Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

BVB-Meisterfeier in Grundschule: Nachtreten in der Nachspielzeit

Von Felix Meininghaus

Dortmund versank im Freudentaumel, doch einem Mann passte der schwarz-gelbe Meisterjubel nicht. Weil eine Grundschullehrerin nach dem Titelgewinn eine Schulstunde für eine Meisterparty verschob, schaltete er die Behörden ein. Empfehlung vom Amt: Meisterfeiern sollte es öfter geben.

Feiernde Dortmunder Kinder: Ein Fall fürs Schulamt? Fotos
Andreas Weissenseel

"Ich war wirklich total überrascht", so etwas habe sie in ihrer Laufbahn noch nicht erlebt, sagt die Grundschuldirektorin Christiane Mika, 49. "Ich wusste am Anfang gar nicht, was ich davon halten soll." Die Schulaufsicht Dortmund bat um eine Stellungnahme, in der Behörde war eine Beschwerde eingegangen, es bestehe Klärungsbedarf. Der Vorfall, um den es sich handelt, liegt gute drei Wochen zurück. Zu dem Zeitpunkt also, als ganz Dortmund in seligem Taumel in schwarz-gelb versank, weil die junge Mannschaft von Borussia Dortmund die Deutsche Fußballmeisterschaft gewonnen hatte.

Unter den Dortmunder Partygästen in der Innenstadt war am Meister-Wochenende auch Petra Meschke. Die Lehrerin erzählte SPIEGEL ONLINE damals, dass sie mit ihren Kindern der Libellen-Grundschule im Stadtteil Deusen eine eigene kleine Meisterfeier plane. Montags, zum verspäteten Unterrichtsbeginn um zehn Uhr, sollten alle Kinder doch bitteschön in schwarz-gelb auflaufen, um gemeinsam zu singen und zu spielen.

Eine launige Anekdote eigentlich, die zeigt, wie ekstatisch die Dortmunder feierten und welch große Freude die ganze Revierstadt ergriffen hatte. Doch dann gab es eine kuriose Wendung, bei der beinahe alle Beteiligten ungläubig staunten und die Köpfe schüttelten.

Beschwerde eines nicht näher identifizierten Nordrhein-Westfalen

Ein nicht näher identifizierter Nordrhein-Westfale wandte sich an das Ministerium für Schule und Weiterbildung des Bundeslandes in Düsseldorf, mit einer Frage zum Unterrichtsbeginn an der Dortmunder Libellen-Grundschule: Wie es denn angehen kann, dass eine Landesbeamte den Dienstbeginn für sich selbst und die ihr Anvertrauten um zwei Stunden nach hinten verlegt? Und ob es opportun sei, eigenmächtig eine Schuluniformierung einzuführen?

Im Ministerium werden sie regelmäßig mit solchen oder ähnlichen Absurditäten konfrontiert. Doch da die Vorschriften vorsehen, dass solchen offiziellen Nachfragen nachgegangen werden muss, setzte sich die behördliche Maschinerie in Gang: Das Papier wurde an die Bezirksregierung in Arnsberg weitergereicht und ging dann an die Schulaufsicht in Dortmund, die Rektorin Christiane Mika um eine Stellungnahme bat. Die sah sich unvermittelt verpflichtet, eine Aktion zu rechtfertigen, "von der unsere Kinder und deren Eltern total begeistert waren", sagt die Schulleiterin.

Unterricht sei für die organisierten Fußballfreude nicht ausgefallen. Es habe sich lediglich um eine Stundenverschiebung gehandelt, der ausgefallene Unterricht sei nachgeholt worden. "Wir haben das vor allem deshalb gemacht, weil wir davon ausgegangen sind, dass die Kinder angesichts all der Feierlichkeiten alle später ins Bett kommen." Zudem sei die Annahme, "wir würden Kindern den Zutritt zu unserer Schule verweigern, wenn sie nicht richtig gekleidet sind, natürlich völliger Blödsinn."

"Alle waren in schwarz-gelb, auch unsere Lehrer"

Der Vormittagsunterricht sei außerdem pädagogisch wertvoll gewesen. Kinder und Lehrer hätten eine WDR-Dokumentation über die Geschichte von Borussia Dortmund angesehen, gesungen und anschließend Fußball gespielt. "Ich kann doch nicht angesichts einer Stadt im Ausnahmezustand zu den Kindern sagen, 'So, das Mathebuch auf Seite 28 aufschlagen, Test'", sagt Lehrerin Petra Meschke. Das wäre "an der Realität vorbeigegangen".

