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30.08.2007
 

Groteske Massen-Ausmusterung

Willkür statt Wehrpflicht

Von Markus Flohr und Maximilian Popp

5. Teil: Julian stellt sich taub und kommt durch

"Für mich war immer klar: Zum Bund gehe ich nicht, niemals! Ich wollte mir das nicht einmal vorstellen: Im Schlamm liegen, Befehle von schwachsinnigen, kahl geschorenen Vorgesetzen empfangen, mich mit meinen tumben Kameraden auf der Bude stumpfsinnig besaufen.

Nein, darauf hatte ich beim besten Willen keine Lust. Ich habe den Leuten von der Bundeswehr auch sofort gesagt, dass ich ganz bestimmt Zivildienst leisten werde. Hätte ich auch gar nicht so schlecht gefunden, den kann man ja auch im Ausland absolvieren. Warum eigentlich nicht? Ich wollte nach Südamerika, Brasilien oder Chile. Aber noch saß ich in Frankfurt im Kreiswehrersatzamt.

Anders als viele meiner Mitschüler hatte ich mir zuvor keine Atteste von Ärzten besorgt. Ich hatte keine Migräne und auch keine mysteriösen Knieschmerzen. In der Musterung wollte ich mein Glück dann doch versuchen. Beim Hörtest vernahm ich das Geräusch ganz deutlich, aber als mich der Arzt fragte, ob ich etwas höre, sagte ich einfach nein.

Das war gelogen, aber es reichte. Ich wurde für untauglich befunden und ausgemustert. Nach Brasilien bin ich dann trotzdem geflogen - in den Urlaub."

Julian*, 19, Frankfurt

Name von der Redaktion geändert

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