Kostenpflichtige Schultoilette: Bezirksregierung verbietet Klo-Gebühr

Pay-per-pee? Bezahlschranken für Vorzugsklos bleiben verboten Zur Großansicht
DPA

Pay-per-pee? Bezahlschranken für Vorzugsklos bleiben verboten

Zahlen fürs saubere Geschäft? Die Bezirksregierung Arnsberg untersagt einer Bochumer Schule, Geld für den Klobesuch auf Premiumtoiletten zu verlangen. In NRW gelte: Jeder Schüler muss uneingeschränkt müssen dürfen. Die Schule verteidigt ihr Bezahlmodell.

Bochum - Zum neuen Schuljahr im September sollte sich an der Maria-Sibylla-Merian-Gesamtschule in Bochum eine Kleinigkeit ändern. Schon länger betreibt die Schule zwei Arten von Klos: Die einen werden täglich gereinigt und haben schon einige Schülergenerationen gesehen. Die anderen sind brandneu und werden mehrmals täglich von einer ständig anwesenden Putzkraft geputzt.

Der neue Plan: Für zehn Euro im halben Jahr sollten die Schüler die schmucken Premium-Toiletten benutzen dürfen. Wer keine zehn Euro für die Klo-Flatrate bezahlen will oder kann, muss auf die unsanierten Toiletten gehen.

Dieser Plan machte die Bezirksregierung Arnsberg aufmerksam, die dem gesamte Bezahlmodell für die Sanitäreinrichtungen am Dienstag einen Riegel vorschob. "Es ist nicht zulässig, dass die Premiumtoiletten nur einem Teil der Schüler zugänglich sind, auch, wenn normale Klos daneben stehen", sagt der Sprecher der Bezirksregierung Christian Chmel-Menges.

Schule verteidigt ihr Pay-per-pee-Modell

Im vergangenen Schuljahr war es den Schülern der Merian-Schule möglich, zehn Cent pro Klobesuch für die häufiger gereinigten Toiletten zu zahlen. Ein Service, den nach Schulangaben knapp die Hälfte der Schüler gerne nutzte. Schulleiter Martin Breuer sieht sein Bezahlmodell deshalb als Erfolg und versteht die Aufregung der Bezirksregierung nicht: "Wir haben dieses Procedere einstimmig mit Eltern, Schülervertretern und Lehrern beschlossen - keiner sprach von einer Zweiklassengesellschaft." Der Beitrag sei nötig, um die Putzkraft zu bezahlen, die hinter jedem Toilettengänger sauber mache.

Auch Breuers Stellvertreter Ulrich Sauter verteidigt die Pay-per-pee-Idee: Er sagte dem Nachrichtenportal "Der Westen", die Merian-Gesamtschule werde "zum Sündenbock für 20 Schulen" gemacht, in denen das gleiche Modell existiere.

Der Klo-Streit zwischen Verwaltung und Schulen schwelt in Nordrhein-Westfalen schon seit 2009. Damals hatte eine Gesamtschule in Solingen ein ähnliches Bezahlmodell angeboten, wie jetzt die Bochumer Gesamtschule. Dazu gab das Schulministerium Nordrhein-Westfalen einen unmissverständlichen Erlass heraus (Hier vollständige Datei als PDF), der klarstellte: Sowohl kostenpflichtige Klos, als auch "Premium-Toiletten", bei denen neben betreuten gebührenpflichtigen WCs weitere kostenfreie zur Verfügung stehen, sind untersagt. Über einen Förderverein oder Sponsoren wäre es allerdings rechtens, ein ordentliches Klo zu finanzieren, so das Ministerium weiter.

Schulleiter: Förderverein hat ganzes Geld für Klos aufgebraucht

"Der Förderverein unserer Schule hat bereits sein ganzes Geld in das Gehalt der Reinigungskraft gesteckt. Mehr kann er nicht stemmen", entgegnet Breuer. Am kommenden Montag soll mit den Eltern eine "erlasskonforme" Lösung gefunden werden. Wie die aussehen könnte, weiß Breuer noch nicht.

