Abiturienten-Typologie: Zwischen Superstrebern und falschen Freunden

Vor den Abi-Prüfungen beginnt unter Schülern das gegenseitige Beäugen: Wer lernt schon, wer bleibt noch locker? Es ist die Hochzeit der Intrigen und taktischer Lügen, weiß Rick Noack. Im Abi-Blog schreibt er über die Angst vor den Klausuren - und was sie aus seinen Mitschülern macht.

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Suche nach der Zauberformel: Hohe Ausgaben für Abibücher = hohe Punktzahl?

Unter angehenden Abiturienten gibt es verschiedene Typen. Abiturient eins ist alles egal, weil er sowieso schon eine Ausbildung sicher hat, für die er aber kein Abitur braucht. Abiturient zwei wird praktisch nur noch als lebender Wissensmagnet gesichtet. Problem: Er zieht zwar Wissen an, stößt aber leider alle Sorten von Freunden ab. Und dann gibt es noch Abiturient drei. Das ist der Schlimmste.

Fragt man ihn danach, ob er schon für das Abitur gelernt habe, dann weitet er seine Augen, setzt ein Gesicht auf, das zwischen betroffen und amüsiert rangiert, und sagt: "Was? Abitur? Ach, wer lernt denn jetzt schon dafür?"

Abiturient drei ist deshalb der Schlimmste, weil er lügt. Nach Prüfungen stürmt er aus dem Zimmer, schreit durch das Schulhaus, er sei am Ende seiner Kräfte und werde null Punkte bekommen. Am Ende sitzt er dann da - und nimmt süffisant lächelnd seine 15 Punkte entgegen. Höchstpunktzahl. Möglicherweise lässt er seinen Blick dann noch kurz über die Bänke schweifen um den Sieg zu genießen.

Und dann gibt es noch eine vierte Art von Abiturienten. Der habe ich bislang angehört. Das sind die, die in der Schule immer viel zu viel Angst vor dem Spicken hatten. Die ihre Vorträge immer ganz brav selbst machten, weil sie glaubten, dass das jeder so macht. Und die immer viel zu spät mit dem Lernen für wirklich wichtige Prüfungen anfingen, weil sie die Welt als Ponyhof betrachten, auf dem immer alles gut wird.

"Rick, in Wahrheit lernen wir alle"

Wir kämpfen alle für das Abitur und gegen diese ganzen fiesen Prüfer. Aber verständlicherweise will dabei jeder der beste Kämpfer sein. In der Schule klärt man so etwas mit kleinen Intrigen. Wenn Abiturient drei sagt: "Natürlich kannst du meinen Hefter kopieren", dann denkt er: "Hihi, aber die wichtigen Blätter nehme ich vorher raus."

So klar könnte ich das alles niemals erklären, wenn mir es nicht vor kurzem ein Freund erzählt hätte. Als er hörte, wie ich mich über die wenigen Schüler amüsierte, die schon neun Wochen vor dem Abi mit dem Lernen beginnen, schaute er mich nur sehr traurig an. Wieder einer, der's nicht kapiert, muss er wohl gedacht haben und hat es dann ausgesprochen: "Rick, in Wahrheit lernen wir alle."

Dummerweise ist das Abitur die erste Prüfung im Leben der meisten Gymnasiasten, die er wirklich bestehen muss. "Darauf bereiten wir Euch seit zwölf Jahren vor", sagen unsere Lehrer deshalb gern. Das Abitur ist wohl auch der Zeitpunkt, an dem der Spruch: "Ihr lernt fürs Leben und nicht für Noten", eine ganz neue Bedeutung erhält. Zum ersten Mal wird uns wirklich bewusst: Von der Note, die auf diesem letzten Schulzeugnis stehen wird, hängt ein großer Teil unseres Lebens ab.

In der Hoffnung, dass die Abi-Punktzahl proportional mit der Summe des Geldes steigt, das man für die Vorbereitung verbraucht hat, habe ich mir jetzt Bücher im Wert von 150 Euro gekauft. Eine Null weg und man erhält die Zahl 15: maximale Punktzahl. Schön wär's.

