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Konsum-Studie: Kinder im Kaufrausch

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Corbis

Kinder mit Schokolade: Das meiste Geld für Süßigkeiten

Kinder in Deutschland haben so viel Geld zur Verfügung wie nie zuvor. Einer aktuellen Studie zufolge geben sie einen Großteil davon für Naschzeug aus. Unternehmen versuchen, die Kleinen so früh wie möglich an ihre Marken zu binden.

Sie verdienen noch kein eigenes Geld, haben aber so viel Taschengeld zur Verfügung wie noch nie: Durchschnittlich 27,56 Euro bekommen Kinder im Alter von 6 bis 13 Jahren monatlich, wie eine neue Studie zeigt. Im Jahr 2012 waren es mit 27,18 Euro geringfügig weniger, 2011 erhielten Kinder und Teenager in Deutschland durchschnittlich noch 24,79 Euro im Monat. Und je älter die Kinder, desto mehr haben sie zur Verfügung: Sechs- bis Neunjährige verfügen über 19,47 Euro, 10- bis 13-Jährige über 34,47 Euro.

Außerdem gibt es noch Geldgeschenke: Zum Geburtstag bekommen Kinder fast immer Bares (durchschnittlich 64 Euro), häufig an Weihnachten (80 Euro) und einige sogar an Ostern (25 Euro). Zusätzlich zu diesen Geldgeschenken und dem Taschengeld bekommen 66 Prozent der Kinder beim Besuch von den Großeltern und Verwandten Geld zugesteckt, 40 Prozent werden mit Geld für gute Schulnoten belohnt und 23 Prozent für Mithilfe im Haushalt. Nur jedes fünfte Kind erhält zwischendurch kein Extrageld.

Hervor geht all das aus der neuen "Kids Verbraucheranalyse", die der Egmont Ehapa Verlag jährlich durchführen lässt. Zwischen Februar und April 2013 wurden dafür mehr als 1600 Doppelinterviews mit Kindern zwischen sechs und 13 Jahren und jeweils einem Elternteil geführt, sowie mehr als 380 Interviews mit Eltern von Kindern im Alter von vier und fünf Jahren.

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Denn sechs Millionen Kinder im Alter von 6 bis 13 Jahren leben in Deutschland. Für Unternehmen sind sie eine hochspannende Zielgruppe: Sie sind offen, zugänglich - und sie sind treu: Wer sich in jungen Jahren für bestimmte Marken und Produkte entscheidet, wird diese mit höherer Wahrscheinlichkeit auch im Erwachsenenalter noch nutzen. Die "Wechselbereitschaft" sei dann nämlich geringer, schreibt eine Werbeagentur, die sich auf Marketing für Kinder und Jugendliche spezialisiert hat, auf ihrer Website. "Wer also frühzeitig in spezielle Kommunikationsmaßnahmen für Kinder investiert, profitiert später von besonders loyalen Kunden", heißt es bei der Cobra Youth Communications GmbH.

Unternehmen dürfen Kinder zwar nicht direkt mit ihrer Werbung zum Kauf ihrer Produkte auffordern, doch Details sind dabei nicht geregelt. Firmen finden immer wieder Schlupflöcher, wie sie Kinder ansprechen können: Sponsoring an Schulen zählt dazu, genauso wie Markenlogos auf eigens produzierten Lernmaterialien oder auf Sport-T-Shirts. Auch die Platzierung von Süßigkeiten in Supermärkten - nämlich auf Kinderaugen-Höhe - ist kein Zufall. Gut für die Werbeindustrie: Die meisten Kinder dürfen selbst bestimmen, wofür sie ihr Geld ausgeben.

Der Verbraucheranalyse zufolge investieren zwei Drittel der Kinder (66 Prozent) ihr Geld in Süßigkeiten, Kekse und Kaugummi. Knapp die Hälfte in Zeitschriften, Comics und Manga-Hefte. Für Kinobesuche geben nur 14 Prozent ihr Geld aus.

