Im Südwesten dürfte ein Mario Gomez fünf Arne Friedrichs wert sein. Oder elf Österreicher, mindestens. Die EM rückt näher, Schüler sammeln und tauschen sich schon mal warm - mit den klassischen Klebe-Konterfeis der Kicker.
Seit 1961 hat der Panini-Verlag satte 20 Milliarden Sammelbilder gedruckt, zu jeder Europa- und Weltmeisterschaft eine neue Edition - ein schönes Geschäft. Und seit Ende April die neuen Bilder zur EM in Österreich und der Schweiz erschienen, ist die Hölle los. Prompt packte das Fußballfieber auch die Schüler der Silcher-Grundschule im schwäbischen Fellbach.
Kommt gar nicht ins Tütchen, sagt jetzt der Schulleiter. Er hat kurzerhand entschieden, die Klebebilder in den Klassenzimmern und auf dem Schulhof zu verbieten.
"Wir wollten das Problem im Ansatz ersticken", sagte Direktor Werner Ellwanger nach einem Bericht der "Stuttgarter Nachrichten". Die Tausch- und Sammelleidenschaft der Kinder habe bereits zu erheblichen Störungen des Unterrichts geführt. Lehrer hätten nicht nur über große Unruhe und Unkonzentriertheit geklagt, sondern auch darüber, dass sich die Schüler mit den Bildern sogar gegenseitig erpressten.
Das Verbot gilt laut "Stuttgarter Nachrichten" für Sammelbilder aller Art. Bei Verstößen würden sie einbehalten und erst am letzten Schultag vor den Sommerferien wieder zurückgegeben - und das ist lange nach dem Schlusspfiff des EM-Finales.
Dass Panini-Bilder selbst Politiker süchtig machen können, weiß man spätestens seit der WM 2006, als NRW-Bauminister Oliver Wittke (CDU) im Landtag mit einem Kollegen die Bildchen tauschte. Während einer Landtagsdebatte über Arbeitsmarktpolitik blätterte er ebenso konzentriert wie begeistert im Sammelheftchen, klebte Bilder ein - und wurde dabei dummerweise vom WDR gefilmt. Die Grünen im Landtag beschwerten sich daraufhin bei Ministerpräsident Jürgen Rüttgers: Wittke möge doch bitte "nach Feierabend bei einem schönen Frischgezapften" die Doppelten tauschen.
Schulleiter Ellwanger kennt ebenfalls kein Pardon. Im braven Ländle ist das offenbar kein Problem: Schüler wie Eltern hätten das Verbot problemlos akzeptiert, sagte der Direktor.
Kritik kam unter anderem vom Verband Bildung und Erziehung (VBE) in Baden-Württemberg. "Ich finde das ein bisschen überreagiert", sagte der Landessprecher Michael Gomolzig, der selbst eine Grund- und Hauptschule leitet. Christiane Staab, Vorsitzende des Elternbeirats in Baden-Württemberg, nannte es "unglaublich", dass man den Jungs diese Freude nehme. "Erpressung begegne ich doch nicht dadurch, dass ich allen den Spaß raube. Mit der Logik müssten wir alle Läden schließen, um den Ladendiebstahl auszurotten", sagte sie der Zeitung.
rge/jol/sid
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Ihr Kinder spielen aber Fussball, fahren Fahrrad, gehen zu Fuß zur Schule, spielen in den Pausen fangen etc.? Warum verbietet man dies nicht auch noch? oder lässt die Kinder gleich in Wattebäuschen gehüllt zur Schule gehen? [...] mehr...
Danke mal für die Antworten bezüglich meiner Frage zum "Hausrecht"! Ich finde dieses komplette Verbot ebenfalls totalen Schwachsinn. Ich könnte jetzt von Persönlichkeitsrechten und Verhältnismäßigkeit faseln... [...] mehr...
Ach ja? Naja, im Gegensatz zu Ihrer jetzigen Heimat machen *wir* kein Geschrei und reden von Verlotterung der Sitten, wenn ein kleiner Junge in etwas engen Badehosen rumläuft, oder gar seine Klassenkameradin küsst!! [...] mehr...
Ich hatte mal einen (jungen) Mathe-Lehrer auf dem Gymnasium, der bei den unteren Jahrgangsstufen Pokemonkarten für besonders fleißige Schüler verteilt hat (zur Pokemon boomzeit damals). Hat hervorragend funktioniert, etwas [...] mehr...
…Kindern (und deren Eltern) das Geld aus der Tasche zu ziehen. Daher finde ich das Verbot gut. Die SPON-Überschrift zeigt, dass der betreffende Redakteur selbst keine schulpflichtigen Kinder hat, sonst würde er sich die [...] mehr...
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