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Jugendliche Schläger "Bestraft sie doch!"

2. Teil: "Nach einem Wochenende im Jugendarrest bin ich ausgestiegen"

Saad: Wir haben vor kurzem ein Fußballturnier ausgerichtet. Polizei, Feuerwehr, Gewerbetreibende aus dem Kiez, Jugendliche. Es haben 16 Mannschaften mitgespielt, die nichts miteinander zu tun hatten. Und alle waren positiv überrascht. Selbst die Feuerwehr war begeistert, und das nach den ganzen Vorfällen, wo die Feuerwehr blockiert worden ist und nicht an Einsatzorte herankonnte. Wenn jetzt ein Funkwagen vorbeifährt, und da sitzt jemand drin, der beim Fußballspiel dabei war, was sagen sie dem? "Beim nächsten Mal schießen wir das Tor." Irgendwas. Die steigen aus und gehen auf die Jugendlichen zu. Vorher hatten die vielleicht Angst voreinander, jetzt geben sie sich die Hand. Das ist das Entscheidende: Man kennt sich.

SPIEGEL ONLINE: Inzwischen haben immer mehr Deutsche regelrecht Angst vor Neukölln. Zu Recht?

Saad: Die Geschichten um die Gangs werden von den Medien übertrieben. Nimmt man 50 Jugendliche, sind davon vielleicht 15 in einer Jugendgang. Der Rest wird von ihnen abgezogen, also ausgeraubt, oder passt sich an. Zum Beispiel NGB, die Neuköllner Gangsta Boys. Das sind gar nicht viele, 12 bis 15 Mann. Der Rest, sagt in der Klasse: "Ey, ich bin NGB" - damit die anderen ihn in Ruhe lassen. Aber im Grunde genommen kennt er sie nicht mal, hat nur von ihnen gehört. Das ist ein Schneeballsystem.

SPIEGEL ONLINE: Welche Vorbilder haben die Jugendlichen?

Saad: Vorbilder sind in erster Linie Väter und dann Gleichaltrige. Und Rapper…

SPIEGEL ONLINE: Wie Bushido?

Saad: Genau. Mittlerweile hat er sich ein bisschen gewandelt. Aber klar, er spricht den Jugendlichen aus der Seele.

SPIEGEL ONLINE: Kann man Jugendgewalt mit drastischeren Strafen bekämpfen?

Saad: Ich selber habe ein Wochenende im Jugendarrest verbracht. Das war der Tag, an dem ich ausgestiegen bin aus der Gang, an dem ich gesagt habe: nie wieder. Aus einem einfachen Grund: Es war abschreckend. Ich war fünf Mal vor Gericht, ich habe vorher nie eine Strafe bekommen. Dabei gibt es doch Gesetze. Einer, der hier abziehen geht mit zwölf Jahren, warum darf ich den nicht ein Wochenende in Jugendarrest stecken?

SPIEGEL ONLINE: Sie wären dafür, das Mindestalter für Strafmündigkeit herunterzusetzen, das jetzt bei 14 Jahren liegt?

Saad: Ja. Wenn die Jugendlichen rauskommen aus dem Arrest, weinen sie sich bei mir aus und erzählen, wie schlimm das war. Ihren Freunden aber erzählen sie, wie cool das war, dass sie Fußball gespielt haben und Volleyball. Ich finde, man kann ihnen da ruhig mal einen Vorgeschmack geben. Dass sie selber merken, dass es kein Erholungszentrum ist, wie manche behaupten.

SPIEGEL ONLINE: Der Berliner Senat hat ein neues Integrationskonzept vorgestellt. Jede Schule soll einen Sozialarbeiter bekommen. Gute Idee?

Saad: Ja. Die Sozialarbeiter sind darauf geschult, mit sozialen Problemen umzugehen. Nur, was traurig ist: Es sind kaum welche mit ausländischer Herkunft. Wie bei den Lehrern. Ich arbeite in Kreuzberg an Schulen, wo 99 Prozent der Schüler nichtdeutscher Herkunft sind. Aber ausländische Lehrer: null.

Das Interview führte Mirko Heinemann

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