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24.07.2007
 

Mobbing unter Jugendlichen

Hassobjekt Mitschüler

Von Barbara Hans

2. Teil: "Es gab ein Problem. Und das Problem war ich."

Auf Drängen von Alex' Mutter, der Elternratsvorsitzenden, kam die Beratungslehrerin regelmäßig in die Klasse. Im Stuhlkreis ging es nur um eins: "Es gab ein Problem. Und das Problem war ich", sagt Alex. Das Ergebnis war für ihn nicht gerade erbaulich: "Sie haben zu mir gesagt, ich soll endlich normal sein." Dabei, meint er, sei doch jeder anders. "Wenn normal bedeutet, so zu sein, wie die waren, dann wollte ich nicht normal sein."

Immer wieder hat Alex bei Lehrern Hilfe gesucht. Ohne Erfolg. "Du darfst dich nicht so anstellen. Du gefällst dir doch in der Opferrolle" - mehr brachte der Erdkundelehrer nicht zustande. Zuvor hatte er Alex wegen seiner guten Ideen und Noten noch als "Lokomotive" des Unterrichts bezeichnet; ohne ihn würden "die Stunden nur halb so viel Spaß machen".

Homepage von Alex: "Wir wissen, wie das ist, wenn man gemobbt wird"
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Homepage von Alex: "Wir wissen, wie das ist, wenn man gemobbt wird"

"Die Lehrer und Direktoren sagen alle, dass 'man' was tun muss. Aber im konkreten Fall wollen sie nicht", sagt Alex jetzt sehr bestimmt. Sie seien darum bemüht, den guten Ruf der Schule nicht zu gefährden, statt den Jugendlichen zu helfen. Auch die Eltern hätten wenig Verständnis für die Probleme in der Klasse gezeigt: Die Kinder seien halt in der Pubertät, da seien solche Auseinandersetzungen "ganz normal".

Was in der Klasse passierte, nennt Alex eine "Hetzkampagne". Nach dem Motto "Lass uns mal den Alex aus der Klasse dissen." Wenn er nicht mehr da gewesen wäre, hätte das auch niemanden gestört. Er überlegt einen Moment. "Das war Hass." Alle wurden ihre Aggressionen los, sie entluden sie an Alex.

"Na, hässliches Stück Scheiße?"

Und Alex? Der schluckte seine Wut und Verzweiflung. Er fraß sie in sich hinein - und bekam Bauchweh. Die Schmerzen kamen immer häufiger. Er litt unter Übelkeit, Fieber, Schüttelfrost, starken Kopfschmerzen. Einmal musste er stationär behandelt werden, weil er tagelang nichts gegessen hatte. Seine Eltern brachten ihn zum Durchchecken ins Krankenhaus: EEG, Magenspiegelung, Kernspin - ohne Ergebnis. Alex' Körper war gesund.

Ein Kinder- und Jugendpsychiater sprach es als erster aus: Mobbing könne Ursache all der Beschwerden sein, psychosomatische Schmerzen also. Er riet zu einem Schulwechsel und schrieb Alex für die sechs Wochen bis zu den Sommerferien krank. Doch auch danach hörte es zunächst nicht auf. "Na, hässliches Stück Scheiße? Hat man dich aus deiner ach so asozialen Klasse gemobbt? Och nein. Armer alter Wichser. Haste aber auch gar nichts gemacht, du blöder Penner", schrieb ihm ein früherer Klassenkamerad per Internet.

Die Wende kam für Alex am 5. Mai 2006, zwei Tage vor seiner Konfirmation. Sie kam per Post, als Päckchen und in Form eines Computers. Am letzten Tag an der alten Schule beschloss er, den Rechner zu nutzen, um anderen Jugendlichen zu helfen. Keiner sollte mehr das Gefühl haben, der Einzige zu sein, den alle anderen nicht mochten. Darum fing Alex an, zu recherchieren. Er las alles zum Thema Mobbing, was ihm in die Hände fiel. Ende vergangenen Jahres ging "Schüler-gegen-Mobbing.de" online. Auf der Seite können Betroffene chatten, sich austauschen - und Alex' Geschichte lesen.

In seiner neuen Schule geht es Alex gut. Er hat Freunde gefunden, auch die Bauchschmerzen sind weg.

Patrick und Alex haben sich getroffen, sich über ihre gleichnamigen Projekte und Erfahrungen ausgetauscht. Sie haben ein Ziel: Die "Schüler gegen Mobbing"-Seiten sollen anderen helfen, nicht den Mut zu verlieren.

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Die neuesten Beiträge:
09.05.2008 von MegairadieFurie:

trotzdem ist es wichtig, die Menschen zu informieren, über Hintergründe, über Lösungemöglichkeite, Konfliktbewältigungen etc. und genau das passiert bei dem von Löwenzähnchen berichteten Land wohl. In Deutschland herrscht [...] mehr...

09.05.2008 von Argosch:

Die Gesetze/Verordnungen/Dienstanweisungen usw. helfen da aber nicht wirklich... :( Eine Form von "Mobbing" ist auch das "Bossing" (also hier der Direktor der Schule oder der Klassenlehrer oder oder) Genau [...] mehr...

08.05.2008 von Löwenzähnchen:

HI, in einem unserer Nachbarländer gibt es aufgrund eines von Mobbing ausgelösten Selbstmordes ein Gesetz was die Schulen dazu verpflichet Mobbing von Schülern zu schülern oder Lehrern sowie umgekehrt zu unterbinden, bzw. [...] mehr...

07.05.2008 von Salzburgerin:

Dahinter stehen Täter (Mitläufer), die Angst haben selbst Opfer zu sein. Dahinter stehen Kinder!, die (auch in der Familie)Gewalt erfahren. Dahinter stehen Menschen, die ihren Selbstwert pushen, indem sie andere degradieren [...] mehr...

07.05.2008 von Argosch: Ehrlich ausgedrückt...

Die Folgen von echtem Mobbing (also kriminelle Gewaltdelikte oder einer normalen gesunden Prügelei unter Jungs/heute auch Mädchen mal ausgeschlossen) führen zur Depression/Angst und Panik, das Selbstvertrauen (Wertgefühl)schwindet [...] mehr...

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