwei, drei Jahre später.
Frage: Das ging ein paar Jahre? Und immer dieses Auf und Ab mit deinen Gefühlen?
Daniel: Wir haben uns ab und zu mal gesehen, aber mehr auch nicht.
Sabrina: Wir waren beide im Jugendrat hier in Cannstatt und haben uns, wenn er denn mal gekommen ist, gesehen, aber wir haben uns nie unterhalten oder so. Wenn wir miteinander geredet haben, dann wirklich nur ganz kurz und dann kam’s meistens, dass wir uns gestritten haben.
Frage: Worüber habt ihr euch gestritten?
Sabrina: Also, ich mochte ihn irgendwann ziemlich. Im Kino hat’s so ein bisschen angefangen und es war schon was da, aber ich hab’ mir halt immer gesagt: Nee, das geht nicht. Na ja, auf jeden Fall war es dann so, dass ich Anfang letzten Jahres jemand anderes kennen gelernt hab’, einen anderen Jungen. Das war so der Erste seit längerem, bei dem ich überhaupt wieder irgendein Interesse hatte. Dann war ich mit dem zusammen.
Daniel: Als ich in der Jugendhaus-Disco gesehen hab’, wie sie sich geküsst haben, hab’ ich nur noch gedacht: Okay, das war’s.
Frage: Was war das in dem Moment für ein Gefühl für dich?
Daniel: Es war leer, also es war total leer. Irgendwann später an dem Abend hat sich ihr Freund neben mich gesetzt und ich hab’ gedacht: Na toll! Dann haben wir halt was getrunken und ich musste den Becher mit ihrem Freund teilen. Ich hab’ wirklich nur noch gedacht: Hoffentlich explodiert der Becher einfach! Ja, und dann saßen wir so da und haben uns irgendwie unterhalten, und dann kam er irgendwie mit seinen Theorien, mit denen ich nicht viel anfangen konnte, und ich hab’ nur noch gedacht: Was für ein Arschloch! Ich wollte nichts mehr mit ihr zu tun haben.
Frage: Waren deine Gefühle für sie dann plötzlich nicht mehr da?
Daniel: Doch, das ging gar nicht weg. Es war nur noch schwieriger geworden für mich. Diese Geschichte mit ihr und dem Typen hat mir echt den Rest gegeben.
Frage: Und du warst in der Zeit glücklich mit deinem neuen Freund und hast gar nicht an Daniel gedacht?
Sabrina: Ja, anfangs war ich froh, dass dieses ständige Hin und Her mit Daniel beendet war. Aber als ich dann mit meinen Eltern sechs Wochen Ferien gemacht hab', hab’ ich ihn dann irgendwie mehr vermisst als meinen Freund. Ich wollt' das erst mal gar nicht wahrhaben. Einerseits habe ich ihn voll vermisst und mich auch darauf gefreut, ihn nach den Ferien wieder zu sehen, andererseits habe ich ihn echt dafür gehasst. Jedes Mal, wenn Daniel mir in den Sinn kam, konnte ich mich wirklich auf gar nichts konzentrieren. Ich hatte mir fast den halben Koffer voll Bücher mitgenommen, die ich lesen wollte, und dann saß ich da am Strand mit dem Buch und hab' eine halbe Stunde lang auf dieselbe Seite gestarrt. Ich hab' nur an ihn gedacht. Das habe ich dann meiner Freundin Moni erzählt.
Frage: Wie seid ihr dann zusammengekommen?
Daniel: Nach den Ferien kam Moni und hat mir erzählt, was Sabrina ihr im Urlaub gesagt hatte am Telefon. Und ich dachte, die verarscht mich jetzt. Und als sie mich gefragt hat, wie das mit mir ist, habe ich ihr auch die Wahrheit erzählt, dass ich noch Gefühle habe. Tja, und dann ist Moni gleich zu ihr gerannt, und dann wusste sie's auch.
