Freiwilligendienst in KZ-Gedenkstätte: "Das Kapitel Rassismus ist noch nicht abgeschlossen"

Von Lea Deuber

4. Teil: Tomke Gerstenberg, 19 - "Ich habe das Gefühl, ich müsste ersticken"

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Janina Späth

"Tomke geht ins KZ", so haben sich meine Freunde über mich lustig gemacht. Ein ehemaliges KZ sei doch kein Ort, wo man seine Freizeit verbringen will. Aber für mich war diese Entscheidung richtig. Ich wollte nach dem Abitur nicht sofort studieren.

Die NS-Zeit ist für mich nicht nur Geschichte, sie hat auch etwas mit mir zu tun. Mein Großvater war 17, meine Großmutter 15 Jahre alt, sie war im "Bund Deutscher Mädel" aktiv. Beide waren, denke ich, zwar keine überzeugten Nationalsozialisten, aber meiner Großmutter ist das trotzdem unangenehm. Sie hat Angst, dass ich sie verurteile. Aber das tue ich nicht, ich denke, dass man mit 15 Jahren nicht alles versteht. Natürlich, ich bin nicht viel älter. Aber ich muss keine Angst haben, meine politische Meinung zu äußern.

Wie schön es hier ist, auf der Strecke des Todesmarsches

Damals war das anders. Im "Bunker", dem Gefängnis des KZ Dachau, war etwa Martin Niemöller eingesperrt, ein Vertreter der Bekennenden Kirche. Der Bunker besteht aus einem 200 Meter langen Gang, von dem winzige Zellen abgehen. Es ist immer dunkel und nie wärmer als zehn Grad. Wenn ich dort bin, habe ich das Gefühl, ich müsste ersticken.

Es ist beeindruckend, dass sich trotz der Gefahr so viele Menschen gewehrt haben. Einer von ihnen ist Abba Naor. Er war lange in Dachau inhaftiert. Heute lebt er in Israel und hält gelegentlich hier Vorträge. Als ich ihn einmal zu einem Vortrag gefahren habe, sah ich aus dem Fenster und dachte, wie schön die Umgebung hier ist. Die Sonne schien und alles sah so idyllisch aus. Da sagte Naor: "Hier verlief der Todesmarsch, als das Konzentrationslager aufgelöst werden sollte." Ich wusste nicht, was ich sagen sollte.

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1.
xmix 31.05.2012
Zitat von sysopKZ-Gedenkstätten sind Orte des Grauens. Simon, Tomke, Larissa, Janina und Veit sind täglich dort: Ein Jahr lang verrichten sie einen Freiwilligendienst in Theresienstadt, Dachau oder Osthofen. Hier erzählen sie, was sie antreibt. Freiwilliges Soziales Jahr in KZ-Gedenkstätte - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/schulspiegel/leben/0,1518,834498,00.html)
Sehr bemerkenswert und beeindruckend was die jungen Leute da leisten!
2. .
frubi 31.05.2012
Zitat von sysopKZ-Gedenkstätten sind Orte des Grauens. Simon, Tomke, Larissa, Janina und Veit sind täglich dort: Ein Jahr lang verrichten sie einen Freiwilligendienst in Theresienstadt, Dachau oder Osthofen. Hier erzählen sie, was sie antreibt. Freiwilliges Soziales Jahr in KZ-Gedenkstätte - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/schulspiegel/leben/0,1518,834498,00.html)
Rassismus wird es immer geben. Genauso wie Terrorismus. Es mag eine schöne Vorstellung sein, dass es solche Dinge nicht mehr auf der Welt geben wird aber es ist naiv.
3. Mit voller tiefer Dankbarkeit ....
gemamundi 31.05.2012
Bin voller ehrlicher echter tiefer Dankbarkeit für diese jungen Menschen,die Grundlagen des menschlichen Zusammenlebens verstanden und verinnerlicht haben : Meine Mutter wurde 1945 von den Briten aus dem KZ Bergen-Belsen befreit. Sie war dahin verschleppt worden,weil sie junge deutsche Jüdin - oder jüdische Deutsche war. Selbst bin ich 1955,10 Jahre nach der Befreiung,in HH geboren worden.Dennoch erfuhr ich stets - in bdeutend geringerem Ausmaß als die ins KZ verschleppten Menschen,was auch hier noch in Europa Vorurteile anrichten = Lebe seit meinem 14.ten lebensjahr offen und öffentlich schwul,habe später viele Jahre lang mit meinem muslimischen und aus Palästina stammenden Mann gemeinsam gelebt ( bis zu seinem zu frühen Tod 1997 ) und habe stets nach besten Möglichkeiten und Bewußtsein auch offen politisch gehandelt - selbst in meinen Berufen; bin Dramaturg,Schauspieler,usw....Bin alt und er-lebenserfahren genug zu wissen, das die Annahme der Vergangenheit gut und notwendig ist,um die Zukunft - sei es 'nur' die eigene - zu sichern.... Danke für diesen Bericht. Danke diesen Menschen für deren Arbeit ! Shalom & Salam & Pace ...
4. Sehr bewegend
sara100 31.05.2012
Zitat von gemamundiBin voller ehrlicher echter tiefer Dankbarkeit für diese jungen Menschen,die Grundlagen des menschlichen Zusammenlebens verstanden und verinnerlicht haben : Meine Mutter wurde 1945 von den Briten aus dem KZ Bergen-Belsen befreit. Sie war dahin verschleppt worden,weil sie junge deutsche Jüdin - oder jüdische Deutsche war. Selbst bin ich 1955,10 Jahre nach der Befreiung,in HH geboren worden.Dennoch erfuhr ich stets - in bdeutend geringerem Ausmaß als die ins KZ verschleppten Menschen,was auch hier noch in Europa Vorurteile anrichten = Lebe seit meinem 14.ten lebensjahr offen und öffentlich schwul,habe später viele Jahre lang mit meinem muslimischen und aus Palästina stammenden Mann gemeinsam gelebt ( bis zu seinem zu frühen Tod 1997 ) und habe stets nach besten Möglichkeiten und Bewußtsein auch offen politisch gehandelt - selbst in meinen Berufen; bin Dramaturg,Schauspieler,usw....Bin alt und er-lebenserfahren genug zu wissen, das die Annahme der Vergangenheit gut und notwendig ist,um die Zukunft - sei es 'nur' die eigene - zu sichern.... Danke für diesen Bericht. Danke diesen Menschen für deren Arbeit ! Shalom & Salam & Pace ...
Was Sie schreiben. Es tut so gut mal jemanden zu lesen der die nötige Toleranz und Weitsicht hat. Leider ist das in den meisten Fällen nicht der Fall wie Sie eventuell auch hier in diesem Forum lesen können. Menschen mit bestimmten Vorurteilen werden immer einen Grund finden sie auch zu pflegen. Sie aber werden immer über diesen Menschen stehen. Sie bedanken sich bei diesen jumgen Menschen, und ich bedanke mich bei Ihnen.
5.
Vorzeichen 31.05.2012
Zitat von frubiRassismus wird es immer geben. Genauso wie Terrorismus. Es mag eine schöne Vorstellung sein, dass es solche Dinge nicht mehr auf der Welt geben wird aber es ist naiv.
Gerade weil es Rassismus immer geben wird, ist Aufklärung wichtig. Was diese jungen Menschen machen, ist sinnvolle und harte Arbeit, ganz bestimmt nichts für Naivlinge. Respekt und Verbeugung.
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