Von Lea Deuber
Meine Oma denkt, ich mähe hier den Rasen. In einer KZ-Gedenkstätte arbeiten, darunter kann sie sich nichts vorstellen. Aber sie ist sicher, dass es schrecklich sein muss. Auch manche Freunde waren schockiert, als ich ihnen von meiner FSJ-Stelle erzählt habe. Eigentlich sollte es ja "Work and Travel" in Australien werden, das hat aber nicht funktioniert.
So bin ich für mein FSJ nach Dachau gekommen (mehr zum KZ Dachau auf Wikipedia hier). Schrecklich ist es hier nicht. Unser Büro sieht aus wie jedes andere. Nur die Geschichtsbücher im Regal erinnern an unsere Arbeit.
Bei meinen Führungen versuche ich, möglichst sachlich zu bleiben. Was bringt es, zehn Bilder mit verhungernden Kindern zu zeigen? Die Fakten sind schockierend genug. Manchmal brauche ich auch Abstand davon. Ein Ort, der ruhiger ist und an dem ich nachdenken kann, ist der Gedenkort "Hebertshausen". Das ist ein ehemaliger SS-Schießplatz auf dem Gemeindegebiet von Dachau. Er liegt etwas außerhalb der Gedenkstätte, darum sind dort nicht so viele Besucher. Dort erschossen die Nazis über 4000 sowjetische Kriegsgefangene.
Wir haben eine Kollektivverantwortung
Dachau ist auch eine Touristenattraktion, es wird sehr viel fotografiert. Der Andrang ist aber auch ein positives Zeichen. Es gibt also ein Bewusstsein für die deutsche Geschichte. Und das zeigt auch, wie wichtig unsere Arbeit ist. Deshalb verstehe ich nicht, wieso FSJler nur 300 Euro monatlich und Wohngeld bekommen, das Geld reicht hinten und vorne nicht. Meine Eltern müssen mich unterstützen.
Was damals geschah, ist nicht nur Geschichte: Es gibt Ausgrenzung heute, es gibt Diskriminierung heute. Das ist etwas ganz Alltägliches. Unsere Generation unterliegt keiner Kollektivschuld, aber sicher einer Kollektivverantwortung.
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