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Deutschlands beste Schülerband Kurzschließen, anlassen, drauftreten

2. Teil: "Einfach in die Luft gegrölt" - kein Mikro? Egal!

Viel Lob für vier Jungs aus dem 20.000-Einwohner-Ort Eschwege, die noch lange keine Profis sind. Noch gibt es nämlich keinen Plattenvertrag und auch keinen großen Bruder, der Manager spielt. Ihr erstes Album haben sie im Schlafzimmer des Schlagzeugers aufgenommen. Glory of Joann sind im besten Sinne eine altmodische Schülerband: unbedarfte Jungs mit unheimlich viel Spaß am Rocken.

Das alles allerdings schon mit einem gewissen Biss, einer gewissen Qualität und einem eigenen, erfrischenden Klang. "Wir sind keine Band, die sich dienstags nach der sechsten Stunde mal eben zum Proben trifft", sagt Lukas Merker, "wir sind eine Band, die sich reinhängt." Was sie wollen, ist das Privileg eines Newcomers: stürmen und drängen. Natürlich nach vorn.

Man merkt es an jedem Riff, den sie im Proberaum spielen, an jedem ungeduldigen Takt, den sie anschlagen. Lieder wie "Yeah Yeah" oder "Veronica" drängeln geradezu Richtung Refrain. Die holprigen, im einfachen Schulenglisch gereimten Strophen sind nicht zum langen Nachsinnieren geschrieben. Sie sollen einfach gut klingen. Und um die Carl-Zuckmayer-Medaille für Verdienste um die deutsche Sprache wollen sie sich sowieso nicht bewerben.

"Wir fangen gerade erst richtig an, kreativ zu werden", sagt Dominik Demandt. Monatelang hatte der Sänger im Proberaum nicht mal ein funktionierendes Mikrophon. Die Lieder hat er dann "einfach in die Luft gegrölt".

Ihr Stück "Woman" finden Glory of Joann auch nicht deshalb am besten, weil es eine ausgefeilte Komposition ist, sondern weil es wie das Starten eines Opel-Kadetts klingt. Der Inhalt? Egal. Im Prinzip machen Glory of Joann Musik, wie Crashkids Auto fahren: Kurzschließen, anlassen, drauftreten.

"Power Rock"? "Groovy-Hard-Blues"?

Es hatte noch niemand die Zeit, sich ein Image oder eine Verkaufsstrategie für Glory of Joann zu überlegen. Man kann sagen: zum Glück. Wozu auch, wenn man sich gerade mal darüber einig ist, dass es ratsam ist, im Proberaum Ohrstöpsel zu tragen - aber keine Ahnung hat, ob man die eigene Musik nun "Power Rock" oder "Groovy-Hard-Blues" nennen will.

"Unsere Ziele für die Zukunft sind hochgesteckt", sagt Dominik Demandt. "Eigentlich haben wir nämlich viel mehr als nur den Schooljam gewonnen. Solange wir interessant sind, haben wir die Möglichkeit, mit vielen wichtigen Leuten zu sprechen und denen mit unserem Anliegen tierisch auf den Sack zu gehen."

Der Traum ist klar: ein Plattendeal und die erste professionell produzierte CD. Viel Zeit bleibt nicht. Die Aufmerksamkeitsspanne ist kurz. Das ist zwar auch wieder so ein Klischee im Musikgeschäft, aber auch diesmal ziemlich zutreffend. "Nächstes Jahr gibt es einen neuen Gewinner bei Schooljam", sagt Dominik.

Volles Haus, die Leute gehen ab - darum macht man Musik!

Jetzt geht es für Glory of Joann erstmal Anfang Juni zu "Rock am Ring". Für eine junge, unbekannte Band, die ihre Konzerte gewöhnlich in Orten wie Butzbach oder Witzenhausen spielt, ist das ein Kickstart von null auf hundert.

Letztes Jahr durfte die Band Peachbox dank Schooljam auf die Bühne des Mammut-Festivals. Peachbox-Sänger David Müller ist immer noch aus dem Häuschen: "Am Ring zu spielen ist gigantisch", sagt er, "wir hatten im vergangenen Jahr eine super Spielzeit, es war rappelvoll, die Leute sind total abgegangen. Vor so vielen Menschen live zu spielen, das ist eigentlich der Grund, warum man Musik macht."

Auch die Söhne Mannheims sind dieses Jahr wieder bei "Rock am Ring". Bei ihrem ersten Auftritt dort wurde die Band um Sänger Xavier Naidoo noch mit "faustgroßen Steinen" beworfen. Das hat sich mittlerweile deutlich geändert. Ähnliche Starprobleme befürchtet Jurymitglied Kosho für die Newcomer aus Eschwege nicht: "Ich glaube, die werden dort ihren Spaß haben. Wenn eine Band gute Chancen hat, dort als Newcomer zu begeistern, dann ist das Glory of Joann!"

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