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Führerschein "Ich hätte den Prüfer am liebsten geknutscht"

6. Teil: Julia, 17, aus Polling: Kreuzungsfeuer

Julia fährt an am Berg: "Der Prüfer war echt gnädig"Zur Großansicht
Klaus Gigga

Julia fährt an am Berg: "Der Prüfer war echt gnädig"

Vor der Prüfung: Ich muss mich konzentrieren. Eigentlich kann gar nichts schief gehen: Ich bin gestern noch mit meinem Fahrlehrer vier Stunden lang, bis neun Uhr abends, alle Kreuzungen und Ampeln abgefahren, wo wir in der Prüfung lang kommen könnten. Mit Kreuzungen habe ich ein Problem: Ich vergesse immer, einen Gang runter zu schalten an der Ampel. Und im zweiten Gang kann man ja gar nicht richtig anfahren. Ich denke noch an 1.000 andere Sachen: Mutti hat noch gesagt, ich soll das Licht anmachen, weil es neblig ist. Ein Kumpel von mir ist in der Prüfung gegen ein Polizeiauto gefahren - mein Horrorszenario. In den letzten Wochen ging alles so schnell. Noch ein paar Fahrstunden und schon habe ich Prüfung. Und jetzt mache ich mir selbst Druck: Ich will diesen verdammten Lappen. Und jetzt kommt er gleich, der Prüfer. Soll ja ein netter sein - sagt mein Fahrlehrer. Ich weiß nicht. Soll ich das glauben? Prüfer sind doch für Fahrlehrer alle nett. Ich bin aufgeregt; mein Herz klopft. Hoffentlich bleiben alle Polizeiautos heil, und die Fußgänger. Also: Gleich dem Prüfer die Hand schütteln, Schaltknüppel angucken - und los.

Nach der Prüfung: Da stand ich nun an der Kreuzung im zweiten Gang und gab Gummi. Das Auto ruckelt und das Motorengeräusch war ganz dumpf. Dann fuhr es doch noch los - und mir fiel ein Stein vom Herzen. Das Auto hat mir den polternden Start wohl übel genommen, der Prüfer nicht: Denn, ja, geil, ich habe ihn, den rosafarbenen Papierlappen, mit dem ich mit meinen Eltern als Beifahrer Auto fahren darf. Alles ging sehr locker los: Meine Aufregung war sofort weg, als der Prüfer kam: Sehr ruhige Stimme, ganz sympathisch. Zum Glück haben mein Fahrlehrer und der Prüfer die ganze Prüfung miteinander gequatscht, haben über die Olympiade und den Rest der Welt geredet. Ich wurde locker und konnte mich richtig auf's Fahren konzentrieren. Der Prüfer war wirklich gnädig: In die Parklücke, in die ich musste, hätte ich zehnmal reingepasst. Und nach der Prüfung wollte der Prüfer nur noch wissen, wie ich den Scheibenwischer anschalte. Da hätte ich etwas Schwierigeres erwartet. Ich bin glücklich: Fußgänger und Polizeiautos leben noch. Ab heute werde ich auch an den Schaltknüppel denken.

Aufgezeichnet von Gustav Beyer, Bredemeier, Yasmin Mergen, Felix Scheidl, Yannick Schulze für das Jugendmagazin Spiesser.

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