Von Matthias Eberspächer
Mit 14 fing er an, Webseiten zu entwerfen, um sein Taschengeld aufzubessern. Hatte er keine Aufträge, baute er eine für den Tennisverein. Langeweile und Nichtstun sind Matthias' Feinde. Seinen Partner Thomas hat er in der Informatik-AG an der Schule kennengelernt. Seitdem sprießen in ihren Köpfen die Geschäftsideen.
Ihr erster Versuch: Sie wollten deutsche Fernsehsender übers Internet als Streaming-Pay-TV anbieten. Das scheiterte. Doch sie gaben nicht auf. Sie versuchten es mit dem Internetradio. Im vergangenen Jahr bekamen sie für ihre neue Geschäftsidee eine Finanzspritze und professionelle Beratung. Sie gewannen bei dem Wettbewerb "Start2grow", den die Wirtschaftsförderung Dortmund ausschreibt.
Die Schule ist seitdem für Matthias zur Nebensache geworden. Sein Abitur lief so nebenher, trotzdem steht im Zeugnis die 1 vor dem Komma. Die "Audimark GmbH" soll nur der Anfang sein, auf seinem Weg in die Spitze. Da will er hin, wo Unternehmen geplant werden, wo entschieden wird. Zum Wintersemester hat er angefangen, BWL zu studieren.
Seine Mitschüler schliefen nach dem Abitur bis Mittag. Matthias saß schon ab 9 Uhr im Büro. Vor dem Abiball gingen alle Jungs zum Herrenausstatter, um sich das obligatorische Ball-Outfit zu kaufen. Matthias stand vor seinem Schrank: Er konnte zwischen drei Anzügen wählen, zahlreichen Hemden und Krawatten.
"Faulenzen ist nicht der Sinn des Lebens"
Wozu das alles? Was er denn sonst machen würde, fragt er zurück. Däumchendrehen? Nichts für ihn. Arbeitslos daheim sitzen? Der größte Alptraum. "Faulenzen ist nicht der Sinn des Lebens", sagt Matthias.
Das Kundengespräch verläuft unspektakulär. Matthias plaudert, tippt hin und wieder etwas in den Rechner, notiert einige Stichwörter. Zurück im Auto sagt er, das Treffen sei ein voller Erfolg gewesen. In einem Monat will der Kunde wieder eine Werbe-Kampagne starten. "Im Smalltalk macht man die besten Geschäfte", sagt Matthias und lässt den Motor an.
Nächstes Treffen, ein Café mitten im Ruhrpott, die andere Seite seiner Kundschaft: Zwei lockere Typen sitzen Matthias gegenüber, sie machen ein großes Techno-Internetradio. Matthias hat sein Sakko im Auto gelassen. Welten treffen aufeinander. Die beiden Radiomacher klopfen ihre Sprüche - sie erzählen von Serverkosten, die sie aus eigener Tasche zahlen, und von der "Faszination", von den "5000 Hörern", die täglich ihrer Musik lauschen.
Der Smalltalk läuft nicht besonders, das Gespräch führen die Technofreaks. Matthias wirkt wie in die Szene gepflanzt. Er ist bemüht, einen lässigen Ton zu finden. Er stellt in Aussicht, den Radiosender in Zukunft mittragen zu können, indem er Werbung vermittelt. Er wirkt ein wenig verloren. Dabei ist Techno genau sein Musikstil.
Matthias ist kein Idealist, kein Visionär; am Tisch mit den Radioleuten ist das deutlich zu spüren. Aber vermutlich passt Matthias gut in die heutige Zeit. Wahrscheinlich wird er es schaffen, sich seinen Traum zu erfüllen, irgendwo in der Chefetage zu landen.
Vor dem Gehen zahlt Matthias die Rechnung für sich und seine Kunden. Als er wieder im Auto sitzt, kommt er ins Schwärmen: Wenn alles funktioniere, sagt er, könne seine Firma bald ein solches Internetradio komplett mit Werbung finanzieren. Man braucht nur ein wenig Glück, so wie Bill Gates damals - "der Markt ist groß", sagt Matthias.
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