Von Lea Deuber
"Tomke geht ins KZ", so haben sich meine Freunde über mich lustig gemacht. Ein ehemaliges KZ sei doch kein Ort, wo man seine Freizeit verbringen will. Aber für mich war diese Entscheidung richtig. Ich wollte nach dem Abitur nicht sofort studieren.
Die NS-Zeit ist für mich nicht nur Geschichte, sie hat auch etwas mit mir zu tun. Mein Großvater war 17, meine Großmutter 15 Jahre alt, sie war im "Bund Deutscher Mädel" aktiv. Beide waren, denke ich, zwar keine überzeugten Nationalsozialisten, aber meiner Großmutter ist das trotzdem unangenehm. Sie hat Angst, dass ich sie verurteile. Aber das tue ich nicht, ich denke, dass man mit 15 Jahren nicht alles versteht. Natürlich, ich bin nicht viel älter. Aber ich muss keine Angst haben, meine politische Meinung zu äußern.
Wie schön es hier ist, auf der Strecke des Todesmarsches
Damals war das anders. Im "Bunker", dem Gefängnis des KZ Dachau, war etwa Martin Niemöller eingesperrt, ein Vertreter der Bekennenden Kirche. Der Bunker besteht aus einem 200 Meter langen Gang, von dem winzige Zellen abgehen. Es ist immer dunkel und nie wärmer als zehn Grad. Wenn ich dort bin, habe ich das Gefühl, ich müsste ersticken.
Es ist beeindruckend, dass sich trotz der Gefahr so viele Menschen gewehrt haben. Einer von ihnen ist Abba Naor. Er war lange in Dachau inhaftiert. Heute lebt er in Israel und hält gelegentlich hier Vorträge. Als ich ihn einmal zu einem Vortrag gefahren habe, sah ich aus dem Fenster und dachte, wie schön die Umgebung hier ist. Die Sonne schien und alles sah so idyllisch aus. Da sagte Naor: "Hier verlief der Todesmarsch, als das Konzentrationslager aufgelöst werden sollte." Ich wusste nicht, was ich sagen sollte.
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