Ich hatte etwa gehofft, das Buch "Der Zahlen gigantische Schatten. Die fantastische Welt der Mathematik" könnte aus mir einen Mathematiker machen, der morgens in der einen Hand eine Tasse Kaffee und in der anderen einen Taschenrechner hält. Das hat aber leider nicht geklappt.

Statt zu lernen, werde ich deshalb jetzt erst einmal weiter Abiturienten-Typen analysieren. Damit wäre ich selbst dann übrigens inzwischen Typ fünf. Das sind diejenigen, die sagen, sie lernen jetzt fürs Leben. Da ist es manchmal wichtiger, mit Menschen umgehen zu können, als Goethe zu zitieren.

Lesen Sie hier Teil 1 des Abi-Blogs: Bekenntnisse einer Mathenull

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insgesamt 22 Beiträge
sponner_hoch2 01.04.2011
"Es ist die Hochzeit der Intrigen und taktischer Lügen" - oh mein Gott, und so jemand hat es tatsächlich bis kurz vor die Abi-Prüfung geschafft. Mich würde nämlich mal interessieren, was die Taktik hinter dem [...]
Zitat von sysopVor den Abi-Prüfungen beginnt unter Schülern das*gegenseitige Beäugen: Wer lernt schon, wer bleibt noch locker?*Es ist die Hochzeit*der*Intrigen und taktischer Lügen, weiß*Rick Noack. Im Abi-Blog schreibt er über die Angst vor den*Klausuren - und was sie aus seinen Mitschülern macht. http://www.spiegel.de/schulspiegel/leben/0,1518,753859,00.html
"Es ist die Hochzeit der Intrigen und taktischer Lügen" - oh mein Gott, und so jemand hat es tatsächlich bis kurz vor die Abi-Prüfung geschafft. Mich würde nämlich mal interessieren, was die Taktik hinter dem Intrigieren und Lügen ist. Da wir in Deutschland ja Gott sei Dank keine Notengebung nach Rangfolge/Durchschnitt haben (die Besten x% erhalten eine eins, die zweit besten y% eine zwei usw. usf.), bringt so ein Kindergarten nämlich rein gar nichts (ergo ist da auch keine Taktik zu erkennen). Oder geht's rein um das Ego, á la "Ich muß erst später anfangen als Du"? Dann sollte man sich das mit dem Abi auch noch mal überlegen, denn wenn man kurz vor so einer Prüfung seine Energei mit so einem Mumpitz verschleudert (ganz zu schweigen davon, sich über den Mumpitz anderer Gedanken zu machen und dann auch noch hier darüber zu schreiben), dann ist eh Hopfen und Malz verloren. Woebi, der ist eh verloren, wenn man sein persönliches Lernverhalten nach anderen richtet, anstatt sein eigenes Ding durchzuziehen.
TheMexican 01.04.2011
Also ganz ehrlich: Wer wirklich denkt, dass alle die, die sagen sie lernen nicht/noch nicht die Wahrheit sagen muss auch ziemlich naiv sein. Meist kann man das doch relativ gut abschätzen und es gibt halt wirklich auch einige [...]
Also ganz ehrlich: Wer wirklich denkt, dass alle die, die sagen sie lernen nicht/noch nicht die Wahrheit sagen muss auch ziemlich naiv sein. Meist kann man das doch relativ gut abschätzen und es gibt halt wirklich auch einige Leute die kaum lernen, weil, wie es in dem Artikel auch so schön steht, das Leben bisher auch immer gut ausging und es eben auch kaum nötig ist. Dass man dann natürlich keine oder nur sehr schwer ne 1 vor dem Komma bekommt ist halt ne andere Sache, muss doch jeder selbst wissen. Bei mir gab es da keine Intrigen keine Psychospielchen oder sonstwas, ich wusste doch ganz genau von wem ich das "ich lerne nicht" ernstnehmen konnte. Abitur war natürlich aufregend und wichtig, zumindest bis zur 1. Prüfung, das wars aber auch.
Rotaermel 01.04.2011
