21 unter 21: Daniel Schöfisch, Held am Herd

Von Barbara Hans

Er trainiert regelmäßig und fährt zu Weltmeisterschaften - aber mit Sport hat das nichts zu tun: Daniel Schöfisch, 21, ist in der deutschen Nationalmannschaft der Köche der jüngste Herr der Töpfe. Mit seinem Team kämpft er um Preise. Und gegen Blasen im Gelee.

Am liebsten isst Daniel Kartoffelpuffer. Mit Apfelmus. Allerdings nicht seine eigenen, sondern die seiner Oma. "Die kann sie einfach besser", sagt er und grinst. Ansonsten hat Daniel seine Mutter und seine Oma in der Küche längst überholt. Trotzdem isst er, was auf den heimischen Küchentisch kommt. Vor einer Weile hat er seiner Mutter ein einfaches Balsamico-Dressing gezeigt. Seither gibt es bei den Schöfischs Rucola mit Balsamico, Eisbergsalat mit Balsamico, Radicchio mit Balsamico.

Daniel steht in der Küche des Berliner Hilton, draußen scheint die Sonne. Auf dem Gendarmenmarkt tummeln sich die Touristen und beobachten, wie gestresst wirkende Menschen mit dem Handy am Ohr am Portier vorbei in die Lobby des Luxushotels hetzen. Die ist klimatisiert und mit schwerem Teppich ausgelegt. Wuchtige, üppig gepolsterte Sessel verschlucken die gut betuchten und geschäftigen Städte-Urlauber, die sich dort ausruhen. Im Hintergrund plätschert ein Wasserfall. Hinter einer unscheinbaren, mit Holz verkleideten Tür verbirgt sich das Herzstück der Hilton-Restaurants: die Küche.

Weiß, weiß, weiß ist alles, was ich trage

Daniels Uniform leuchtet so weiß wie in der Waschmittelwerbung. Kein einziger Fleck ist auf Hemd, Schürze oder Hose zu entdecken. Alles ist akkurat gestärkt. Die Mütze auf seinem Kopf misst mehr als 20 Zentimeter und macht ihn eindrucksvoll groß. Daniel muss sich bücken, um nicht am Türrahmen hängen zu bleiben. Aber die Vorratsräume und Kühlkammern sind sein Revier, er weiß genau, wann und wo er den Kopf einziehen muss.

Neonröhren ersetzen auf den verschachtelten Fluren das Sonnenlicht. Ansonsten ist alles grau: Boden, Wände, Ablagen, Spülen, wannengroßen Töpfe. Daniel kennt hier jeden: die jungen Köche, die mit meterlangen Kellen einen Soßenansatz rühren oder mit spitzen – und ordentlich gewaschenen - Fingern Canapés auf Platten drapieren und mit essbaren Blumen verzieren.

Und er kennt den Chef. Der sitzt wie ein Bademeister in einem Glaskasten, beobachtet das Treiben auf den Fluren und kümmert sich um den Papierkram. Im Fenster der bewohnten Vitrine steht ein Pokal - nicht der einzige, der die Küchen des Hilton ziert: Die Lehrlinge haben immer wieder Preise bei Wettbewerben eingeheimst.

"Manchmal ist es in der Küche wie beim Militär", sagt Daniel und versucht zu begründen, warum im normalen Leben zwar fast immer Frauen den Haushalt schmeißen und hinter dem Herd stehen, aber überwiegend Männer Koch werden wollen und in dem Job auch Karriere machen. Wie beim Bund wird bei den Koch-Azubis kontrolliert, ob die Schuhe geputzt und die Fingernägel gestutzt sind. Ist der Chef erbost, fliegen manchmal auch Pfannen und Töpfe über den Herd. Strafe muss sein.

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  • Dienstag, 25.09.2007 – 13:26 Uhr
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