Sie wollen mir befehlen, wie ich mein Leben zu leben habe. Sie sagen, ich soll mehr lernen, weniger trinken, keinen Scheiß mehr machen. Ich soll ein angesehenes Mitglied der Gesellschaft werden - ihrer Gesellschaft. Politiker, Lehrer, Eltern. Einfach alle, die ihr Gehabe als natürliche Autorität bezeichnen. Aber wir hinterfragen diese Autoritäten nicht mal mehr, so wenig nehmen wir sie ernst. Wer unseren Respekt will, muss bei null anfangen.
Aber das wollen sie nicht einsehen. Die haben überhaupt keinen Plan, was abgeht. Ich werde niemals aus dieser beschissenen Stadt rauskommen, und mit einem Hauptschulabschluss habe ich kaum Perspektiven, egal was sie sagen. Die stempeln uns doch eh alle ab, bloß weil wir nicht so sind wie sie, überhaupt nie so sein wollen. Sie werden nicht mehr fertig mit uns.
Ihre Hilflosigkeit verschafft uns Genugtuung. Wenn sie uns verurteilen, verurteilen wir sie. Mein Vater gehört zu ihnen. Eigentlich rede ich nie normal mit ihm, wir streiten uns nur. Er ist doch selber ein Versager - er hat sich selbstständig gemacht und bis jetzt nur Verluste eingefahren. Ob er mich wirklich hasst, weiß ich eigentlich gar nicht. Aber er mag mich nicht. Dabei weiß er noch gar nicht alles.
Kiffen ist einfach zu geil
Dass ich regelmäßig kiffe, zum Beispiel. Meine Bong habe ich gut versteckt und den Stoff lasse ich nie lange rumliegen. Ich beziehe mein Zeug von Abramo, meinem kleinen Lieblingsitaliener. Er ist 13, sieht aber aus wie zehn, weil er so klein und rundlich ist. Wegen dem Gras ist er wohl in seiner Entwicklung stecken geblieben. Der Junge ist echt fertig mit sich und seinem Leben.
In den Schulen zeigen sie ja immer diesen einen Film, Die Kinder vom Bahnhof Zoo, und danach reden auch alle darüber, wie ekelhaft sie es fanden, als sich die kleinen Junkies auf Entzug gegenseitig angekotzt haben, aber am Abend gehen sie doch wieder weg und schmeißen sich irgendwas ein. Weil man sich selber immer für klüger hält. Man glaubt, man könnte die Sucht überlisten. Ich habe schon so einige Drogen ausprobiert, es hat aber alles nicht richtig gewirkt. Nur Koks, das war ganz gut, aber das war mir zu teuer.
Natürlich weiß ich, was das Kiffen mit einem anstellen kann. Dass es einem das ganze Leben versauen kann. Obwohl es mir auf Dope dann auch egal wäre. Ich kiffe nicht täglich, aber mittlerweile öfter, als ich am Anfang geplant hatte. Es ist einfach zu geil. Mit seinen Homies abhängen und einfach nur einen durchziehen, das ist das wahre Leben. Und Weiber. Ja. Gras, Homies und Weiber.
Am Ende bleibt nur die Frittenbude
Wenn diese Zeit mal aufhört, dann wäre es einfach nur übergeil, wie Hugh Hefner zu leben. Mit drei scharfen Bunnys im Arm und mordsmäßig Kohle auf dem Konto. Mit Kohle kannst du sicher sein, dass die Mädels bei dir bleiben. Das ist bei denen doch immer so. Du gibst ihnen einen Drink nach dem anderen aus, und wenn du kein Geld mehr hast, dann gehen sie zum Nächsten. Bei meiner Ex war es ähnlich. Ich fand sie so geil, dass ich gar nicht merkte, wie sie mich ausgenutzt hat. Nach zwei Monaten hat sie dann einen reicheren Macker gefunden und mit mir Schluss gemacht, die Schlampe.
