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14.08.2009
 

Mein erstes Mal

David Storl, 19, fährt zur Leichtathletik-WM

Er gilt als Jahrhunderttalent: Bei den Junioren räumte David Storl alle Kugelstoß-Titel ab und holte zwei Weltrekorde. Im SchulSPIEGEL erzählt er, wie er es als jüngster Starter ins deutsche Team der Leichtathtletik-WM in Berlin schaffte - und was er sich vorgenommen hat.

"Wenn ich mich beim Kugelstoßen im Ring in Position bringe, blende ich alles andere aus. Ich konzentriere mich auf meine Technik, auf die Kugel, auf das Ziel und gebe alles. Bei der Qualifikation zur Leichtathletik-WM tat ich das gleiche wie bei jedem Stoß. Allerdings war ich mir erst spät sicher, dass es reichen würde. 19,51 Meter war nun nicht der große Wurf - 20,43 Meter ist mein Weltrekord bei den Junioren, 23,12 Meter der Männer-Weltrekord.

Glücklicherweise zählen die Vorleistungen der Saison mit in die Nominierung. Mein Trainer steckte mir danach recht früh, dass ich es geschafft habe. Er erfuhr es über drei Ecken, etwas später folgte die offizielle Bekanntgabe des Leichtathletikverbands. Ich fahre als jüngster deutscher Starter nach Berlin, aber feiern werde ich erst nach der WM, bis dahin wird trainiert.

Bei der U20-EM war früh die Luft raus

Obwohl ich sehr ehrgeizig bin, fällt es mir mittlerweile schwer, mich zu motivieren, da im Jugendbereich die Konkurrenz schon ein Stück weg von meinen Weiten ist. Ich sehe dann eher nach vorne und versuche meine eigene Bestleistung anzugreifen, um weiterzukommen. Deshalb ist mein Trainer Sven Lang auch eine große Stütze. Wir haben ein gutes Verhältnis, aber er tritt mir auch schon mal in den Arsch, damit ich meine Leistungen bringe.

Bei der U20-EM im Juli in Serbien war das auch nötig. Ich wollte die Qualifikation im ersten Versuch abhaken um mir nicht zu viel Stress zu machen. Das klappte. Im Finale gab ich gleich alles, um die Konkurrenz zu schocken. Ich habe versucht, meine Bestleistung zu schaffen, das gelang mir nicht ganz: Es wurde meine zweitbeste Weite - aber das reichte. Danach war die Luft raus. Der Zweitplatzierte blieb zwei Meter hinter mir. Somit war die Spannung nicht nur für mich, sondern auch für die Zuschauer weg.

Davor war der Druck schon recht groß. Jeder hat von mir den Europameistertitel erwartet. Damit musste ich erst einmal zurechtkommen. Man kann daran schon zerbrechen, aber alles andere als der Titel wäre auch für mich enttäuschend gewesen. Ich war mächtig stolz, als ich die Goldmedaille in der Hand hielt. Von Anspannung war dann keine Spur mehr.

Aus Patzern lernen

Mit dem ganzen Lob, das mir entgegenschwappt, gehe ich eher vorsichtig um. Es muss nur was Dummes passieren, dann kann die Karriere schnell vorbei sein. Das Interesse der Medien geht mir bisher nicht auf die Nerven. Es nützt schließlich auch dem Sport, der somit noch mehr in die Öffentlichkeit gerückt wird.

Doch ganz so reibungslos läuft es nicht immer. Mein letzter Patzer ist zwar schon eine Weile her - in Halle verbockte ich Mitte 2008 ein paar Würfe. Aber vielleicht war das gar nicht so schlecht. Eine Niederlage einzustecken, holt einen auf den Boden zurück und fördert neuen Ehrgeiz.

Ein weiterer Grund, warum ich es nach Berlin geschafft habe, waren wohl die beiden U20-Weltrekorde. Im Juni habe ich innerhalb von acht Tagen zwei Bestleistungen gebrochen, je einen mit der 6 und der 7,25 Kilo schweren Kugel. Mit der schwereren habe ich einen elf Jahre alten Rekord überboten.

Kugelstoßen eröffnet die WM

Routine kam bei mir bisher aber nicht auf, weder beim Aufstellen von Rekorden noch bei dem Gewinn internationaler Titel. Wenn ich meine eigenen Leistungen schlage, bin ich total erleichtert. Fällt dann noch ein Rekord, ist das eine schöne Zugabe.

Viel Freizeit bleibt mir jedoch nicht in der Saison. Manchmal unternehme ich etwas zusammen mit Freunden vom Sportinternat Chemnitz, dafür muss in der Saisonplanung Platz sein. Die meisten meiner Freunde verstehen mich jedoch, da sie dieselben Probleme haben. Von der Schule bin ich bis nach der Leichtathletik-WM in Berlin freigestellt, um mich im Trainingslager vorzubereiten. Anschließend muss ich das Pensum natürlich nachholen.

Kugelstoßen wird die WM am Samstagmorgen im Berliner Olympiastadion eröffnen. Gespannt bin ich vor allem auf die Atmosphäre. Vor so einem Publikum hab ich noch nie gestoßen. Ich will dort meine Leistungen nach dem erfolgreichen Jahr bestätigen.

Allerdings bleibe ich realistisch. Die Konkurrenz dort ist schon enorm. Wie immer werde ich mein Bestes geben, entweder schaffe ich es somit ins Finale - oder ich gucke es mir dann eben an."

Aufgezeichnet von Steffen Eggebrecht

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