Abitur versus Karneval: Die Jecken juckt das Lernen nicht

Abiturvorbereitung: Helau, Klausuren, helau! Fotos
DPA

Früher kamen Jan Felix Walther Abiturienten sehr erwachsen vor. Heute ist er selbst einer und fragt sich: Sind wir wirklich so unreif? Ein paar Tage vor den ersten Abi-Tests lernt er nicht, sondern tut, was ein Düsseldorfer eben tut: Er tanzt im Schweinekostüm durch die Altstadt.

Ich bin Düsseldorfer, trotzdem konnte ich noch vor einigen Jahren nicht viel mit Karneval anfangen. An Rosenmontag bin ich schon immer zum Umzug gegangen, aber nur um dort Süßigkeiten zu fangen. Ansonsten bedeuteten die Karnevalstage für mich einfach ein verlängertes Wochenende. Heute bin ich Fan.

In diesem Jahr kollidiert Karneval mit meinen Abiturvorbereitungen: Die ersten Vorabi-Klausuren schreiben wir an Aschermittwoch. Hier in Nordrhein-Westfalen lernen gleich zwei Jahrgänge für die Prüfungen: Einer macht das Abi nach 13, einer nach zwölf Jahren Schule. Wir sorgen uns derzeit nicht nur, ob unser Abi-Motto "Abipedia - Wir haben uns durchgegoogelt" oder doch lieber "Abilymp - Auch Götter müssen gehen" heißen soll, nein, wir fragen uns auch: Was kommt nach der Schule?

In NRW verlassen zwar doppelt so viele Abgänger das Gymnasium, aber trotzdem werden nicht mehr Studien- und Ausbildungsplätze oder Wohnungen frei. Uns allen ist also klar: Derzeit sollte die Schule definitiv im Vordergrund stehen. Soweit die Theorie.

11.11 Uhr, Karnevalsgetöse beendet den Unterricht

Doch Tradition ist Tradition, und am vergangenen Donnerstag war nun mal Altweiber. Jeder Rheinländer verkleidet sich an dem Tag und hört schlechte Musik, die trotzdem Spaß macht. Und Düsseldorfer gehen in die Altstadt.

Also trafen wir uns trotz Vorabi wieder vor dem Schultor, um vorzutrinken. Ich könnte jetzt zwar schreiben, wir hätten uns getroffen, um unsere Kostüme zu bestaunen. Aber das glaubt doch keiner. Auch wenn einige Kostüme es tatsächlich verdient hätten, bestaunt zu werden: Der eine ging als Hutmacher aus Alice im Wunderland, ein anderer als Pirat, zwei Freunde von mir kamen - trotz Kälte - mit Fortuna-Düsseldorf-Trikot und kurzer Hose in die Schule. Ich entschied mich für das Kostüm, das ich schon im letzten Jahr getragen habe, und ging als Schwein, das hält wenigstens warm.

Um 11.11 Uhr beendeten die ersten Karnevalsklassiker den Unterricht, die durch den Lautsprecher der Schule tönten. Einige Minuten liefen wir alle noch durch das Gebäude, dann gingen wir Richtung Ausgang, Richtung Altstadt, zu den Kneipen, Bars und Clubs.

Glasflaschen sind in der Altstadt verboten - zu viele Scherben auf dem Boden. Deswegen hielten mir permanent Freunde Plastikflaschen entgegen mit roten, gelben oder orangefarbenen - selbst abgefüllten - Getränken. Oft wusste ich erst nach einem Schluck, um was für eine Mischung es sich eigentlich handelt. Wer nicht aufpasst, den haut es schneller um, als er trinken kann.

Auch wenn sich keiner hemmungslos betrunken hat, benahmen wir uns alles in allem nicht sonderlich vernünftig. Zu Hause zu sitzen und für das Abitur zu lernen, wäre sicherlich klüger gewesen. Immerhin feierte ich in diesem Jahr aber nur an Altweiber, an Rosenmontag zogen die bunten Wagen ohne mich durch die Stadt.

In der fünften Klasse kamen mir die "Großen" immer sehr erwachsen vor und sehr vernünftig. Entweder ich habe damals ein falsches Bild von ihnen gehabt, oder wir sind wirklich weniger reif als die Abiturienten vor ein paar Jahren. Wobei wir bei all der Feierei zumindest im Prinzip nur den Rat unseres Lehrers befolgt haben. Er sagte uns nämlich vor den Ferien: Wir sollten ruhig mal an die Schule denken, aber es gäbe auch noch anderes im Leben als Lernen.

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Zur Person
  • Celine Stobutzki
    Jan Felix Walther, 19, geht in Düsseldorf auf's Gymnasium und gehört zu den Letzten seiner Art. Denn er wird im April nach 13 Schuljahren sein Abi schreiben - zusammen mit den Zwölftklässlern. Er spielt Gitarre, möchte nach der Schule Musikwissenschaften studieren und später als Musikjournalist arbeiten.

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