Voll erwachsen zu sein muss traurig sein! Mit den ganzen schlimmen Erfahrungen, Pflichten und Problemen. Jung zu sein ist halt schon irgendwie geil. Die Wochenenden sind einfach unbezahlbar. Zusammengefasst könnte man sagen: Es ist einfach nur ein Absturz nach dem anderen - aber jeder einzelne ist doch irgendwie einzigartig. Leider umfasst das Wochenende nur den Zeitraum zwischen Freitagnachmittag und Sonntagabend. Die Tage in der Schule kann man eh vergessen. So wie das ganze deutsche Schulsystem.
Die reichen Muttersöhnchen werden aufs Gymnasium gedrängt, von uns können ein paar nach der vierten Klasse auf die Real, aber für den Rest bleibt nur die Hauptschule. Wir können zwar immer noch die mittlere Reife nachholen, aber man macht es uns viel schwerer. Wir gehen dann zehn Jahre auf die Schule, und am Ende hocken wir doch in der Frittenbude. Wer besser ist, kriegt vielleicht noch eine Ausbildung im Hotelfach oder im Bankwesen. Spannend. Und weil wir das wissen, sind wir dementsprechend demotiviert.
Die Atombombe hätte jetzt echt nicht sein müssen
Die Frau, mit der ich Kinder kriegen wollen würde, habe ich definitiv noch nicht getroffen. Vielleicht gibt es so was auch gar nicht. Ich habe zwar manchmal mit der einen oder anderen Lady was am Laufen, aber so richtig tief geht das nicht. Natürlich gibt es diese kleinen, niedlichen Mädchen, die voll auf den ganzen romantischen Kram stehen. Aber die wilderen, unabhängigeren Mädels sind mir echt lieber, die stressen nicht so krass rum. Dafür ist es schwierig, sie sich als Freundinnen vorzustellen. Die Ische kann noch so geil sein - wenn man zu ihr sagt "Komm Baby, blas mir einen!" und sie es tut, ist sie halt eine Schlampe.
Erschreckend ist übrigens auch, dass es mal eine Jugend gab, die ohne YouTube aufgewachsen ist. Diese überaus schockierende Erkenntnis ereilte mich neulich im Schlaf. Überhaupt: Die Welt, in der ich lebe und deren Bestandteile für mich ganz selbstverständlich sind, ist noch gar nicht so alt. Wie es war, bevor das Internet erfunden wurde, Snoop Dog seinen ersten Text schrieb und Fotohandys aufkamen, kann ich mir überhaupt nicht vorstellen. Will ich auch gar nicht, das muss echt ein trauriges Leben gewesen sein.
Generell sehe ich im Fortschritt überwiegend positive Seiten. Klar, solche Erfindungen wie die Atombombe hätten jetzt echt nicht sein müssen. Aber ansonsten gibt es doch unglaublich viele Vorteile. Und die ganze Globalisierungssache nimmt uns zusätzlich die Angst vor der Fremde - egal wo auf der Welt man sich befindet, bei McDonald's fühlt man sich doch immer zu Hause.
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Das Problem ist doch eigentlich ein ganz anderes. Die Geschichten in den Protokollen sind aus der Sicht von 15-16 jährigen geschildert und auch von einer 16 jährigen niedergeschrieben worden. Das Erzählte wird daher nicht in den [...] mehr...
...dass das jede Generation von sich glaubt! mehr...
Und ich werde den Eindruck nicht los, dass sich die Kinder und Erwachsenen - angesichts der Hinterlassenschaften der Erwachsenen an geistigem und realem Müll - noch auf bemerkenswerte Weise durchschlagen. Es liegt nicht an den [...] mehr...
O ja... vorausgesetzt(!), all das zu wissen, was ich heute weiß -- Aber hallo. ;-) mehr...
....... Mir scheint, daß vielen Jugendlichen heute das Vertrauen und die Vorbilder fehlen. Dank dem INett mit seinen ganzen Scheininformationen und Scheinkontakten fühlen sie sich rundum informiert und erwachsen, sie berauben [...] mehr...
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