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03.12.2008
 

Jugendzentren

Kampf um die Kiddies

Von Jochen Bölsche

Brutale Cliquen, Drogenmissbrauch, überforderte Sozialarbeiter: Kriminologe Christian Pfeiffer sieht in Jugendzentren "Brutstätten der Gewalt" und fordert ihre Schließung. Kritiker laufen Sturm gegen die Initiative - und rühmen Sozialpädagogen als die wahren Helden des Alltags.

Als Heroen des Alltags - so sieht Benedikt Sturzenhecker, 50, Sozialpädagogen, die sich in Deutschlands Problemvierteln mit schwierigen Jugendlichen abmühen. Sie erinnern den Hamburger Pädagogikprofessor an "Helden in einem Westernszenario", die "sich im Auftrag braver Bürger auf vorgeschobenen Posten der Zivilisation der 'Wilden' annehmen".

Leider, bedauert Sturzenhecker, sei der heikle Job vielen Außenstehenden so "fremd und unbekannt", als lägen die Jugendzentren und -häuser, in denen Randgruppenarbeit geleistet wird, im "Herzen der Finsternis". Nur Insider wüssten gewöhnlich, "was abgeht" bei HipHop-Musik und beim Klicken der Billardkugeln. Selbst Kommunalpolitiker und Amtsleiter hätten "in der Regel keine Ahnung".

Unkenntnis wirft der Wissenschaftler vor allem einem prominenten Professorenkollegen vor: Christian Pfeiffer. Der hannoversche Kriminologe stellt die offene Jugendarbeit in Aufsätzen und Vorträgen radikal in Frage. Neuerdings fordert er gar die Schließung und den Verkauf von Jugendzentren, die zu "Brutstätten der Kriminalität" geworden seien.

"Klapprige Tischtennisplatten, gelangweilte Sozialarbeiter"

Damit hat Pfeiffer, ehemals niedersächsischer Justizminister und Träger des "Bullenordens" der Polizeigewerkschaft, einen Berufsstand zu schriller Gegenwehr provoziert, der sich ohnehin in seinem Renommee bedroht sieht: Die rund 45.000 Mitarbeiter in 17.000 Einrichtungen der Kinder- und Jugendarbeit leiden nicht nur unter chronischer Personal- wie Finanznot. Ihnen mangelt es obendrein, so Sturzenhecker, an "politisch-öffentlicher Anerkennung".

Daher erscholl ein Aufschrei der Empörung, als Pfeiffer sich 2006 erstmals öffentlich gegen mehr Steuergelder für Jugendzentren aussprach. Die pädagogische Arbeit dort habe sich "nicht bewährt", viele Treffpunkte würden von "sozialen Randgruppen" beherrscht, es mangele an Konzepten - "da gibt es oft nur eine klapprige Tischtennisplatte und einen gelangweilten Sozialarbeiter".

Prompt entflammte der Pädagogenzorn. In einem offenen Brief. bekundeten über tausend Jugendpfleger, -helfer und -forscher, vorneweg Sturzenhecker, "fassungsloses Kopfschütteln" über Pfeiffers Philippika. Sie bezichtigten ihn der Verbreitung "pauschaler Diffamierungen" und "populistischer Vorurteile".

Es war der Auftakt zu einem erbitterten Schlagabtausch, wie er in der Hochschulwelt selten ist. Die Kritiker könnten "schreiben, was sie wollen", verkündete Pfeiffer unbeirrt und legte mehrfach nach - im Herbst etwa in der "Zeitschrift für Jugendkriminalrecht und Jugendhilfe" (ZJJ).

Sind Jugendzentren "gruselige und gefährliche Orte"?

Pfeiffer und seine Mitautoren Susann Rabold und Dirk Baier beschreiben darin Jugendzentren als "eigenständige Verstärkungsfaktoren der Jugendgewalt". Nötig sei daher eine "schrittweise Schließung von Freizeitzentren"; Sozialarbeiterstellen und Sachmittel sollten in Ganztagsschulen verlagert werden.

Seither hagelt es abermals Proteste wie von der "Expertengruppe Offene Jugendarbeit": Ein halbes Dutzend Professoren wirft dem Pfeiffer-Team vor, es bediene sich "subtiler Diffamierungen" und stelle Jugendzentren als "gruselige und gefährliche Orte" dar, abweichend von der "völlig anderen Wirklichkeit".

Pfeiffer stützt sich auf eine Studie seines Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen. Eine Befragung von 3661 Neuntklässlern habe ergeben, typisch für die zu zwei Dritteln männlichen Besucher von Freizeitzentren sei eine "Zusammenballung von Belastungselementen": unterdurchschnittliches Bildungsniveau und überdurchschnittlicher Ausländeranteil, niedrige Selbstkontrollfähigkeit und ein hoher Anteil straffälliger Freunde. Zudem sei dort der Anteil der Schulschwänzer und Konsumenten harter Drogen dreimal so hoch wie unter den Nichtbesuchern.

Die Tendenz zur Negativauslese in den Freizeitheimen lasse "vermuten", so die Kriminologen, dass sich "innerhalb dieser Gruppe eine Dynamik ergibt, die sich als gewaltfördernd auswirkt" und der "pädagogisch schwer zu begegnen" sei. Erst eine Verlagerung der Jugendarbeit an Ganztagsschulen biete Cliquen die Chance, "aus ihrer sozialen Isolation herauszufinden und in besser durchmischte Freundschaftsnetzwerke hineinzuwachsen".

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10.12.2008 von PeterShaw:

Wir sind uns inhaltlich einig. Allein der Weg ist strittig. Es gibt Bereiche, da habe ich die Hoffnung auf Einsicht ohne Betroffenheit aufgegeben. Vor einiger Zeit hat eine Nachbarschule gehandelt. Jahrelang litten die Schüler [...] mehr...

09.12.2008 von freqnasty:

na dann, lassen sie diese schließen. dann bekommen sie als antwort "schulhof", "einkaufszentrum", und ähnliches. wenn sie sich damit besser fühlen... ich gebe ihnen mal ein gutes beispiel für die [...] mehr...

09.12.2008 von freqnasty:

ach göttchen, sie betreiben hier in einer tour schelte gegen "linksdumme", und dergleichen, tun so als, ob sie jedes JUZ kennen, und wüßten, daß diese sämtlich von klandestinen, drogendealenden migranten bewohnt seien, [...] mehr...

09.12.2008 von Tarja13:

Die wird aber doch gerade dadurch ermöglicht, dass die Jugendzentren personell so unterbesetzt sind, dass die Jugendlichen sich dort meistens selbst überlassen sind. Genau das müsste geändert werden, dann könnten die JZ auch ein [...] mehr...

09.12.2008 von fatherted98:

Das ist auch nicht meine These - sondern das eben auch durch Jugendzentren genau das nicht erreicht wird - sonder im Gegenteil die Jugendlichen viel mehr Blödsinn bis hin zur Kriminalität begehen als wenn sie nicht in der [...] mehr...

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