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Homo-Hass in der Schule "Alles total verweichlichte Tunten hier"

2. Teil: "Alles total verweichlichte Tunten" - wer sich outet, muss meist allein klarkommen

Magnus nimmt das gelassen: "Ich weiß ja, dass das ein Fehlgebrauch des Wortes ist. Manchmal sage ich es sogar selbst." Groß und schlank ist er, interessiert sich für Politik und Actionfilme. An ihm fällt auf, wie überlegt er spricht, wie sorgsam er seine Worte wählt. Doch in der Schule muss er sich ganz andere Dinge anhören. "Alles total verweichlichte Tunten hier, rufen vor allem die kleinen und unreifen Jungs auf dem Schulflur", erzählt Magnus. "Dann kriegen die aber einen scharfen Kommentar von mir zurück."

Magnus ist nicht ganz freiwillig an seiner Schule geoutet, er hatte sich nur einer Freundin anvertraut. Aber die konnte ihren Mund nicht halten. "Wir waren für eine Woche auf Kursfahrt in London. Und als wir zurückkamen, wusste es das ganze Gymnasium, das Kollegium und die Real- und Hauptschule nebenan."

Als Magnus merkte, dass er auf Jungs steht, hat er sich gewünscht, dass es an seiner Schule offen homosexuelle Lehrer gibt. "Dann hätte ich das Bild gehabt, dass es homosexuelle Menschen gibt, die ganz normal im Leben stehen. Und vielleicht wären dann auch das Kollegium und die Schüler aufgeschlossener. Wenigstens würde man dann überhaupt mal drüber reden", sagt er.

Lehrer dürfen nicht wegschauen

Stattdessen hat Magnus den Eindruck, dass das Thema Homosexualität im Unterricht gemieden wird. Beate empfindet das genauso: "In der Schule wird man über alles aufgeklärt, zum Beispiel über Aids und Suchtprobleme. Aber nie über schwule oder lesbische Menschen." Dabei sind nach Schätzungen fünf bis zehn Prozent der Bevölkerung homosexuell. In einer Klasse mit 30 Schülern sind das immerhin zwei bis drei Schüler.

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LSVD

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Verschiedene Schwulen- und Lesbengruppen, Netzwerke und Initiativen arbeiten daran, die Homophobie zu bekämpfen, vor allem in den Großstädten. Im Westen Deutschlands haben sich mehrere Vereine unter dem Titel "Schlau NRW" zusammengetan - die Abkürzung steht für "Schwul Lesbische Aufklärung in Nordrhein-Westfalen". Junge Erwachsene, die selbst homosexuell sind, treffen sich mit Schulklassen.

"Viele Schüler fragen die Lesben aus dem Team vor allem, was sie im Bett machen", berichtet die Projektmitarbeiterin Anna Rühmann, 25. "Und über Schwule denken einige, dass sie verweichlicht sind und dass man sie auf der Straße an Röhrenjeans und Lederklamotten erkennen kann."

Auf die Vorurteile der Schüler gehen die Aktivisten ein. So stellt zum Beispiel jeder aus dem Team drei Behauptungen über sich selbst auf, typische Klischeevorstellungen über Lesben und Schwule - bei den Jungs etwa "Ich bin Frisör", bei den Mädchen "Ich fahre Motorrad". Die Schüler müssen raten, welche Behauptung stimmt. "So merken sie, dass auch Schwule und Lesben unterschiedliche Menschen mit unterschiedlichen Hobbys sind", sagt Anna Rühmann.

"Den meisten Lehrern sind Beleidigungen völlig egal"

Doch es reiche nicht, nur bei den Schülern anzusetzen, sagt Detlef Mücke, selbst Lehrer und Vorsitzender der AG Schwule und Lesben in der Bildungsgewerkschaft GEW. Wichtig sei es, dass Lehrer einschreiten, wenn Schüler angefeindet werden. Außerdem gehöre das Thema nicht nur in die Bio-Stunde, es müsse auch im Politik- und Geschichtsunterricht angesprochen werden.

Als Beate in ihrer früheren Schule beleidigt wurde, hat keiner ihrer Lehrer reagiert, erzählt sie. Viele Jugendliche, die sich geoutet haben, beklagen das, fühlen sich im Stich gelassen. Beate hat nichts anderes erwartet: "Es gehört in der Schule dazu, dass man beleidigt wird. Und den meisten Lehrern ist das auch völlig egal."

Beates Schulwechsel hat nichts damit zu tun, dass sie früher "Lesbenweib" genannt wurde, sagt sie. Aber heute, an ihrer neuen Schule, fühlt sie sich deutlich wohler. Hier wissen nur die engsten Freunde, dass sie auf Mädchen steht. Knutschen auf dem Pausenhof wird sie wohl nie.

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