
In der zehnten Klasse war der Wahl-O-Mat ein wunderbares Mittel, um im Politikunterricht auf die kuriosesten Kleinparteien zu stoßen. Schon damals fühlte ich mich aber dem Mitte-Rechts-Spektrum der CDU am nächsten. Jeder soll seines Glückes Schmied sein, wer aber nicht schmieden kann, soll Unterstützung erhalten. Soziale Marktwirtschaft at it's best, so meine Grundhaltung. Ansonsten bin ich wohl politischer Mainstream: ein bisschen von allem, nur nicht links. Für realitätsferne Träumereien bin ich wohl zu pragmatisch.
Als ich den Wahl-O-Maten starte, bin ich daher schon gespannt auf das Ergebnis. Und ich frage mich nach einem ersten Vertippen, wer sich diesen Namen wohl ausgedacht hat.
Die erste Frage ist noch einfach, aber schon bei der zweiten muss ich nachdenken: Einführung eines Mindestlohns. Natürlich verdient jeder einen gerechten Lohn. Gleichzeitig klingt plausibel, dass ein Mindestlohn nicht zu mehr Verdienst, sondern nur zu mehr Arbeitslosigkeit oder Schwarzarbeit führt. Bin ich neutral oder will ich die These überspringen? Neutral klingt zu sehr nach: Ist mir alles egal und interessiert mich auch nicht. Ich klicke auf "These überspringen".
Weiter geht es durch den Fragenkatalog. Sollen Handelsbeziehungen mit Staaten, die die Menschenrechte missachten, eingestellt werden? Schwierig, neutral. Wiedereinführung der D-Mark? Ausdrücklich Nein. Ist die Demokratie der Bundesrepublik die beste Staatsform? Klares Ja.
Und dann eine Überraschung, die keine ist. Glück gehabt, ich lag mit meiner Einschätzung richtig. Die CDU liegt mit etwas Abstand vorn, gefolgt von FDP und den Piraten. Die Linke verbleibt abgeschlagen. Ich kann wohl sicher zur Wahl gehen.
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