Die Erfahrungsberichte zur Grundschulmeisterfeier, die die Kinder geschrieben und auf ein Poster geklebt haben, geben ihr recht. Ein Mädchen schrieb dort: "Wir haben gesungen und getanzt, alle waren in schwarz-gelb, auch unsere Lehrer. Es war der schönste Tag in meinem Leben."

Der Eingabe des besorgten Bürgers werden keine Konsequenzen folgen. Bernhard Nolte, Leiter des Dortmunder Schulamts und damit zuständig auch für die Unterrichtszeiten an der Libellen-Grundschule, sagte SPIEGEL ONLINE: "Die Schulleiterin ist verantwortlich für den Erziehungs- und Bildungsauftrag einer Schule. Wenn Kinder aus 25 Nationen zusammen feiern und sich mit ihrer Heimatstadt identifizieren, ist das eine tolle Sache." Es werde mit Sicherheit keine Sanktionen geben, sondern, wenn überhaupt, eher eine Ermunterung, solche Anlässe für das gemeinsame Schulleben zu nutzen.

Reservierter reagierte hingegen das Schulministerium in Düsseldorf. Es gelte "der Grundsatz der verlässlichen Schule", Eltern müssten sich darauf verlassen können, dass ein Kind nicht vor verschlossenen Türen steht. Zum konkreten Fall der kleinen Dortmunder Meisterfeier in der Grundschule wollte der Düsseldorfer Ministeriumssprecher aber nichts sagen.

Direktorin Mika jedenfalls wünscht sich Nachahmer der Schulmeisterfeier von Anfang Mai. Die Pädagogin rät jedem Schuldirektor in der Meisterstadt, 2012 ebenfalls ein Fußballfest zu feiern. Und wenn es dem Nachbarn aus Gelsenkirchen, dem FC Schalke 04, tatsächlich eines Tages gelänge, die Schale zu holen, dürften sie sich gern in Dortmund Nachhilfe holen - "Wir wissen ja jetzt, wie es geht."

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 55 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. gegen Titel
Ps.: 08.06.2011
Ach ja, die Schalker... Lustiges Völkchen Oder typisch Deutsch...
2. Behörden schauen in die falsche Richtung
nuuya 08.06.2011
Zitat von sysopDortmund versank im Freudentaumel, doch einem Mann passte der schwarz-gelbe Meisterjubel nicht. Weil eine Grundschullehrerin nach dem Titelgewinn eine Schulstunde für eine Meisterparty verschob, schaltete er die Behörden ein. Empfehlung vom Amt: Meisterfeiern sollte es öfter geben. http://www.spiegel.de/schulspiegel/leben/0,1518,766534,00.html
*Ironiemodus an* Sicher hat er zuhause gesessen und geweint, weil man ihn nicht eingeladen hatte. Der arme... Und wenn man al erwachsener Mann mit den Kleinen nicht (mit)spielen darf, ist das schon ärgerlich !!! *Ironiemodus aus* Vielleicht sollten sich die Behörden mal um IHN kümmern...
3. Mal ehrlich...
Saïph 08.06.2011
... wir reden hier von einer Feier für Grundschulkinder, da sollte man die Kirche mal im Dorf lassen. Vermutlich war es ein Rentner mit zu viel Freizeit oder ein Elternteil der "Meine Kinder müssen in der Grundschule schon zwei Sprachen sprechen"-Fraktion; um jetzt mal ein paar Stereotype zu streuen. ;)
4. weiter so
arborea 08.06.2011
Zitat von sysopDortmund versank im Freudentaumel, doch einem Mann passte der schwarz-gelbe Meisterjubel nicht. Weil eine Grundschullehrerin nach dem Titelgewinn eine Schulstunde für eine Meisterparty verschob, schaltete er die Behörden ein. Empfehlung vom Amt: Meisterfeiern sollte es öfter geben. http://www.spiegel.de/schulspiegel/leben/0,1518,766534,00.html
Lehrer dieses Schlages braucht das Land! Die etwas dröge und eher reservierte Stellungnahme des von den Grünen verwalteten Ministeriums für Schule und Weiterbildung ist verständlich. Mit schwarz/gelb haben die halt so ihre Schwierigkeiten. ;-)
5. mal wieder die Schalke Fans
Rabies 08.06.2011
das kann nur ein Blau-weisser gewesen sein!
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Fotostrecke
Pokal-Duell auf Schalke: Draxler und sein Schuss ins Glück

Fotostrecke
Trick'em like Munz: Fußballschule des lässigen Übertölpelns

Social Networks