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24.03.2010
 

Mein erstes Mal

Michael, 17, kleidet Madonnas Tochter ein

Er besprenkelt T-Shirts mit Farbe, stickt seinen Namen drauf, verschenkt sie. Eines legte Michael Pixis vor Madonnas Haustür in London. Und bald tauchten Bilder ihrer Tochter Lourdes auf, die es trägt - sein T-Shirt. Nun kann der Würzburger Schüler sich vor Bestellungen kaum retten.


"Es fing mit diesem Künstler im Fernsehen an. In einer Reportage sah ich im vergangenen Jahr, wie er auf einem Flugplatz die Turbine eines Flugzeugs, eine Leinwand und einen Eimer mit Farbe in Stellung gebracht. Jemand warf die Turbine an, der Künstler nahm den Eimer in die Hand, schleuderte die Farbe vor die Turbine, und - swusch! - landete die Farbe auf der Leinwand. Das Bild hat er dann für 60.000 Dollar in Los Angeles verkauft.

Das sah cool aus, ich dachte mir: Das mache ich selbst. Ich besorgte mir Pinsel, Farbe und eine Leinwand. Flugzeugturbine hatte ich keine zur Hand, also schleuderte ich die Farbe mit dem Pinsel auf die Leinwand. Es sieht fast genauso aus. Das Ergebnis hängt seit dem Versuch bei mir zu Hause im Wohnzimmer.

Irgendwie hat mich das Motiv nach der Aktion nicht losgelassen, und ich habe es in unserer Badewanne auf ein T-Shirt gebracht. Einigen meiner Freunde hat es so gut gefallen, dass sie mich drauf angesprochen haben und fragten, ob sie auch eins haben könnten. Eine Freundin kam schließlich auf die Idee, Maria Beckmann ein solches Shirt zum Anziehen zu schenken. Maria stammt auch aus Würzburg und gehörte letztes Jahr bei 'Germany's Next Topmodel' zu den Finalistinnen.

Mit dem Paket zu Madonna

'Warum nicht', dachte ich und bin mit Pinsel und Farbe ins Badezimmer. Das fertige Shirt habe ich Maria zugeschickt. Wenig später, das war im Mai, sah ich diesen Artikel über Maria in unserer Lokalzeitung 'Mainpost'. Neben dem Text war ein Bild, auf dem sie mein T-Shirt trägt.

Da dachte ich: Okay. So könnte man weitermachen, wenn man eine Marke bekanntmachen wollte - man verteilt einfach T-Shirts an Promis. Ed Hardy zum Beispiel wurde bekannt, weil Madonna, Britney Spears und Paris Hilton die T-Shirts getragen haben. Den Machern war sicher klar, dass Madonna wahnsinnig oft fotografiert wird. Auf den Fotos tauchte dann immer der Schriftzug Ed Hardy auf.

Also plante ich für den vergangenen November eine Reise nach London. Zu Madonna.

Ich machte zwei T-Shirts: eines für Madonna und eines für ihre Tochter Lourdes. Ich erkundigte mich im Internet, wo sie wohnt, wenn sie in London ist - die Adresse war mit Google ziemlich leicht rauszufinden. Von Madonna gibt es außerdem viele Paparazzi-Bilder, die mir bei der Orientierung geholfen haben. Gemeinsam mit meiner Schwester bin ich dann für ein Wochenende rübergeflogen. Noch am Abend unserer Ankunft lief ich mit meinem T-Shirt-Paket zu der Adresse.

Plötzlich ging die Tür auf, da war der Mumm weg

Ich ging zum Hintereingang und sah Licht im Wohnzimmer. Ich hörte Stimmen. Es war also jemand zu Hause. Ich stellte die Tüte ab, machte zwei Schritte zurück und merkte, wie die Tür aufging. Da bekam ich Schiss - und ging weg. Leider hatte ich nicht mal mehr den Mumm, mich noch einmal umzudrehen. Ich habe mich einfach nicht getraut.

