21 unter 21: Nathanael Liminski, flammender Papst-Fan

Von Daniel Kastner

Er ist das achte von zehn Kindern. Sex vor der Ehe lehnt er ab. Auf seine Lebensfragen lässt er den Papst die Antwort geben. Nathanael Liminski, 21, ist überzeugter Katholik und wirbt für seinen Glauben. Sein Credo: Wir sind die Generation Benedikt.

Der Mann, der mit dem Papst zu Abend aß, schlürft Ingwer-Orangen-Bionade. Nathanael Liminski, 21, braune Haare, braune Augen, Cordhose und blauweißes Ringelshirt, Student der Geschichte, der Politik und des Öffentlichen Rechts, sitzt im Café "blau" in Bonn. Sein Blackberry empfängt hin und wieder eine E-Mail. Liminski spricht mit rheinischem Singsang, fast wie CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla, nur nicht so nasal.

Sieht so ein glühender Papstfan aus?

Vor knapp zwei Jahren, als der noch frische Papst Benedikt XVI. mehr als eine Million Jugendliche auf das Kölner Marienfeld lockte, hatte Nathanael Liminski eine Eingebung: Junge Katholiken bräuchten ein Sprachrohr, dachte er. Die Medien hätten nicht die "authentische Begeisterung" wiedergegeben, sondern Zerrbilder gezeichnet von Jugendlichen, "die mit Pille und Kondom in der Tasche dem Papst zujubeln". Oder die Katholiken in TV-Debatten bloßgestellt, indem sie ausrangierte Vikare gegen pfiffige Agnostiker antreten ließen.

Wie steht man nicht als erzkatholischer Irrer da?

Liminski ärgerte das. Er war nicht allein, fand schnell Gleichgesinnte. Ein Netzwerk musste her, ein internationales, das ihr junges katholisches Lebensgefühl kanalisiert und in Workshops Medienkompetenz vermittelt: Wie geht man souverän mit Reportern um? Wo steht was in welcher Enzyklika? Und wie vermeidet man die Schublade "erzkatholischer Irrer"? Ihr Name "Generation Benedikt" ist wie eine erste Lektion: griffig, plakativ, haftet im Ohr.

Liminski selbst hat schon einen ZDF-Reporter vor laufender Kamera blamiert, der ihn zur Verhütung befragen wollte, aber nicht wusste, aus welchem päpstlichen Positionspapier er da eigentlich zitierte. Medienerfahren ist Liminski von Hause aus: Vater Jürgen war Redakteur bei der "Welt", moderiert im Deutschlandfunk und beklagte jüngst in der katholischen Würzburger "Tagespost" den Zustand einer Gesellschaft, in der "Abtreibung als Errungenschaft" gelte.

Im privaten Umgang mit den Kollegen seines Vaters lernte Nathanael, "dass die auch nur mit Wasser kochen". Und er lernte, wie man weltlichen Argwohn gegen seine überdurchschnittliche katholische Prägung zerstreut.

Dass er heißt wie einer der zwölf Apostel aus dem Johannesevangelium, über den Jesus sagte, er sei "ein rechter Israelit, an dem kein Falsch ist"? Nichts Besonderes, nicht alle seine Geschwister trügen biblische Namen, sagt Nathanael. Dass er das achte von gleich zehn Kindern ist? "Wer ist so verrückt und plant zehn Kinder?", zitiert er seinen Vater. Seine Eltern seien aber "offen für das Leben", für sie seien Kinder ein "Gottesgeschenk" - das ist auch die deutsche Übersetzung des hebräischen "Nathanael".

Vom Kindergarten bis zum Ordensgymnasium durchlief Liminski eine nahtlose katholische Erziehung. In den Ferien besuchte die Familie gelegentlich französische Wallfahrtsorte, befreundete Priester gingen daheim ein und aus. Liminski war Klassen- und Schulsprecher, zum Weltjugendtag brachte sein Team allein in seiner Schule 400 Pilger unter.

