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Gerechtigkeits-Studie: Jedes fünfte Kind fühlt sich ausgegrenzt

Risiko Armut: Kinder der Unterschicht sind mit ihrem Leben unzufriedener Zur Großansicht
DPA

Risiko Armut: Kinder der Unterschicht sind mit ihrem Leben unzufriedener

Sie wünschen sich Gleichheit und Fairness, doch jedes fünfte Kind fühlt sich ausgegrenzt. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Studie. Vor allem Jungen und Mädchen aus armen Verhältnissen hadern mit ihrer Situation.

Was bedeutet Gerechtigkeit? "Dass jeder gleich behandelt wird und jeder die gleichen Möglichkeiten hat", findet ein Zehnjähriger. Und "dass man miteinander teilt und nicht jemanden einfach so stehen lässt", sagt ein siebenjähriges Mädchen. Gerechtigkeit ist ein wichtiges Thema für Sechs- bis Elfjährige. Sie wünschen sich Gleichheit untereinander und Gleichbehandlung für alle, sehnen sich nach Fairness und Güterteilung.

Doch ob sich Kinder tatsächlich fair behandelt oder eher benachteiligt fühlen, hängt von der sozialen Schicht ab, aus der sie stammen. Rund jedes fünfte Kind in Deutschland fühlt sich ausgegrenzt und in der Schule ungerecht behandelt. Das geht aus der Studie "Wie gerecht ist unsere Welt" der Kinderhilfsorganisation World Vision hervor, die am Donnerstag in Berlin vorgestellt wurde.

Nicht ernst genommen

Diese Kinder, die zumeist aus armen oder armutsgefährdeten Familien kommen, fühlen sich demnach in ihrer Meinung nicht ernst genommen und haben weniger positive Erwartungen an die Zukunft als andere Kinder. Vier Fünftel der Kinder sind hingegen zufrieden mit ihrem Leben.

"Wie gerecht ist unsere Welt" beschreibt die Befindlichkeit von Kindern, ihr subjektives Wohlbefinden und ihre Erlebniswelt. Kindheitsforscherin Sabine Andresen und Sozialwissenschaftler Klaus Hurrelmann befragten zusammen mit TNS Infratest Sozialforschung 2500 Kinder in Deutschland über ihre Lebenssituation und ihr subjektives Erleben. Die letzten beiden World Vision Kinderstudien erschienen 2007 und 2010.

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Kinderstudie: Die wichtigsten Ergebnisse

Die neue Studie zeigt, dass Kinder ein hohes Gerechtigkeitsempfinden haben - und zwar nicht nur auf sich selbst bezogen: Sie fordern auch Gerechtigkeit für andere. Dazu soll jeder etwas beitragen. "Es ist wieder einmal erstaunlich, mit welcher Klarheit Kinder ihre Umwelt und ihre Mitmenschen betrachten und bewerten", sagt Forscherin Sabine Andresen. Selbst Kinder ab drei Jahren hätten bereits ein ausgeprägtes Gerechtigkeitsempfinden und teilten beispielsweise Süßigkeiten relativ gerecht auf. "Betrüblich ist, dass sich in Bezug auf benachteiligte Kinder wenig getan hat."

Weitere Ergebnisse der Studie:

  • Zufriedenheit: Die meisten Kinder berichten positiv über ihr Leben. Zentral ist dabei für die Sechs- bis Elfjährigen, dass ihre eigene Meinung wertgeschätzt und nicht übergangen wird. Wichtig ist ihnen auch die Möglichkeit, selbst ihre Freizeit gestalten zu können.

  • Erwerbstätigkeit und Familie: Bei 35 Prozent der Kinder arbeitet ein Elternteil Vollzeit und der andere in Teilzeit, oder aber es sind beide teilzeiterwerbstätig. Die Einverdiener-Familie ist demgegenüber mit 32 Prozent rückläufig, in 13 Prozent der Familien arbeiten beide Eltern Vollzeit. Alleinerziehend und berufstätig sind zwölf Prozent, vier Prozent sind arbeitslos.

  • Selbstbestimmung: Kinder aus der Unterschicht haben die geringsten Selbstbestimmungsmöglichkeiten im Alltag. Drei von vier Kindern dürfen hier selbst entscheiden, mit welchen Freunden sie sich treffen, zwei Drittel berichten, selbst bestimmen zu dürfen, was sie in ihrer Freizeit tun. Je weniger Zeit die Eltern haben, desto stärker fühlen sich die Kinder im Alltag reglementiert.

  • Armut: 18 Prozent der Kinder geben an, eigene Erfahrungen mit Armut gemacht zu haben. Je ausgeglichener die Erwerbsbeteiligung der Eltern, desto geringer ist das Armutsrisiko.

  • Freizeit: Mädchen aus gehobenen Schichten lesen und musizieren, Jungen aus der Unterschicht sehen fern. Jungs sitzen etwa dreimal so häufig wie Mädchen in ihrer Freizeit vor dem Computer oder Fernseher. In den vergangenen sechs Jahren ist der Fernsehkonsum bei den Sechs- bis Elfjährigen allerdings leicht gesunken: Während 2007 noch 56 Prozent angaben, sehr oft fernzusehen, waren es 2013 nur noch 49 Prozent.

cpa/afp

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1. optional
Lebensberater 14.11.2013
Kinderarmut? Benachteiligung? Ungerechtigkeiten? In diesem Jahr sind laut Herrn Alt (ARGE) 70.000 Rumänen und Bulgaren nach Deutschland migriert, für das Jahr 2014 rechne das Forschungsinstitut IAB mit 100.000 bis 180.000 Zuwanderern. Da dürfte es unseren Kindern bald noch etwas schlechter gehen....
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