Florian David Fitz als Lehrer: Mädchenschwarm in der Mädchenschule

Kreischen und kichern in der katholischen Mädchenschule: Florian David Fitz wagt sich für das Jugendmagazin "Spiesser" als Vertretungslehrer in eine Religionsstunde und diskutiert mit 26 Zehntklässlerinnen über Gott und den Glauben - ist der Schauspieler von allen guten Geistern verlassen?

Vertretungsstunde: "Was glaubt ihr eigentlich?" Fotos
Johannes Mairhofer

Kreisch! Kein Durchkommen für Mädchenmagnet Florian David Fitz: Im Münchner Edith-Stein-Gymnasium herrscht Ausnahmezustand. Erstmals bei einer Vertretungsstunde müssen wir SPIESSER-Mitarbeiter als Bodyguards aushelfen. Mit aller Kraft und Fotolächeln schafft Florian es noch fast pünktlich zu seinen Zehnern.

Florian: Hallo, ich bin der Florian. Wir fragen uns heute, woran wir eigentlich glauben.

Große Freude über den Leckerbissen hinter dem Lehrerpult. Um die Herzfrequenz bei allen Mädchen erst einmal auf Normalniveau zurückzuschrauben, absolviert Florian einen Händeschüttel-Marathon durch die Sitzreihen.

Florian: Seid ihr alle katholisch?

Lea: Nein, man wird hier auch aufgenommen, wenn man nichts ist. Also, wenn man auf dem Papier keinem Glauben angehört.

Florian: Wie viele sind das in eurem Kurs?

Tina meldet sich.

Florian: Oh. Eine nur. Halte durch!

Die Mädchen kichern.

Florian: Ich bin auch katholisch aufgewachsen, bin ja auch Bayer, hatte aber immer ein Problem damit, das zu glauben, was im Gottesdienst erzählt wurde. Wie geht euch das?

Lea: Ich würde Glauben und Kirche in dem Fall trennen. Für mich gibt es keinen Gottesdienst, der wirklich das ausspricht, was ich denke. Aber ich glaube, dass eine höhere Macht existiert, die uns von oben beschützt.

Florian zieht skeptisch seine Augenbraue hoch. Die erste Reihe schmilzt vor Bewunderung.

Sophia: Ich wurde nicht allzu religiös erzogen, denke aber viel darüber nach, ob es einen Gott gibt. Mir fällt es schwer, etwas zu glauben und das auch festzulegen, wie es im Gottesdienst getan wird. Schließlich weiß ich ja nicht, ob es stimmt.

Florian: Sonst würde es ja auch "wissen" und nicht "glauben" heißen...

So ein schlauer Mann, dieser Florian.

Florian: Könnt ihr euch denn komplett mit dem Glaubensbekenntnis anfreunden? Betet ihr das einfach runter, oder meint ihr das auch?

Graciella: Bei ein paar Sachen denke ich, dass ich das so nicht mit mir vereinbaren kann. Da heißt es, ich glaube an die heilige katholische Kirche und so ist es bei mir aber nicht.

Florian: So ging es mir auch. Dann hab ich den Satz weggelassen und den nächsten auch...

Miriam: Aber ich denke, viel ist in der Kirche nicht wörtlich gemeint, sondern eher bildlich. Ob das auch die spanische Malerin dachte, die vor Kurzem ein Jesus-Gemälde zum Monchichi-Porträt umgestaltet hat?

Florian: Warum glauben wir eigentlich?

Eva: Früher vor allem, um zu erklären, warum die Welt so ist, wie sie ist. Zum Beispiel um ein böses Unwetter zu begründen.

Sophia: Genau. Glaube kommt vom Unwissen über Naturwissenschaften.

Florian: Obwohl wir heute so viel über das Universum wissen, wissen wir eigentlich trotzdem nichts.

Uff. In "Doctor's Diary" waren die Dialoge mit Florian Sahneschnitte Fitz irgendwie nicht so tiefgründig.

Anika: Wissenschaft und Glauben sollten nicht verbunden werden. Liebe kann zum Beispiel nicht wissenschaftlich erklärt werden: Warum liebe ich den einen jetzt ganz doll und den anderen nicht?

