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Max Buskohl Reifeprüfung für den Rock-Rebellen

2. Teil: "Ihr Arschlöcher, euch geht's doch nur ums Geld" - wütende Fans protestieren gegen den Rausschmiss des Bassisten Nico

Der Soundcheck ist vorbei, die Jungs lungern backstage auf abgewetzten Sofas im weißen Neonlicht. Auf dem Fensterbrett stehen Plastiktulpen. Max gibt dem Lokalfernsehen ein Interview und nippt an einer Cola. Carlton schiebt die Flasche beiseite und holt eine Dose Red Bull - der neue Sponsor der Band, beim Gespräch soll das richtige Getränk im Bild erscheinen.

"Max, warum bist du bei DSDS ausgestiegen?", will der RBB-Reporter wissen. Max kratzt sich am Kopf. "Warum hattest du Zoff mit Dieter Bohlen?" Seit Wochen muss Max Buskohl die immergleichen Fragen beantworten – und gibt die immergleichen Antworten: "Ich wollte mein eigenes Ding machen. Bohlen konnte meine Musik nicht leiden."

Seine Bandmitglieder kauern teilnahmslos daneben. Stefan dreht sich eine Kippe. Er schaut dem Rauch der Filterlosen nach und ascht auf den Boden. Die anderen starren zur Decke, nesteln in ihren Haaren, trommeln gegen die Wand.

In der Band spielt jeder eine Rolle. Gitarrist Stefan, 18, spricht wenig. Er hat letzte Woche Abitur geschrieben. Bei ihm hat man am wenigsten den Eindruck, dass er daran glaubt, er könnte bald Rockstar werden. Bassist Julius, 17, gilt als Rebell. Er sagt, an der Schule habe es ihm nie besonders gefallen, er wolle sich sich fürs Fern-Abi anmelden. Schlagzeug Per plant nächstes Schuljahr eine Auszeit, um sich auf Empty Trash zu konzentrieren. Schon vor dem Konzert zählt er das Geld aus dem Fan-Shirt-Verkauf.

"Max wollte immer nur berühmt werden"

Star der Band ist Max. Er war es auch schon vor seinen TV-Auftritten. Max hat in Sydney gelebt und auf Lanzarote, ist in Dublin vom Internat geflogen und danach zu seiner Mutter nach Berlin gezogen. Das Gymnasium verließ er nach der Mittleren Reife. Max sagt, er sei bei DSDS nur wegen einer verlorenen Wette gelandet. Seine Freunde sagen, er habe immer schon nur ein Ziel gehabt: berühmt zu werden.

Nun ist er nah dran. Große Plattenfirmen reißen sich um Empty Trash, im Juli geht es auf Tour - Hamburg, Köln, Wien, Zürich. Dann wollen sie ihr erstes Album aufnehmen. "Wir legen jetzt richtig los", sagt Max. Rücksicht können sie dabei auf niemanden nehmen - auch auf Freunde nicht. Der zweite Bassist Nico flog vor wenigen Wochen aus der Band. "Er war nicht gut genug", sagen die anderen. "Ihr Arschlöcher, euch geht's doch nur ums Geld", schreiben wütende Fans in Foren.

Nico ersetzen soll Tim, 18. Er spielt Gitarre, singt Background und war vorher schon in anderen Bands. "Empty Trash ist eine gewaltige Chance", sagt der Gymnasiast. Das Konzert im SO36 ist sein erster Auftritt mit der Gruppe. Nervös kaut er an einer Wasserflasche und übt Gitarrengriffe.

Eineinhalb Stunden vor dem Konzert wollen die Jungs noch etwas essen. Max rollt genervt die Augen: "Ich habe keinen Bock auf die Groupies da draußen." Die anderen gehen ohne ihn. Vor der Tür warten seit Stunden dutzende Mädchen mit viel Schminke im Gesicht und wenig Stoff auf der Haut. Bullige Typen mit Glatze und Nackentattoo bewachen den Eingang.

Julius, Stefan, Per und Tim bleiben recht unbehelligt. "Es dreht sich alles um Max", sagt Bassist Julius. "Wir sind die Band, in der Max Buskohl singt." Als Max sich bei RTL bewarb, hat er die Gruppe nicht gefragt. "Das war sein Ding", so Julius. "Wir sind ihm dankbar, das jetzt alles erleben zu dürfen."

"Die haben wirklich was drauf"

Julius steht im Dönerladen und bestellt Pommes mit Mayo. "Ihr seid doch von Max Buskohls Band", fragen zwei Mädchen. Die Musiker lächeln und schreiben Autogramme. "Ganz unbekannt sind wir auch nicht mehr", sagt Per. Es klingt so, als könne er das immer noch nicht ganz glauben. Als Max bei DSDS ausstieg, sei eine Bombe geplatzt. "Jetzt versuchen wir, unser Leben neu zu ordnen", sagt Per. Fußballspielen, Skaten, mit Freunden abhängen - das war gestern: "Alles fixiert sich im Moment auf die Band, die nächsten Monate werden entscheiden, ob wir Musik zu unserem Beruf machen können."

Kurz vor dem Auftritt: Max wird immer lauter, die anderen immer leiser. "Wie viele Leute sind da draußen?", fragt Julius. "So an die tausend", antwortet Max und sagt zu Tim: "Ich stell dich dann als unseren neuen Joker vor." Tim nickt und zupft weiter an der Gitarre. "Scheiße, bin ich aufgeregt", flüstert Per. Carl Carlton kommt herein. "Get ready guys, noch fünf Minuten!"

Max läuft ins Scheinwerferlicht, die anderen hinterher. Teenies kreischen. In der Luft hängt Zigarettenrauch, es riecht nach Schweiß und Bier. Max wirft den Kopf in den Nacken, eine Hand am Mikro, die andere zur Decke gerichtet. Hunderte Arme recken sich ihm entgegen. "Jump! Jump!", brüllt er. Die Mädchen ganz vorn hüpfen hysterisch, hinten stehen besorgte Mütter. Laut dröhnt der Bass durch den schlauchförmigen Raum.

"Schon ganz geil, wie die Jungs hier rocken", sagt ein Berliner Musikmanager, der wegen Empty Trash ins SO36 gekommen ist. Tatsächlich sorgt der Auftritt für Begeisterung, nicht nur bei den Groupies in Reihe eins. "Die haben wirklich was drauf", sagen auch die Kollegen der anderen Bands. Empty Trash spielt harten Rock, bedeutend härter als das, was man von Max aus dem Fernsehen kennt. Die Band macht wenig Fehler, auch das Zusammenspiel mit Tim, dem Neuen, klappt.

"Zugabe! Zugabe!", brüllen die Fans, als die Band nach einer dreiviertel Stunde ihre Show beendet. Empty Trash kommt noch einmal auf die Bühne. Es dürfte nicht zum letzen Mal gewesen sein.

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