Von Barbara Hans
"Wenn man gemobbt wird, kommt einem ein Tag wie ein Jahr vor", sagt Patrick und schaltet seinen Blick auf unendlich. Die Zeit verschwimmt in seiner Erinnerung. Damals hat er viel gechattet, jeden Tag mehrere Stunden. So lange, dass sein Vater schon wütend war, weil der damals 14-Jährige den Computer dauerhaft blockierte. Auch Martin, sein Chat-Partner, hatte Probleme in der Schule, wie Patrick wurde er von seinen Mitschülern gedemütigt und beleidigt. Jeden Tag.
Die beiden Jungen verstanden sich blendend. Bis Patrick eine Nachricht bekam, als er selbst offline war: "Danke für deine Hilfe. Es tut mir leid, aber ich kann nicht mehr. Tschüss." Patrick wusste: Es war ein Abschiedsbrief. Was er tun sollte, wusste er nicht. Er kannte weder den Nachnamen noch die Adresse des Jungen. Von Martin hörte er nie wieder.
Das sei der "Wendepunkt" gewesen, sagt Patrick. Er gründete den Verein "Rolltreppe aufwärts", bastelte eine Homepage, auf der sich jugendliche Mobbing-Opfer über ihre Erfahrungen austauschen können und Hilfe und Tipps bekommen. Im Großraum Frankfurt treffen sich Patrick und die anderen vom Verein auch persönlich mit Mobbing-Opfern.
"Vielleicht wollten die Lehrer blind sein"
"Wenn man jeden Tag schikaniert wird, bildet man sich irgendwann ein, dass man selber schuld ist", sagt der 16-Jährige. Er macht zwischen den Sätzen lange Pausen, als wolle er sichergehen, dass jedes Wort sitzt: Die Mitschüler haben seine Stifte zerbrochen, bald wurde es zum Ritual, ihn in der Nähe des Schulhofs zu verprügeln: "Nach der siebten oder achten Stunde, da ist das Schulgelände wie tot." Keiner hat bemerkt, wenn er geschlagen, getreten, erniedrigt wurde. Irgendwann kam der Zusammenbruch, da war er fast 15.
"Ich war zu nett", sagt Patrick, wenn man ihn fragt, warum es alle auf ihn abgesehen hatten. Er habe immer allen vertraut, nie etwas Böses gedacht. Patrick schaut auf den Main und versucht, begreifbar zu machen, was man sich als Erwachsener kaum vorstellen kann: "Für die anderen war das der Spaß nach der Schule. Das war deren Belustigung. Die haben sich das angeschaut wie andere Leute einen Boxkampf im Fernsehen."
Patrick hat nie in den Kampf eingewilligt, er war nie der Herausforderer, aber immer der Verlierer. Manchmal mussten seine Verletzungen sogar vom Arzt behandelt werden. Die Lehrer waren "blind", sagt er. Und schiebt hinterher: "Vielleicht wollten sie auch blind sein." Inzwischen ist Patrick umgezogen, geht auf eine andere Schule - es geht ihm besser.
Die Hölle, das sind die anderen
Mehr als 500 Kilometer entfernt litt Alex am täglichen Terror, der Gang zur Schule wurde zum Horror. Es waren Leute aus seiner Klasse, Freunde und Geschwister von Leuten aus seiner Klasse und Freunde von Freunden und Geschwistern von Leuten aus seiner Klasse.
Wenn Alex erzählt, wie er über den Schulhof ging und all die abschätzigen Blicke sah und die boshaften Kommentare hörte, wird deutlich, wie er die Situation erlebt hat: Die, die ihn mit "Alex H. - Missgeburt" vor dem Physikraum begrüßten, kannten ihn meist gar nicht persönlich. Aber sie kannten ihn gut genug, um ihm das Leben zur Hölle zu machen. "Ich bin Alex H. und ich bin sooo hässlich", riefen sie. Ob "Hurensohn", "Penner" oder "Spasti": Diese Schimpfwörter habe er von "denen" gelernt, sagt Alex.
Als Unschuldsengel sieht er sich nicht. Er habe auch zurückgeschlagen, sich mit den anderen geprügelt. "Eigentlich bin ich nicht so der Schlägertyp", sagt der schmale Junge mit Zahnspange und Brille und schaut zu Boden. "Aber irgendwann war ich so wütend."
Alex' Eltern sagten immer wieder: "Sei einfach nett, dann sind sie auch nett zu dir." Versucht hat es der heute 15-Jährige. Immer wieder. Vier lange Schuljahre. Wenn neue Schüler in die Klasse kamen, gab Alex alles, um sie als Freunde zu gewinnen. Da hatten die anderen die Fronten schon geklärt: "Mit dem solltest du dich nicht anfreunden", haben sie gesagt. Und damit geprahlt, dass sie Alex zusammengeschlagen, ihn mit Bällen beworfen und sein Gesicht in den Dreck gedrückt haben.
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trotzdem ist es wichtig, die Menschen zu informieren, über Hintergründe, über Lösungemöglichkeite, Konfliktbewältigungen etc. und genau das passiert bei dem von Löwenzähnchen berichteten Land wohl. In Deutschland herrscht [...] mehr...
Die Gesetze/Verordnungen/Dienstanweisungen usw. helfen da aber nicht wirklich... :( Eine Form von "Mobbing" ist auch das "Bossing" (also hier der Direktor der Schule oder der Klassenlehrer oder oder) Genau [...] mehr...
HI, in einem unserer Nachbarländer gibt es aufgrund eines von Mobbing ausgelösten Selbstmordes ein Gesetz was die Schulen dazu verpflichet Mobbing von Schülern zu schülern oder Lehrern sowie umgekehrt zu unterbinden, bzw. [...] mehr...
Dahinter stehen Täter (Mitläufer), die Angst haben selbst Opfer zu sein. Dahinter stehen Kinder!, die (auch in der Familie)Gewalt erfahren. Dahinter stehen Menschen, die ihren Selbstwert pushen, indem sie andere degradieren [...] mehr...
Die Folgen von echtem Mobbing (also kriminelle Gewaltdelikte oder einer normalen gesunden Prügelei unter Jungs/heute auch Mädchen mal ausgeschlossen) führen zur Depression/Angst und Panik, das Selbstvertrauen (Wertgefühl)schwindet [...] mehr...
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