Junger Blattmacher: Die Zeitung, das bin ich

Er schreibt über den Irak-Krieg und die Euro-Krise, er unterhält einen eigenen YouTube-Kanal und kommentiert in Talkshows das Weltgeschehen: David Kubach ist Chefredakteur der "World Times" - und mit zwölf Jahren Deutschlands wohl jüngster Chefredakteur.

Schüler David Kubach: Deutschlands jüngster Chefredakteur Fotos
SPIEGEL ONLINE

SPIEGEL ONLINE: Achtjährige Jungen spielen Fußball, Computer oder klettern auf Bäume. Du hast damals, also vor vier Jahren, eine Zeitung gegründet - wie sah die aus?

David: Das war damals noch sehr unprofessionell. Sie hieß "Haus Stimme", erschien wöchentlich und war nur für meine Eltern. Ich habe Familiennachrichten da rein gekritzelt, und wenn sie bunt sein sollte, habe ich sie mit Wasserfarbe angemalt.

SPIEGEL ONLINE: Später hast du expandiert.

David: Später habe ich die "Haus Stimme" auch in der Nachbarschaft verteilt. Auf einer Seite stand beispielsweise handschriftlich: "Im Irak gab es einen Anschlag mit 30 Toten." Das war die ganze Nachricht. Vor eineinhalb Jahren habe ich die "Haus Stimme" in "World Times" umbenannt, weil der Name uncool war.

SPIEGEL ONLINE: Du hättest damals auch einfach bei der Schülerzeitung mitmachen können.

David: Ich war ja noch in der Grundschule, da gab es keine. Jetzt, auf dem Gymnasium, schreibe ich auch für die Schülerzeitung.

SPIEGEL ONLINE: Inzwischen hat dich Jan-Eric Peters, der Chefredakteur der "Welt", in seine Redaktion eingeladen, nachdem du ihm deine Zeitung geschickt hattest, du warst eine Woche beim "Dein SPIEGEL", bei Johannes B. Kerner, und Leser schreiben auf deiner Seite: "Vielleicht klappt es sogar mit dem Pulitzerpreis" - wie fühlt sich das an?

David: Den kenne ich nicht, der das geschrieben hat. Das ist schon toll.

SPIEGEL ONLINE: Ansonsten kennst du deine Leser?

David: Ja, die meisten schon. Ich habe noch nicht so eine Riesenleserschaft. Meine Zeitung drucke ich 30-mal, viele Artikel veröffentliche ich auch auf meiner Homepage, und ich habe noch einen YouTube-Kanal für meine Sendung "World Times-TV" .

SPIEGEL ONLINE: Wie oft erscheint die Zeitung?

David: Meistens einmal im Monat. Wenn ich viel Stress in der Schule habe, seltener, dafür in den Sommerferien auch mal alle zwei Wochen.

SPIEGEL ONLINE: Damit besserst du dein Taschengeld auf?

David: Nein, ich verdiene daran nichts. Im Wohngebiet verteile ich die Zeitung kostenlos, nur Abonnenten müssen zahlen. Ich drucke die Zeitung zu Hause und finanziere mich durch Werbung,...

SPIEGEL ONLINE: ...um die du dich auch selbst kümmerst.

David: Genau, mein erster richtiger Anzeigenkunde war meine Nachbarin. Fünf Euro hat sie bezahlt.

SPIEGEL ONLINE: Du hast auf deiner Homepage zuletzt über Günter Grass' Gedicht "Was gesagt werden muss" geschrieben und über das Betreuungsgeld. Nicht gerade typische Themen für einen Zwölfjährigen.

David: Ich schreibe auch über andere Dinge, über das "Tarzan"-Musical in Hamburg beispielsweise. Aber ich finde es gut, mal über das Betreuungsgeld zu schreiben. In der Nachrichtenwelt passiert jeden Tag was Neues, eigentlich kann einem da nie langweilig werden.

SPIEGEL ONLINE: Deine Mitschüler interessiert das wahrscheinlich nicht so sehr.

David: Nur mit einem Klassenkameraden rede ich manchmal auf dem Schulweg über solche Themen. Meinen Mitschülern hatte ich von der Zeitung auch nichts erzählt, ich möchte dort nicht so eine Monsteraufmerksamkeit haben. Erst als ich bei Kerner war, ließ sich das nicht mehr vermeiden.

SPIEGEL ONLINE: Hat von denen mal jemand gefragt, ob er mitmachen kann?

David: Nein, bisher nicht. Ich mache alles allein: Ich stelle die Zeitung zu, layoute, schreibe. Themen bespreche ich manchmal mit meinem Vater, und meine Mutter liest Korrektur. Es wäre ein bisschen peinlich, wenn viele Rechtschreibfehler in der Zeitung wären.

SPIEGEL ONLINE: Willst du später auch im Journalismus arbeiten?

David: Auf jeden Fall. Wenn nicht als Journalist, dann vielleicht als Layouter.

SPIEGEL ONLINE: Hast du denn Vorbilder?

David: Ich fände es toll, wie beispielsweise Jan-Eric Peters, Mathias Müller von Blumencron oder wie Georg Mascolo in der Chefredaktion zu sitzen und große Redaktionen zu leiten.

Das Interview führte Frauke Lüpke-Narberhaus

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Zur Person
David Kubach, 12, hat vor rund vier Jahren seine erste Zeitung gegründet. Damals schrieb er nur für seine Eltern, inzwischen lesen seine "World Times" auch Menschen in Berlin. Er kommt aus dem baden-württembergischen Bad Rappenau und besucht die sechste Klasse im Gymnasium.
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