Letzte Zweifel am Glauben schüttelte er mit 15 ab

Als Joseph Ratzinger Papst wurde, wusste Liminski nicht so recht, was er davon halten sollte. Er kannte ihn als Chef der Glaubenskongregation, der die damalige Oppositionsführerin Angela Merkel mit seinem kompletten Hofstaat und strengem Protokoll inklusive Ringkuss empfing. Andererseits begeisterte Ratzinger ihn bei einem Abendessen in Rom als "warmherziger und humorvoller Gesprächspartner". Johannes Paul II. habe junge Menschen für den Glauben begeistert; von Benedikt XVI. würden jetzt die Erklärungen erwartet.

Letzte Zweifel am Glauben, sagt Liminski, habe er mit 15 abgeschüttelt – durch eine Predigt, die er in seiner Heimatgemeinde in St. Augustin bei Bonn hörte. Die Predigt handelte von der Feindesliebe; Nathanael wurde damals als Klassensprecher von einigen Mitschülern angefeindet. Sie mochten seine christliche Art nicht. Er wusste nicht so recht, wie er damit umgehen sollte, sagt er. Durch die Predigt sei ihm aber bewusst geworden, wie sich sein Glaube konkret auf sein Leben auswirke.

Das Manifest seines Netzwerks könnte man als Gebrauchsanweisung lesen - auch wenn Liminski selbst es nicht so sieht. Das Buch mit dem nahe liegenden Titel "Generation Benedikt" gibt "Antworten im Geiste des Papstes" auf zwölf "Lebensfragen junger Menschen". Herausgeber ist Nathanael Liminski. Die Lebensfrage nach dem Sex vor der Ehe verfasste er selbst, zwei Mitbegründer des Netzwerkes schrieben die Antwort. Von Benedikt XVI. stammt nur das Vorwort. Aber vor der Veröffentlichung habe der Papst die Texte persönlich gebilligt, so Nathanael.

Nathanael ist keusch: Kein Sex vor der Ehe

Er halte die Ehe ja für einen angemessenen, "geschützten Rahmen" für Sexualität, schreibt Liminski in dem Buch. Sei aber die Bereitschaft zu heiraten nicht schon Rahmen genug? Die Antwort im Geiste des Papstes: Sex vor der Ehe zerstöre die Freiheit der Liebenden, sich für oder gegen den Partner zu entscheiden. Man dürfe nicht "dem Partner das Geschenk der erst- und einmaligen körperlichen Hingabe (...) nehmen, bevor er sich für ein gemeinsames Leben entschieden hat". Nathanael solle die Zeit vor der Ehe "nicht als Wartezeit, sondern als Zeit der Prüfung eurer Liebe" betrachten. Bisher habe er sich daran gehalten, sagt er.

Wenn einer wie Liminski in die Politik geht, dann fast zwangsläufig in die CDU. Er gehört dem NRW-Vorstand der Jungen Union an, arbeitete im Sommer 2005 als wissenschaftlicher Mitarbeiter der damaligen Bundestagsabgeordneten Christa Reichard und beschäftigte sich vor allem mit Familien- und Verteidigungspolitik.

Wie steht er zu konservativen Reizthemen, etwa zur Abtreibung? "Finde ich ethisch nicht vertretbar, aber ich kann es noch verstehen, wenn es um Gesundheitsgefahren für die Mutter oder um eine Schwangerschaft nach einer Vergewaltigung geht. Aber die allermeisten Abbrüche haben mit persönlicher Lebensplanung zu tun, darüber muss man reden."

Homo-Ehe? "Ich kenne viele Homosexuelle, und einige tun mir leid. Der Staat muss schon aus reiner Selbsterhaltung die natürliche Form der Ehe und Familie fördern." Zölibat? "Ich bewundere die Priester, die ihre ganze Kraft in die Seelsorge in der Gemeinde stecken." Einen Seitenhieb auf die Ökumene kann er sich nicht verkneifen: "Bei den Protestanten liegt da ja einiges im Argen." Schwarz-grün? Die Option schließt er nicht aus. Er sieht Überschneidungen bei Bioethik und Umweltschutz, aber "verquere grüne Ansichten" in der Familienpolitik.

Noch muss Liminski auf solche Fragen nur theoretisch antworten, noch geht sein Studium vor. Dass er aber später mal in der großen Politik mitmischen wird, haben ihm seine Mitschüler schon in die Abizeitung geschrieben.

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