Hat dieser selbstmitleidige Windbeutel jetzt sein Abitur hoffentlich bald geschafft..? Weil die Blogbeiträge werden mit jedem mal schlechter und klischeehafter. Dass es in der Schule Leute gibt, die sagen, sie würden nichts [...]
Hat dieser selbstmitleidige Windbeutel jetzt sein Abitur hoffentlich bald geschafft..? Weil die Blogbeiträge werden mit jedem mal schlechter und klischeehafter. Dass es in der Schule Leute gibt, die sagen, sie würden nichts lernen, aber doch heimliche Streber sind, ist ja wohl allgemein bekannt. Aber wie das Abitur und grade Mathe hochstilisiert wird, ist absolut lächerlich. Ich habe mein Abitur erst ein Jahr hinter mir und kann daher aus eigener Erfahrung sagen, dass gern ein bisschen viel Angst verbreitet wird. Das Abitur zu bestehen - sogar es GUT zu bestehen - ist nämlich keine mythische, unschaffbare Aufgabe, sondern verlangt nach einem guten Rezept. Und das sieht so aus: Man passe zwei Jahre lang in der Oberstufe auf, sodass man nicht zwei Jahre in zwei Monaten nachlernen muss, mache sich regelmäßig Notizen, kaufe sich zahlreiche Stark-Bücher, arbeite jene durch, bis man alle Prüfungstypen durchgespielt hat, mache sich nicht selbst unnötig verrückt - und heraus kommt ein wahrscheinlich ziemlich gutes Abitur. Das klingt langweilig und das ist es auch - zu langweilig für progressive, hippe SPON-Schulblogs.
kaigue 01.04.2011
Für jede Klausur an der Uni lerne ich mehr, als für alle Abitur Klausuren zusammen (Ausnahmen bestätigen die Regel ;) ). Klar, wenn man das Abi hat, ist das einfach zu sagen. Aber so ist es numal: Das Abitur ist ein Witz im [...]
Für jede Klausur an der Uni lerne ich mehr, als für alle Abitur Klausuren zusammen (Ausnahmen bestätigen die Regel ;) ). Klar, wenn man das Abi hat, ist das einfach zu sagen. Aber so ist es numal: Das Abitur ist ein Witz im Vergleich zur Uni. (Elektrotechnik) Und mittlerweile ist das Abi sowas von egal. Keinen interessiert mehr die Note. Man benötigt es halt um in die Uni rein zu kommen (und je nach Studiengang benötigt man auch eine gute Note). Aber sonst...
tim_van_beek 01.04.2011
Mich würde mehr interessieren, wie sich unsere Abiturienten die Zeit nach den Prüfungen vorstellen, und wie es ihnen dabei geht. In meinem Leben haben die Schulnoten übrigens keine Rolle gespielt: Physik hatte keinen numerus [...]
Mich würde mehr interessieren, wie sich unsere Abiturienten die Zeit nach den Prüfungen vorstellen, und wie es ihnen dabei geht. In meinem Leben haben die Schulnoten übrigens keine Rolle gespielt: Physik hatte keinen numerus clausus, im Physikstudium hat sich niemand für meine Abiturnote interessiert, und später im Job bin ich auch nie danach gefragt worden. Much ado about nothing, würde ich daher sagen.
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  • Freitag, 01.04.2011 – 09:03 Uhr
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Ricks Abi-Blog: Ein Ende als Anfang
Rick Noack
Da muss er jetzt durch: Rick Noack, 18, macht dieses Jahr sein Abi an einem Dresdner Gymnasium. Im SchulSPIEGEL schreibt er bis zum Sommer 2011 über die schönsten und stressigsten Momente:

Teil 1: Bekenntnisse einer Mathenull
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Briefwechsel

In der Schule fand Charlotte ihren Lehrer Herrn Bode ganz toll, doch als Studentin fühlt sie sich im Uni-Alltag überfordert - und wirft ihrem Ex-Lehrer in einem offenen Brief grobe Fehler vor.


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