Sophia: Es gibt andere wichtige Werte in der Religion. Wie lebe ich, was habe ich für eine Ethik? Da finde ich es unsinnig zu sagen, Gott hätte in sieben Tagen die Welt erschaffen. Es ist bewiesen, dass es nicht so war. Also sollte man sich nicht daran festklammern.

Gott sei Dank: Von der anfänglichen Schüchternheit ist bei den Mädchen zum Ende der Stunde nichts mehr zu spüren. Zeit für eine Abschlussfrage.

Lea: Was glauben Sie eigentlich?

Florian: Früher habe ich versucht, das zu glauben, was in der Bibel steht. Mittlerweile glaube ich aber viel größer, ohne das zu limitieren. Daran, dass wir alle miteinander auskommen sollen. Das wäre was.

Die Schülerinnen sind sehr gut mit ihrem Vertretungslehrer ausgekommen. Doch der muss zu seinem nächsten Termin. Ein Gewusel von Schülerinnen verschluckt ihn auf dem Weg nach draußen.


Von Milena Zwerenz für das Jugendmagazin "Spiesser"

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insgesamt 9 Beiträge
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1. Tja, die Mädels...
BettyB. 02.01.2013
Alles wäre klar, wenn da nicht die Geistlichen wären, die in ihren Comedy-Stunden Unsinn verbreiten würden, den die Mädels wahrscheinlich wenig belustigt über sich ergehen lassen...
2. Ein sehr guter Artikel
rbn 02.01.2013
und der Autorin herzlichen Dank. Da Glaubensdinge nicht jedem verständlich sind, bin ich gespannt, von wem und mit welcher Polemik er wieder madig gemacht wird.
3. Schuster bleib bei deinen Leisten...
Stark Maier 02.01.2013
Einer der einene Seidenschaal als Mann trägt redet mit 16-17 Jährigen deren einzige Lebenserfahrung darin besteht, die Songs von Lady Gaga auswendig zu kennen über Gott. Das ist so, als würde sich Sido mit Bushido zusammensetzen und über die technischen Details der nächsten Marssonde reden.
4.
HWGerlacher 02.01.2013
Zitat von rbnund der Autorin herzlichen Dank. Da Glaubensdinge nicht jedem verständlich sind, bin ich gespannt, von wem und mit welcher Polemik er wieder madig gemacht wird.
Hat nicht lange gedauert ;)
5. Augustinus...im 21. Jahrhundert
Emil Peisker 02.01.2013
Zitat von HWGerlacherHat nicht lange gedauert ;)
Einer der größten Kirchenväter, der Heilige Augustinus, war erst gegen die die katholische Lehre, weil er die Geschichten der Bibel als plumpe Bilder ansah, die auf dem Niveau der Ungebildeten angesiedelt waren. Als er allerdings den Bischof Ambrosius kennenlernte, und dieser ihm empfahl die Evangelien allegorisch zu betrachten, erkannte er die Message. Das geschah 387 nach Christus in Mailand. Aber leider hat sich die Kirche diese Denkweise nicht völlig zu eigen gemacht. Die Jesuiten, die diese Betrachtungsweise, des nicht wörtlich nehmens, ebenfalls übernahmen, hatten daher selbst innerhalb der Kirche ihre Probleme. Heute unterstützen die aufgeklärten Kleriker den Urknall und sehen Adam und Eva und die Genesis als eine Allegorie. Aber tatsächlich findet man unter den Kardinälen immer noch genügend, die das Wortwörtliche der Bibel bevorzugen. Damit stehen sie auf dem gleichen Niveau wie die fundamentalen, reformierten Sekten in den USA und weltweit. Ob Augustinus sich im 21. Jahrhundert besser durchsetzt als bisher, wage ich noch zu bezweifeln.
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Zur Person
  • Johannes Mairhofer
    Florian David Fitz, 38, ist Schauspieler, Drehbuchautor und Regisseur. In "Männerherzen" hat er Frauenherzen erobert, in "Vincent will meer" die Hauptfigur gespielt und das Skript geschrieben. Dafür bekam er 2011 den Deutschen Filmpreis.
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