Mein erstes Mal: Katharina, 17, jagt Rennwagen über die Piste

Andere machen nach der Schule Sport oder Musik, Katharina Löffler baut Rennautos. Damit ist ihr Team so erfolgreich, dass die 17-Jährige und ihre drei Hamburger Mitschüler bei der WM in Abu Dhabi starten durften - mit Wagen, die nicht einmal so lang sind wie ein Unterarm.

Autorennen in der Schule: In 1,083 Sekunden ins Ziel Fotos
AERO GP

"Unser Rekord liegt bei 1,083 Sekunden. So schnell schoss unser Formel-1-Auto bei der Weltmeisterschaft in Abu Dhabi über die Rennstrecke. Kein Wagen, der dort antrat, war schneller als eine Sekunde. Die Bahn ist 20 Meter lang, und die Autos sind nicht einmal so lang wie ein Unterarm. Sie sind an eine Gaspatrone angedockt, und wenn man auf den Startknopf drückt, wird die Patrone angepikst und der Druck feuert das Auto ins Ziel. Das geht so schnell, dass man es kaum sieht. Da geht es um Hundertstel Sekunden!

Wir haben unser Auto für den Wettbewerb "Formel 1 in der Schule" entwickelt, drei meiner Mitschüler und ich, unser Team heißt AERO GP. Das Auto muss aus einem Stück leichtem Balsaholz gefräst werden, so lautet die Regeln. Doch welche Räder, Spoiler und Achsen man verwendet, ist den Teams selbst überlassen. Einen Monat lang haben wir unseren Wagen am Computer konzipiert, dann zwei Tage programmiert und gefräst und ihn eine Woche lackieren lassen.

Es kommt dabei auf Kleinigkeiten an. Wir haben uns für Kugellager aus Titan und Achsen aus Silberstahl entschieden und den Wagen ein Stück hochgesetzt, um mehr Luft unter ihm hindurchzuleiten. Dann wird das Auto nicht so sehr auf die Bahn gepresst und fährt schneller. Das geht, weil unsere Autos nur geradeaus fahren. Die echten Formel-1-Piloten brauchen den Anpressdruck, damit sie in der Kurve nicht aus der Bahn fliegen. Zur Sicherheit haben wir unten an unserem Auto Ösen befestigt und entlang der Rennstrecke zwei Nylonschnüre gespannt, durch die das Auto lief - damit es nicht abhebt.

Wir haben uns Sponsoren und Unterstützer gesucht, das gehört zum Wettbewerb dazu. An der Technischen Universität Hamburg-Harburg durften wir fräsen, eine Hamburger Spezialfirma hat unser Auto lackiert, eine andere Firma hat die Logos draufgebrusht, und eine weitere die Räder für uns gefertigt. An der Schule haben wir eine eigene Rennstrecke, wo wir verschiedene Spoiler und Räder testen konnten.

Ich mache seit der neunten Klasse mit, mein Mathe- und Physiklehrer hat mich darauf gebracht. In den ersten zwei Jahren war ich Konstrukteurin und habe Aerodynamik, Widerstand und Reibung berechnet. In dieser Saison war ich für die Fertigung zuständig, ich habe die Materialien beschafft. Wir durften Ende Oktober zur WM, weil wir im Mai die Deutsche Meisterschaft in Stuttgart gewonnen hatten. In Abu Dhabi traten 33 Teams aus der ganzen Welt gegeneinander an, dort waren Schüler aus Mexiko, Jordanien, Südafrika, Malaysia.

0,2 Millimeter zu wenig Bodenfreiheit

Von Montag bis Mittwoch waren die Rennen. Es ging dabei nicht nur um die Geschwindigkeit des Autos, auch die Reaktionszeit zählte. Vor dem Start leuchteten nacheinander fünf Lampen auf, und wenn sie ausgingen, musste einer aus dem Team den Startknopf drücken. Das übernahm unser Konstrukteur Kaiwash, der hat die beste Reaktionszeit, wir haben das vorher getestet.

Außerdem bewertete die Jury das Design, das Portfolio und eine mündliche Präsentation über den Wagen. Wir wurden Sechste, gingen also leer aus, aber wir bekamen zwei Sonderpreise fürs beste Portfolio und für die beste Team Identity. Das war echt ein Erfolg, denn in das Portfolio haben wir fünf Wochen Arbeit gesteckt, darin steht alles über das Auto.

Wir wären vielleicht in der Gesamtwertung Zweite geworden, wenn wir bei der Bodenfreiheit nicht 0,2 Millimeter von den vorgegebenen Maßen abgewichen wären und den Spoiler bei der Montage nicht etwas zu tief reingesteckt hätten. Dafür hat uns die Jury Punkte abgezogen.

Das schnellste Auto hatten die Australier, 1,045 Sekunden, sie holten auch den Gesamtsieg. Allerdings hat sie ein erwachsener Ingenieur begleitet, und es sah so aus, als hätte er ihnen sehr geholfen. Unser Lehrer war auch dabei, aber er wusste nicht mal, was der Unterboden bewirkt. Die Sieger bekommen ein Stipendium, um an der City University in London Automotive and Motorsport Engineering zu studieren. Ich möchte lieber etwas im Bereich erneuerbare Energien machen, das ist besser fürs Klima als die Formel 1."

Die "F1 in Schools World Finals" fanden vom 29. bis 31. Oktober in Abu Dhabi statt.

son

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik SchulSPIEGEL
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Leben U21
RSS
alles zum Thema Mein erstes Mal
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
Fotostrecke
Mein erstes Mal: Premieren, die den Puls hochjagen

Fotostrecke
Rennfahrer Vettel: "Dann hat es gekracht"


Social Networks