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14.07.2007
 

Tokio-Hotel-Fans in Frankreich

"Bill hat so einen süßen Akzent"

Der französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy hat Tokio Hotel für ein Sonderkonzert unter dem Eiffelturm gebucht. Doch nicht nur am Nationalfeiertag bringt die Band das Land in Aufruhr. Die Fans wünschen sich: Bill soll "Durch den Monsun" auf Französisch singen.

Der französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy hat ein feines Gespür für die Stimmung im Volk. Jüngster Nachweis dieser Gabe: Für ein Sonderkonzert am heutigen Nationalfeiertag in Frankreich hat das Staatsoberhaupt Tokio Hotel gebucht. Außer dem französischen Kultpopper Michel Polnareff und Nelly Furtado rocken die vier Jungs aus Magdeburg vor einer halben Million Menschen unter dem Eiffelturm. Das Konzert sei eine Botschaft für das neue Frankreich, so der Elysée-Palast.

Die Einladung an Tokio Hotel ist ein echter Coup von Sarkozy, der ihm die Sympathie der Fans einbringen wird. Denn die jungen Französinnen liegen Tokio Hotel in Scharen zu Füßen; besonders hat es ihnen Sänger Bill angetan. "Er ist einfach zu niedlich", schreibt Sophie in einem der zahllosen Blogs. Im Internet zirkuliert gar eine Petition von Fans aus Lille, die die Gruppe zu einem Konzert in ihrer Stadt nötigen wollen. Der Auftritt unter dem Pariser Wahrzeichen wird der vorläufige Höhepunkt eines beispiellosen Eroberungsfeldzuges sein.

Schüler wollen plötzlich Deutsch lernen

Die letzte deutsche Gruppe, die einen vergleichbaren Erfolg im Nachbarland hatte, waren die Comedian Harmonists in den dreißiger Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Natürlich hat Nena ein bisschen Wind gemacht, aber lange nicht in diesen Dimensionen. Bands wie Juli, Silbermond oder Wir sind Helden sind weitgehend unbekannt.

Der Funke sprang bei der "Schrei"-Tournee im Herbst 2006 über. Schon beim ersten Konzert in Paris waren die Sanitäter im Dauereinsatz, um ohnmächtige Teenager wieder zu Bewusstsein zu bringen. Mit ihrem lyrischen Rock, der Mischung aus Weltschmerz, Liebeskummer und Eskapismus treffen Tokio Hotel den Nerv der französischen Jugend. Ihr neues Album "Zimmer 483" wurde gerade mit Doppelgold ausgezeichnet, die neue Tournee im Herbst war binnen 24 Stunden ausverkauft. Stachelkopf Bill ziert die Cover der Teenagermagazine und lässt seine französischen Konkurrenten wie Raphael vor Neid erblassen.

Eher unfreiwillig ist die Band längst zu einem wichtigen Botschafter Deutschlands aufgestiegen. Dank ihrer Hilfe ist es gelungen, das Interesse der Franzosen an der deutschen Sprache neu zu wecken, nachdem in den vergangenen 15 Jahren immer weniger Schüler die Fremdsprache wählten. "Jetzt registrieren wir wieder einen Anstieg um 25 Prozent", sagt Kurt Brenner, der im Auftrag der Robert-Bosch-Stiftung zehn "Deutsch-Mobile" durch das Land schickt. "Tokio Hotel spielt dabei eine enorme Rolle."

"Wir sind Krüppel und schwul"

Kremmers Lektoren sind mit den Band-Texten ausgerüstet, um in den Schulen die Ansicht zu verbreiten, Deutsch sei cool. "Schon zehnjährige Mädchen kommen zu uns und wollen wegen der Songs unsere Sprache lernen", sagt Brenner. Auch am Pariser Goethe-Institut zirkulieren die Texte und man bereitet sich auf eine steigende Nachfrage vor.

Der Sprachunterricht ist dringend geboten, um gemeine Fallen zu umgehen. Denn im Internet gibt es auch derbe Parodien, in denen Tokio-Hotel böse niedergemacht werden. So manche Mademoiselle hat schon lauthals "Wir sind Krüppel und schwul" mitgeträllert - in der trügerischen Annahme, sie habe sich einen Originalsong heruntergeladen. Bei der Aufklärung war das Entsetzen groß. Dabei sind die Sprach-Hürden bei Tokio Hotel relativ gering. Der Refrain aus "Durch den Monsun" etwa ist schon nach wenigen Durchgängen mitsingbar: "Dann wird alles gut, wird alles gut, alles gut."

Der Song heißt in Frankreich der Einfachheit halber DDM. Auch wenn die Lyrics eingängig sind, will die Fangemeinde unbedingt, dass Bill den Megahit auf Französisch singt. Eine entsprechende Internetpetition, in der auch schon eine kongeniale Übersetzung angeboten wird ("À travers l'illusion"), wurde in wenigen Tagen von hunderten Bloggern unterzeichnet. "Ich fände es toll, aber Bill müsste sich dafür sehr anstrengen", schreibt Vanessa. "Sein Akzent ist sooo süß." Ein anderer Blogger verweist auf die japanische und englische Version. Es wäre doch "bizare", wenn Bill das nicht auch auf Französisch hinbekäme. Die Gruppe selbst war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Von Tobias Schmidt, AP

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