Sabrina: Zwei Wochen später hatten wir eine Jugendratssitzung. Ich hatte ihn gebeten zu kommen. Moni hat ihm das von mir ausgerichtet. Bei der Sitzung konnte ich mich gar nicht konzentrieren. Ich hatte ihm gesagt, er soll bitte kurz auf mich warten – aber er war weg. Ich war sauer, voll auf 180. Dann bin ich nach Hause, habe ihn dann aber gesehen, wie er zurückgelaufen ist.
Frage: Wolltest du nicht auf sie warten?
Daniel: Nee, ich hatte in dem Moment keine Lust auf sie. Aber dann bin ich doch noch mal zurück. Das war eigentlich der entscheidende Tag überhaupt!
Sabrina: Wir sind dann zusammen nach Hause gelaufen. Wir beide wussten ja von meiner Freundin Moni, dass wir uns mögen. Ich habe darauf gewartet, dass er vielleicht anfängt, irgendwas in der Richtung zu sagen. Na ja, dann habe ich ihm gesagt, dass ich von Moni alles weiß und was er denn dazu meint. Weil ich wollte irgendwas hören an dem Tag.
Daniel: Es war total kindisch am Anfang. Keiner wusste so genau, was er sagen sollte. Ich habe sie nach Hause begleitet und dann haben wir gar nicht mehr geredet auf dem Weg, waren beide nur noch ganz ruhig und geschockt. Als wir bei ihr waren, war es schon spät. Dann hat sie mich umarmt, aber dann kam gleich wieder das Gezicke von wegen: Ja, kannst du nicht richtig umarmen?
Sabrina: Der stand halt nur da und hat sich gar nicht bewegt. Ich kam mir voll blöd vor!
Daniel: Ich auch. Auf jeden Fall fand ich es voll gut mit dem Umarmen, aber ich konnte nichts machen, aber es war halt der "first contact" zwischen uns, das erste Mal überhaupt, dass man sich so nah war. Doch ich wollte sie noch mal umarmen, denn ich wollte irgendwas ändern, bevor ich gehe. Also hab' ich sie umarmt und ihr einen Kuss gegeben, auf die Stirn, weil sie halt auch kleiner ist als ich. Und dann hat sie voll böse geguckt und mir auch einen Kuss gegeben, auf den Mund. Und dann ist sie gegangen. Ich hab' echt gedacht, ich bin im Himmel. Das war unvorstellbar.
Sabrina: Und ich hab' erst mal voll Ärger bekommen, weil ich total zu spät gekommen bin. Normalerweise reg' ich mich dann immer voll auf und fang den totalen Streit an mit meinen Eltern. Aber da hatte ich so gute Laune, ich hab' die einfach nur dumm angegrinst. Aber danach die Zeit war wirklich blöd. Es war immer so ein Hin und Her und ich wusste nicht, was ich machen sollte.
Daniel: Es war halt das Problem, dass Sabrina noch ihren Freund hatte. Für mich war das ein Riesenproblem. Weil ich eigentlich so was nie machen wollte: in eine Beziehung reinpfuschen.
Frage: Und du konntest mit dem anderen nicht Schluss machen?
Sabrina: Das war mein Problem, dass ich das nicht konnte. Meinem Freund ging es zu der Zeit nicht so toll und er hatte viele Probleme, finanziell und von der Ausbildung her. Ich hab' mich zu dem Zeitpunkt einfach nicht getraut, es ihm zu sagen, und hab's immer wieder aufgeschoben.
Frage: Und wie hast du dich da verhalten, Daniel?
Daniel: Ich hab sie irgendwie verstanden. Es war aber schon schwer für mich, zu warten. Wir haben uns auch sehr oft gestritten deswegen.
Frage: Wie lang ging das dann?
Sabrina: Das waren schon ein paar Monate. Dann, eine Woche vor Daniels Geburtstag, hab' ich mit dem anderen Schluss gemacht. Ich habe es ihm gleich am Telefon erzählt, dass mit dem anderen Schluss ist. Zu der Zeit haben wir ja fast jeden Tag abends von 11 bis morgens um 5 Uhr telefoniert.
Frage: Und jetzt ist alles perfekt in eurer Beziehung?
Daniel: Schön wär's. Ihre Eltern haben ihr den Kontakt zu mir verboten. Die denken, ich sei schlechter Umgang für sie.
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