Erst nach fünf Minuten habe ich mir dann doch ein Herz gefasst und bin abermals zur Tür geschlichen. Die Tüte war weg. Später stellte sich heraus, dass es wohl nicht Madonna war, die aufgemacht hat. Es müssen Angestellte gewesen sein. Von der Zeit, als ich in London war, gibt es nämlich Paparazzibilder, auf denen Madonna in New York zu sehen ist.

In den folgenden Wochen verfolgte ich auf mehreren Web-Seiten im Internet alle neuen Bilder von Madonna und ihrer 13-jährigen Tochter Lourdes, die ja auch immer häufiger zu sehen ist. Um Weihnachten herum war es dann soweit: Im amerikanischen Online-Promi-Magazin "Just Jared" erschienen Bilder mit Lourdes, die unter einer Jacke mein T-Shirt mit den Flecken anhat. Darauf mein eingestickter Nachname: Pixis.

Einen Tag, nachdem ich bei Madonna vorbeischaute, machte ich mich auch noch auf den Weg zu Sienna Miller, die ebenfalls in London ein Haus hat. Sie wird in so gut wie jeder Modezeitschrift abgebildet und gilt als Stilikone. Perfekte Voraussetzungen, um meine T-Shirts bekannter zu machen, dachte ich mir. Ihre Adresse fand ich auch über Google heraus, außerdem waren einige Bilder von ihrem Haus zu sehen, das häufig fotografiert wurde, weil jemand 'Slut' an ihre Hauswand gesprüht hatte.

Doch, ja, Siena Miller hat ein fiesgelbes Sofa

Als ich dort war, war ich mir aber nicht mehr so sicher, ob die Adresse stimmte. Es war eine ziemlich schäbige Gegend, bei der man nicht an Sienna Miller denkt. Es war schon dunkel, und als ich vor dem Haus stand, habe ich einfach mal durch den Briefschlitz in der Tür gelinst. Ich sah nur ein hässliches gelbes Sofa und dachte: 'Das kann es irgendwie nicht sein.' Außerdem sah das Haus so unbewohnt aus. Also bin ich mit meinem Paket zurück ins Hotel.

Einige Wochen später habe ich wieder nach ihr gegoogelt und festgestellt, dass sie und Jude Law zurück in London sind. Außerdem stand da, dass Millers Haus zum Verkauf stehe, sich aber niemand dafür interessiere. Ich wollte endlich wissen, wie ihr Haus aussieht, und suchte nach der Maklerfirma. Tatsächlich fand ich Bilder vom Haus, die zur Ansicht online gestellt waren. Auf einem der Fotos: das hässliche, gelbe Sofa. Ich habe mich so geärgert und dachte: 'Jetzt musst du nochmal nach London!' Vor zwei Wochen aber waren Freunde von mir dort. Sie haben bei Sienna vorbeigeschaut und meine Box mit den T-Shirts vor ihrer Haustür abgestellt.

Vor allem seit das mit Madonna und Lourdes bekannt wurde, hat sich einiges getan. In Würzburg kann man die T-Shirts jetzt im Café "Centrale" kaufen. Die Nachfrage ist ziemlich groß. Ich verkaufe sie aber auch über das Online-Kaufhaus Dawanda. Es gibt schon ziemlich viele Vormerkungen, aber ich muss jetzt sehen, wie ich weitermache. Es sind ja immer noch Originale, die ich mit Pinsel und Farbe in Badezimmer-Action herstelle. Und dann das Etiketten-Einnähen, das ist das Schlimmste! Das dauert. Da finde ich die 34,95 Euro für solch ein Unikat schon gerechtfertigt.

Als Modedesigner sehe ich mich deswegen aber nicht. Ich möchte ja lieber Innenarchitekt werden. Aber wenn ich sehe, was man für die Aufnahme an der Uni können muss, was man da zeichnen muss - ich weiß nicht, ob ich da mit den anderen Bewerbern mithalten kann. Die Sache mit den T-Shirts bleibt wohl einfach so etwas wie ein Hobby.

Wobei ich große Pläne habe: Die nächsten Promi-Aktionen sind schon geplant. Hingehen - und vor die Tür legen. Eigentlich eine sehr simple Sache."

Aufgezeichnet von Peter Wagner

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