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05.06.2010
 

Plakatwettbewerb

"Mein Studium kostet mich meine Unschuld"

Politikverdrossen? Der Bundeshorst vielleicht, die Jugend nicht. Bei einem Wettbewerb gestalteten Jugendliche über 300 Politik-Plakate mit Themen von Atomkraft über Kamera-Überwachung bis Studiengebühren. Die besten werden Politikern bald im Berliner Regierungsviertel vor die Nase gehängt.


Die Männer, die an der Mauer stehen, haben keine Köpfe. Sie haben schwarze Anzüge an, hinter ihnen erstreckt sich unter bedrohlichen Wolken die Kulisse Berlins. Und auf ihren Rümpfen tragen sie: Kameras.

Die Szene stammt nicht etwa aus einem Science-Fiction-Film, sondern ist das Motiv eines Plakats, das Katharina Blieser und Pascal Mager, beide 21, beim respect-Politikwettbewerb eingereicht haben. Die Jury wählte es unter die besten fünf. Die Botschaft der beiden Kölner an die Politik ist eindeutig - "Mit Sicherheit keine Freiheit" haben sie als Slogan gewählt. Und weiter: "Überwachungskameras verfolgen jeden deiner Schritte."

Unter dem Motto "Zukunft plakativ - respect meets politics" hatte respect, die Jugendcommunity der Förderorganisation Aktion Mensch, Jugendliche im Alter von 14 bis 21 dazu aufgerufen, selbst gestaltete politische Plakate einzureichen. Medienpartner ist das Jugendmagazin "Spiesser". Jugendliche aus ganz Deutschland haben mehr als 300 Plakate auf der respect-Website hochgeladen.

"Die große Zahl der eingereichten Plakate zeigt, dass Jugendliche alles andere als politikverdrossen sind", sagt Jurymitglied Daniel Zimmermann, der mit 28 Jahren bereits Bürgermeister von Monheim ist und zu den jüngsten in diesem Amt zählt. "Wir wollen klarmachen, dass Entscheidungen zur Zukunft unserer Gesellschaft nicht nur von Politikern hinter verschlossenen Türen getroffen werden, sondern dass Forderungen von Jugendlichen ebenfalls Gehör finden müssen", sagt Jurymitglied und Aktion-Mensch-Sprecherin Ines Hobler.

Nicht nur mit dem Thema Überwachung punkteten die Gewinner. Auch das Bild einer jungen Prostituierten, die mit Sonnenbrille hinter dem Seitenfenster eines Autos erscheint, kam unter die besten fünf Einsendungen. Antje Gothe, 21, aus Nürnberg und Nicole Daumann, 22, aus Hallstadt spielten mit einer Idee, die beinah schon zur akademischen Protestfolklore gehört: dass wegen Geldmangel Studentinnen ihren Körper verkaufen müssen (auf Studenten-Demos gern auch dargestellt von stoppelbärtigen Kerlen in bunten Fummeln). Der sechsköpfigen Jury jedenfalls gefiel das Motiv, unter dem steht: "Mein Studium kostet mich meine Unschuld. Bildung darf keine Geldfrage sein."

Weiter gewannen Plakate zur Laufzeitverlängerung von Atomkraftwerken, zum Bewusstsein für fair gehandelte Produkte und zu Zukunftsvorstellungen von Kindern und Jugendlichen (siehe Fotostrecke). Die insgesamt acht Gewinner, die allein oder zu zweit die Plakate entwarfen, nahmen Anfang Mai an einem Kreativworkshop einer Berliner Werbeagentur teil und arbeiteten ihre Entwürfe mit Hilfe von Profis aus. Die Ergebnisse werden vom 18. bis 28. Juni 2010 in Berlin präsentiert - auf großflächen im Regierungsviertel.

fro

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