Von Claudia Voigt
Zur Eröffnung soll es mit Luftballons dekoriert werden. Nur hat der farbenblinde Opa die falschen Ballons gekauft. Nicht Gelb und Grün, wie die Farben Brasiliens, sondern Rot und Blau. Lolas Vater ärgert sich darüber. Der Schauspieler schleudert den Karton mit den Ballons auf den Boden. Doch die Regisseurin findet ihn nicht wütend genug, sie will, dass er das noch einmal macht.
Vorher müssen allerdings alle Ballons wieder eingesammelt und sortiert werden. Dafür ist eine Frau zuständig, die Requisiteurin heißt. Als sie fertig ist, ruft die Regisseurin wieder: "Und Action", Kartonschleudern, "und stopp". Noch mal von vorn: Ballons einsammeln, "und Action", Kartonschleudern, "und stopp". Siebenmal geht das so. Es dauert über zwei Stunden. Wer beim Film arbeitet, braucht viel Geduld.
Für die Schriftstellerin ist die Verfilmung ihres Romans wie Zauberei
Die Kinderbuchautorin Isabel Abedi hat den Roman geschrieben, der hier verfilmt wird. Mittlerweile gibt es sechs Bände von "Lola", im Film wird die Geschichte des ersten Bandes erzählt. Darin zieht das neunjährige Mädchen mit ihrer Mutter und ihrem brasilianischen Vater nach Hamburg. Sie kommt auf eine neue Schule, die Ziegenschule, und sie wünscht sich nichts sehnlicher als eine beste Freundin.
Nach ein paar Missverständnissen wird sie diese am Ende auch finden. Und ihr Vater, den sie nur Papei nennt, eröffnet zusammen mit Lolas Opa "Die Perle des Südens". Das soll die große Schlussszene des Films werden, mit Musik und Tanz und in den Himmel fliegenden Luftballons. Noch aber fliegt immer wieder der Karton auf den Boden, ohne dass die Regisseurin zufrieden wäre.
Währenddessen wartet Lola in einer Ecke des Raums, macht Kaugummiblasen und langweilt sich. Ihre Langeweile wird man später auf der Leinwand natürlich nicht sehen, genauso wenig wie die Baracke. Und wenn man es genau nimmt, ist es auch nicht Lola, die wartet, sondern Meira Durand, die die Lola spielt. Die Schriftstellerin Isabel Abedi sagt, für sie sei es wie Zauberei, dass die Welt von Lola, die sie sich an ihrem Schreibtisch ausgedacht hat, im Film zum Leben erweckt wird.
Die Schauspielerin beeinflusst die Fortsetzung des Romans
Manche Ideen für ihre "Lola"-Bücher hat sich die Schriftstellerin aus dem wirklichen Leben geholt, aber sie hat sie gedreht und gewendet, wie sie das für ihre Geschichte brauchte. Die Ziegenschule beispielsweise gibt es tatsächlich, aber die echte Ziegenschule hat einen Zaun, damit kein Schüler in den Kanal neben der Schule fällt. In den "Lola"-Büchern können die Kinder vom Schulhof ans Ufer klettern. So etwas darf eine Schriftstellerin, sie kann die Welt so erfinden, wie sie auch sein könnte.
Im wirklichen Leben ist Abedi auch mit einem Mann aus Brasilien verheiratet, deshalb weiß sie viel über das Land und die Sehnsucht der Brasilianer nach Sonne und Wärme. Aber ihr Mann hat kein Restaurant. "Die Perle des Südens" gibt es nur in Abedis Phantasie.
Gerade arbeitet die Schriftstellerin am siebten Band, in dem Lola einen kleinen Bruder bekommen wird. "Bisher war die Lola immer so, wie ich sie mir vorgestellt habe", sagt sie, "aber nun habe ich beim Schreiben auch Meira Durand im Kopf, weil sie mir so gut gefällt." Das Leben, das Buch und der Film, so genau trennen lässt sich das nicht, aber alles zusammen ist eine aufregende Geschichte.
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