Randale bei Facebook-Party: Gericht spricht Jugendliche frei
Ein kurzer Klick, der manchmal außer Kontrolle gerät: Polizei und Behörden versuchen verzweifelt, Facebook-Partys zu unterbinden. Im Saarland sollten Jugendliche ein Bußgeld zahlen, weil sie bei einem Fest angeblich randaliert haben. Dagegen klagten sie nun - erfolgreich.
Facebook-Partys beschäftigen derzeit an fast jedem Wochenende irgendwo in Deutschland die Polizei, nun verhandelte auch ein Gericht darüber: Am Freitag standen sechs junge Menschen wegen einer solchen Party vor dem Saarbrücker Amtsgericht und wurden freigesprochen. Die Richter folgten damit den Anträgen von Staatsanwaltschaft und Verteidigung.
Im vergangenen Jahr fand im saarländischen Dorf Numborn eine Facebook-Party statt, ein 16-Jähriger hatte damals versehentlich bei Facebook öffentlich zu seinem Geburtstag eingeladen. Rund 2000 junge Menschen und rund 160 Polizisten reisten an. Es entstand ein Sachschaden im fünfstelligen Bereich.
Auch diejenigen, die nun vor Gericht standen, nahmen teil. Nach der Party hatte der Regionalverband Saarbrücken gegen die sechs und gegen weitere Teilnehmer ein Bußgeld von 200 Euro festgesetzt. Der Vorwurf: Belästigung der Allgemeinheit. Sie sollen angeblich zu einer Gruppe von 13 Personen gehört haben, die bei der Party randalierte hat, berichtet die "Saarbrücker Zeitung" in ihrer Online-Ausgabe.
Chef der Polizeigewerkschaft: Facebook soll zahlen
Weil sie Einspruch erhoben haben, kam es zur Gerichtsverhandlung. Fünf von ihnen sind minderjährig, nur der Fall eines 19-Jährigen wurde öffentlich verhandelt. Er wies vor Gericht sämtliche Vorwürfe zurück, berichtet die Zeitung. Er sei an einer Gruppe Randalierer vorbeigefahren, sagte er, plötzlich sei die Polizei gekommen, habe sie auf den Boden gedrückt und mit Kabelbinder gefesselt.
Das Gericht sprach alle Angeklagten frei, weil nicht nachgewiesen werden konnte, ob sie an den Gewaltausbrüchen tatsächlich beteiligt waren. Die "Saarbrücker Zeitung" schreibt, dass es keine Anhaltspunkte gebe, dass die Aussage des 19-Jährigen falsch sei. Weitere Verfahren gegen andere Betroffene sind noch anhängig.
115.000 Euro soll der Einsatz in Numborn gekostet haben, schätzt das Innenministerium. Geht es nach dem Chef der Deutschen Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt, soll Facebook für derartige Einsätze aufkommen, das forderte er in der Bild-Zeitung. Auch die Innenminister von Baden-Württemberg und Bayern äußern sich kritisch. Vom Facebook-Regress ist bei ihnen allerdings keine Rede. Verantwortlich seien in erster Linie die Nutzer, heißt es auf Anfrage aus beiden Ministerien, nicht die Plattform. Facebook äußert sich dazu - natürlich - via Facebook: "Soziale Medienkompetenz ist der Schlüssel zu diesem Thema. Gern stellen wir uns den Fragen der Politik und werden diese auch in Zukunft in zahlreichen Gesprächen ausführen", postet Facebook Berlin.
fln/dapd
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