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26. Februar 2013, 16:06 Uhr

Silbermond im Interview

"Was sich gut anfühlt, ist nie verkehrt"

Sie starteten als Schülerband, doch heute schrammeln Silbermond nicht mehr im Hobbykeller. Hier geben Sängerin Stefanie Kloß und Gitarrist Thomas Stolle als Paten des Musikturniers SchoolJam Tipps, wie es mit der Karriere klappt - und warum miese Demotapes richtig uncool sind.

SPIEGEL ONLINE: Wo hattet ihr euren ersten Auftritt?

Thomas Stolle: Auf einer Schulfeier. Die ganze Klasse war da und alle möglichen anderen Leute von der Schule. Wir waren so was von aufgeregt. Es gibt von diesem Auftritt ein Video, das wir uns ab und zu mal anschauen. Es ist Wahnsinn, was sich seit damals getan hat.

SPIEGEL ONLINE: Es gibt euch seit 15 Jahren. Was war euer schwerster Moment?

Thomas Stolle: Der allererste Auftritt, dieser Moment, bevor du auf die Bühne gehst, das ist der Horror. Das hat auch etwas Positives, weil du das Lampenfieber zum ersten Mal bewusst wahrnimmst, das wirst du dein Leben lang nicht vergessen. Man lernt, damit umzugehen und es als etwas zu empfinden, was dir zeigt: Der Auftritt ist dir verdammt wichtig und du willst, dass er möglichst perfekt wird. Das wird er nicht, denn live auf der Bühne passieren Fehler. Doch das spielt keine Rolle. Es geht um die Energie. Wenn man es schafft, das Lampenfieber in Freude und Spaß umzuwandeln und den Leuten zu zeigen, dass man mit Leidenschaft dabei ist, dann ist das wunderbar.


HIER GEHT'S ZUM ONLINE-VOTING FÜR SCHOOLJAM!

Die Leser des SchulSPIEGEL können mitentscheiden, wer die beste Schülerband Deutschlands wird. Stimmt dafür jetzt im Online-Voting für eure Lieblingsgruppe. Der Gewinner fährt zum Finale nach Frankfurt, wo eine Jury den Endsieger kürt.


SPIEGEL ONLINE: Streitet ihr euch manchmal?

Thomas Stolle: Das bleibt nicht aus, aber es hält sich in Grenzen. Der Streit beschränkt sich auf kreative Sachen, wenn man mal musikalisch anderer Meinung ist. Dass wir uns nicht mehr sehen können und wollen, das gab's noch nie und das wird es auch nicht geben. Dafür verstehen wir uns einfach zu gut.

SPIEGEL ONLINE: Wie kann man Streit als junge Band lösen?

Stefanie Kloß: Man muss miteinander kommunizieren. Missverständnisse passieren immer, wenn man nicht miteinander redet. Es gab in der Schule schon einen Grund, warum man im Deutschunterricht gelernt hat, wie man argumentiert. Jeder packt seine Argumente auf den Tisch und versucht, dem anderen seine Sichtweise zu erklären, damit er eine Chance hat, das nachzuvollziehen. Das ist wichtig, egal ob in der Klasse, im Büro oder bei uns in der Band.

SPIEGEL ONLINE: Was habt ihr alles für den Erfolg getan?

Thomas Stolle: Viele junge Bands träumen davon, auf Tour zu gehen oder von der Musik leben zu können. Das ist aber sehr unwahrscheinlich. Wir haben klein geträumt und uns von Auftritt zu Auftritt gehangelt. Es ging uns nicht darum, dass Tausende Leute vor der Bühne stehen. Es ging um das Gefühl, als Band um fünf Uhr morgens von einem Auftritt zurückzukommen, die Instrumente und Verstärker in den Schlagzeugkeller zu schleppen, danach übermüdet am Frühstückstisch zu sitzen. Das war eine wunderbare Zeit. Als der Erfolg dann kam, ging alles so schnell. Wir wurden in Studios eingeladen, unsere Songs liefen auf einmal im Radio... Erst Jahre später haben wir verarbeitet, was da geschehen ist.

SPIEGEL ONLINE: Was würdet ihr nie für den Erfolg tun?

Thomas Stolle: Wenn uns jemand viel Geld anbieten würde, damit wir eine Musik machen, die wir nicht fühlen, würden wir ablehnen. Wir machen die Musik, die aus uns rauskommt und würden uns nicht verkaufen.

SPIEGEL ONLINE: Ihr seid die Paten des diesjährigen Schülerbandturniers SchoolJam. Jetzt läuft im SchulSPIEGEL das Online-Voting, im April kürt eine Jury den Endsieger. Kann es in der Musik überhaupt Gewinner und Verlierer geben?

Stefanie Kloß: Man kann einschätzen, ob die Bands ihre Gitarre stimmen können oder ob sie zusammen spielen. Aber es gibt natürlich noch die Seite des Geschmacks. Deshalb kommt man bei einem Wettbewerb zu einem Punkt, an dem man fünf technisch sehr gute Bands ausgesucht hat - und der Rest ist halt Geschmackssache.

SPIEGEL ONLINE: Sollte man dann solche Castings nicht ganz lassen?

Thomas Stolle: Das hängt davon ab, wie man an einen solchen Wettbewerb herangeht. Es ist kein Wettlauf, bei dem es darum geht, wer schneller rennen kann, es geht vielmehr um einen Ansporn. Wir haben auch bei solchen Bandturnieren mitgemacht. Das Proben für den Wettbewerb hat uns unglaublich weitergebracht. Aber man sollte das nicht zu verbissen sehen.

SPIEGEL ONLINE: Was sagt ihr Bands, die bei SchoolJam schlecht abschneiden?

Stefanie Kloß: Einigen Bands hörst du einfach an, dass sie nicht so gut zusammen spielen. Mich stören offensichtliche Fehler, wenn Bands ihre Gitarre nicht gestimmt haben oder nicht gerade singen. Manchen Bands, die sich bei uns bewerben, um unsere Vorband zu werden, würde ich am liebsten schreiben: Mensch, ihr habt uns eine Aufnahme geschickt, auf der ihr schief singt. Das ist nicht cool.

SPIEGEL ONLINE: Euer Rat an junge Bands?

Thomas Stolle: Es kann nicht schaden, einen gewissen Mut mitzubringen, etwas zu probieren, was noch keiner gemacht hat. Auch wenn das nicht gleich bei den Leuten ankommt. Man muss auf seinen Bauch hören und mutig sein - und es muss Spaß machen und sich gut anfühlen. So lange das so ist, kann es nie verkehrt sein.

SPIEGEL ONLINE: Seid ihr jetzt immer noch nervös vor Konzerten?

Stefanie Kloß: Das hört nie auf und das wäre auch schlimm. Die Leute im Publikum haben viel Geld für die Karten ausgegeben, manche sind von weither angereist. Sie nehmen sich die Zeit, um mit dir den Abend zu verbringen. Und dann hast du vielleicht mal einen schlechten Tag oder Kopfschmerzen oder gehst auf die Bühne, als wär's dir egal? Nee, ich will, dass die Leute nach Hause gehen und etwas von uns mitnehmen. Schon allein wenn du diesen Anspruch hast, bist du einfach nervös.

Das Gespräch führte Heike Sonnberger

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