Die Aufregung um die Merian-Schule hat dem Thema wieder neue Brisanz verliehen. Zum Schuljahresbeginn wird im Arnsberger Regierungsbezirk noch einmal jeder Schule ein schriftlicher Hinweis zugestellt, der an den Ministeriumserlass von 2009 erinnert. Immer wieder kommen Schulen auf die Idee, eine Pinkel-Gebühr von ihren Schülern zu fordern, unter anderem in Südbaden und Bielefeld.


DPA

Deutschland sucht das Superklo

Schultoiletten sind teilweise in verheerendem Zustand. Das Projekt "Toiletten machen Schule" hat deswegen 2013 das Superklo gesucht. Es gewann die Toilette, die am katastrophalsten aussah. Als Preis gab es die komplette Sanierung einer Jungen-und Mädchentoilette zu gewinnen. mehr...

tim

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks teilen

  • Xing
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Digg
  • reddit
insgesamt 44 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. aha die Bezirksregierung sagt NEIN
frontmann22 29.08.2013
hat sie denn auch eine Lösung der Probleme ? Und wenn ... dann doch auch bloss wieder über Steuerhöhungen oder Gebühren.
2. absurd
buntesmeinung 29.08.2013
Mein Schulbesuch liegt bereits Jahrzehnte hinter mir. Es gab aber außer einem sporadisch fälligen Reparaturbedarf (normale Probleme) niemals ein Problem mit schmutzigen Toiletten. Es sollte doch auch der heutigen Schülergeneration nahe zu bringen sein, dass jeder die Toilette in einem ordentlichen Zustand wieder hinterlässt. Gebühren für eine Toilette an öffentlichen Schulen zahlen zu lassen, ist wirklich der Gipfel. Da ist es mir auch wurscht, ob Lehrer, Eltern und Schüler sich auf ein solches Modell geeinigt haben. Reinigungskräfte müssen vom Träger finanziert werden. Bei uns hat damals die tägliche Reinigung durch die noch von der Schule angestellten Putzfrauen durchaus genügt. Auch bei grassierenden Darmerkrankungen gab es aufgrund adäquater Hygienehinweise und entsprechenden Schülerverhaltens nie Probleme. Ich verstehe nicht, dass diese Dinge heute nicht mehr funktionieren. Demnächst also auch noch Zwei-Klassen-Toiletten! Pfui Deibel!
3.
marthaimschnee 29.08.2013
Das ist eine überaus nützliche Idee. So kann man bereits den Kleinsten unmißverständlich klar machen, daß man sich von allen Problemen ganz einfach freikaufen kann und einfach nur genug Geld braucht, dessen Erwerb dann logischerweise Top-Priorität genießen muß und keinesfalls durch Regeln oder gar moralische Zweifel beschränkt werden darf.
4. Das übliche:
OskarVernon 29.08.2013
Zitat von sysopJeder Schüler muss uneingeschränkt müssen dürfen. Bezirksregierung verbietet Bezahlklos an Schule in Nordrhein-Westfalen - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/schulspiegel/leben/bezirksregierung-verbietet-bezahlklos-an-schule-in-nordrhein-westfahlen-a-919241.html)
Gleichmacherei auf niedrigstem, hier also buchstäblich beschixxenstem Niveau - wo auch sonst...? :-(
5. Was denn??
spon-facebook-10000024664 29.08.2013
Ihr wolltet doch die ultimative Marktwirtschaft, bei der man mit allem Geld machen kann?! Bitte da habt ihr, nu heult auch nicht rum! :( Ich frag mich wann der Sauerstoff als Wirtschaftsgüter entdeckt wird. xD
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik SchulSPIEGEL
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Leben U21
RSS
alles zum Thema Schulen
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Versenden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 44 Kommentare
Fotostrecke
Obolus für Luxus-Lokus: Wer muss, muss zahlen

Fotostrecke
Toiletten-Graffiti: Sätze, die die Welt nicht braucht
PDF-Download
PDF aufrufen... Landesregierung Nordrhein-Westfahlen untersagt Bezahl-Klos - PDF-Größe 22 KByte

Bei Anzeigeproblemen rufen Sie das PDF-Dokument nicht direkt auf, sondern sichern Sie es zunächst auf Ihrem Rechner. Benutzen Sie hierzu die Mausfunktionen.



Social Networks

Entdecken Sie außerdem SchulSPIEGEL auf...