Freitagabend, Jugendzentrum Eschwege. Aus dem Fenster lärmt ein Lied von Die Ärzte, vor der Tür rauchen kleine Mädchen Zigaretten. Oben ist heute Abi-Feier, unten will die Band Glory of Joann Probe machen. Aber im Proberaum im Keller, vier mal fünf Meter, keine Fenster, ist der Strom weg.
"Mist", sagt Gitarrist Lukas Merker, 17, "immer wenn jemand zuschaut." Er und seine drei Bandkollegen verlegen Mehrfachstecker und stöpseln Stromverbindungen ein und wieder aus.
Den Proberaum einer Alternative-Band stellt man sich klein und ranzig vor, mit Neonleuchte an der Decke, Pin-up-Bildern an den Wänden und auf dem Fußboden ein paar Flaschen Bier. Alles Klischee? Genau so sieht es bei Glory of Joann aus.
Nach ein paar Minuten schwebt ein Netz aus Kabeln wenige Zentimeter über dem grauen Fußboden. Hier eine Taste gedrückt, da einen Regler hochgeschoben - an den Lautsprecherboxen leuchten die kleinen roten Lämpchen. Zeit, endlich Lärm zu machen!
Gegen 1000 andere Bands duchgesetzt
Die Krachmacher von Glory of Joann: Seit ihrer Gründung 2006 sind das drei Schüler und ein Azubi, die munter Alternative-, Rock- und Bluesmusik mischen. Und seit Ende März dürfen sie sich "Deutschlands beste Schülerband" nennen - sie haben den Schooljam-Bandwettbewerb gewonnen. Das Gute an ihnen: Man erkennt sie überall sofort wieder, weil Sänger Dominik wie eine Mischung aus Lenny Kravitz und Sideshow Bob von den Simpsons aussieht.
Über 1000 Bands hatten dieses Jahr ihr Demo bei Schooljam eingeschickt. Eine Jury aus Musikern, Prominenten und Journalisten hörte sich durch die vielen Aufnahmen und lud die besten 120 Bands zu Live-Konzerten in 15 deutschen Städten ein. Glory of Joann fuhren zum Vorausscheid nach Kassel - und waren eine von zwei Bands, die es an diesem Abend in die nächste Runde schafften.
Beim Online-Voting im SchulSPIEGEL hatten die Jungs nicht so viel Glück, aber sie ergatterten einen der Final-Startplätze, den die Profi-Jury vergab. So gehörten Glory of Joann auch zu den besten acht, die zum Finale auf der Musikmesse in Frankfurt fahren durften.
Dort waren zwei Hauptpreise zu vergeben: ein Auftritt als Opener-Act beim größten deutsche Rockfestival "Rock am Ring", ein Konzert bei der Musikmesse NAMM in den USA. Glory of Joann überzeugten die Jury aus Musikern und Musikexperten dermaßen, dass sie gleich beide Preise abräumten.
"Ein Schatz, den viele Leute heben wollen"
Sie spielen nur selbst Geschriebenes. Keine Cover. Dominik Demandt, 19, ist Gitarrist und Sänger der Band. Andreas Metzler, 19, spielt Bass, Matthias Heising, 21, sitzt am Schlagzeug, und Lukas Merker, 17, ist der zweite Gitarrist.
Der Sound? Röhrt fröhlich durch die Rock-Klangfarben, so ein bisschen US-Postpunk-College-Rock à la Billy Talent, ganz viel Blues und Melodie, Punk und Gröhl-Attacken dazu.
So etwas hört auch der Profi gerne: "Mich persönlich hat die gesamte Performance total überzeugt", sagt Jurymitglied Kosho von den Söhnen Mannheims SPIEGEL ONLINE. "Glory of Joann haben einen starken Sänger mit einer tollen Stimme, und ihr Zusammenspiel als Band war einfach kurzweilig und packend. Mich hat das sehr beeindruckt."
Der 46-jährige Gitarrist und Dozent an der Popakademie in Baden-Württemberg rät der Gruppe, jetzt erst mal locker zu bleiben: "Die Jungs sollten nicht vorschnell etwas unterschreiben, sondern sich lieber erst mal entspannt umschauen. Ich kann mir gut vorstellen, dass sie eine Menge Angebote kriegen. Da liegt ein Schatz begraben, den sicher viele Leute heben wollen."
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