Wie denken eigentlich Jugendliche? Eltern und Lehrer mögen an dieser Frage verzweifeln, Jugendforscher erste Hinweise finden - was läge also näher, als die Jugendlichen selbst zu Wort kommen zu lassen. Genau das hat Katharina Weiß getan. Sie ist 16 Jahre alt, redet gerne ohne Unterbrechung und hat gerade mit "Generation Geil" ihr erstes Buch veröffentlicht.
20 Jugendliche hat sie befragt, über das erste Mal, über die Familie, Freundschaften, Träume und über Religion. Ihr haben sich zehn Mädchen und zehn Jungs anvertraut. In seltener Offenheit sprachen sie über ihre Gefühle.
Weiß will vor allem mit Vorurteilen aufräumen. "Wir sind nicht alle Komasäufer, auch wenn es vielleicht den Anschein hat", sagt sie. Zwar spiele Alkohol eine große Rolle: kaum eine Feier, auf der nicht getrunken wird. Aber die Jugendlichen machten sich mehr Gedanken über ihren Alkoholkonsum, als Erwachsene allgemein annehmen. Die wüssten ohnehin kaum, was in den Köpfen ihrer Kinder abgehe.
Gechillte Kiffer und Rotzgören
Weiß schlägt nun also zurück, stellt klar und klärt auf. Einige der Protokolle bestätigen die schlimmsten Befürchtungen der Eltern, sei es beim Thema Drogen oder beim Thema Sex. Doch auch das Gegenteil kommt vor: Enthaltsame, strebsame Jugendliche hat Weiß ebenso getroffen und gesprochen. Alles ist vertreten, vom unbekümmerten Partymädchen bis hin zum überzeugten Christen, vom gechillten Kiffer bis zum angehenden Familienvater.
Kein Lebensentwurf sei mehrheitsfähig, stellt sie zu Anfang des Buches fest. Keine Linie, keine Ideale, keine Denkweisen könnten wirklich alle teilen. Warum dann trotzdem dieser Titel, "Generation Geil"? Das solle zumindest das gemeinsame Lebensgefühl beschreiben. Und: "Es muss halt was auf dem Cover stehen", sagt Weiß. Außerdem sei das Kampfansage an das Buch "Generation Doof", von dem sie sich und ihre Generation falsch dargestellt sieht.
Viele der Interviewten sind Freunde und Partybekanntschaften, andere hat der Verlag dazugesucht. Sie hat ihre Altersgenossen getroffen, mit ihnen telefoniert und sich dabei Notizen gemacht. Daraus entstanden dann die Protokolle. Die Namen sind falsch, "alles andere ist echt", versichert Weiß. Nur ein- oder zweimal habe sie eine Anekdote, die einem ihrer Freunde widerfahren sei, in eines der Protokolle eingeflochten.
Eines haben die befragten Jugendlichen dann aber doch gemeinsam: Sie alle machen sich ausführlich Gedanken über ihr Leben. So wie Leon, der meint, dass Gott wohl nicht wie Gandalf sei. Wie Celine, die ihr erstes Mal hinter einem Notstromaggregat hatte. Und wie Matti, der kein Blatt vor den Mund nahm, als er über Drogen und seine Meinung von Mädchen sprach. SPIEGEL ONLINE präsentiert die Protokolle in gekürzter Form.
ore
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