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Weitere Ergebnisse der Studie im Überblick:

  • Interessen: Mädchen zwischen sechs und neun Jahren interessieren sich am meisten für Prinzessinnen, gefolgt von Pferden und allen anderen Tieren. Jungen in demselben Alter interessieren sich dagegen am meisten für Sport, insbesondere Fußball, Autos und Superhelden. Auch wenn sie älter werden, finden Jungen zwischen zehn und 13 Jahren noch immer vor allem Sport, Fußball, Autos, Detektive und Experimente spannend. Gleichaltrige Mädchen beschäftigen sich am liebsten mit Stars aus Musik und Film, Models sowie Freundschaft und Liebe.
  • Internetnutzung: 94 Prozent der Kinder zwischen zehn und 13 Jahren nutzen das Internet, unter den sechs- bis neunjährigen sind es ungefähr die Hälfte (51 Prozent). 89 Prozent der Kinder im Alter von zehn bis 13 Jahren sind (fast) täglich oder mehrmals wöchentlich im Internet unterwegs, nur acht Prozent in dieser Altersgruppe gab an, etwa einmal pro Woche online zu sein. Unter den jüngeren Kindern (sechs bis neun Jahre) sind zehn Prozent (fast) täglich im Internet unterwegs, das sind vier Prozent mehr als im Vorjahr. 62 Prozent von ihnen nutzen das Internet mehrmals pro Woche und 22 Prozent ungefähr einmal wöchentlich.
  • Das machen Kinder im Internet: 44 Prozent lesen und schreiben E-Mails, hören Musik (36 Prozent) oder chatten mit anderen (33 Prozent). Knapp jeder Dritte (30 Prozent) sammelt Infos für die Schule, jedoch verwenden nur 13 Prozent Lernprogramme oder -Spiele.
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  • Eigener Computer: Ungefähr jeder Vierte (26 Prozent) hat einen eigenen PC, gut jeder Zweite (52 Prozent) nutzt zu Hause einen Computer mit.
  • Eigenes Handy: Ein Handy oder Smartphone besitzt jedes zweite Kind zwischen 6 und 13 Jahren (49 Prozent) - wobei auch hier gilt: Je älter das Kind, desto höher die Chance. So sind es unter den 10- bis 13-Jährigen 69 Prozent, unter den Sechs- bis Neunjährigen 27 Prozent.
  • Markenbewusstsein: Fast zwei Drittel der Kinder zwischen sechs und 13 Jahren bevorzugen besonders bei Sportschuhen eine bestimmte Marke. Bei Spielekonsolen wissen 58 Prozent der Kinder genau, was sie wollen, bei Bekleidung 56 Prozent.

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insgesamt 48 Beiträge
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1. No-Candy-Day notwendig!!!
Sebamo 06.08.2013
Oh nein, Kinder naschen gern. Ganz, ganz dolle gefährlich.
2.
zynik 06.08.2013
Zitat von sysopCorbisKinder in Deutschland haben so viel Geld zur Verfügung wie nie zuvor. Einer aktuellen Studie zufolge geben sie einen Großteil davon für Naschzeug aus. Unternehmen versuchen, die Kleinen so früh wie möglich an ihre Marken zu binden. http://www.spiegel.de/schulspiegel/leben/konsum-studie-kinder-im-kaufrausch-a-915048.html
...und da wächst die nächste Generation von entpolitisierten Konsumzombies heran. Brav so. Der Zeit- und Aufmerksamkeitsmangel der Eltern lässt sich ja auch relativ bequem kompensieren, wenn man den kleinen das neueste Smartphone spendiert.
3. Wir bekamen damals
vogtnuernberg 06.08.2013
Wir bekamen im Kinderheim damals 10 DM Taschengeld pro Monat. Das entspräche heute umgerechnet auf Eis und Süßigkeiten ca. 30 Euro! Und wir haben es auch fast nur in Süßigkeiten, Sticker und Eis investiert! So what?
4. ....
toledo 06.08.2013
Wie vereinbart sich das mit der so oft beklagten Kinderarmut in Deutschland? Ist das Geld etwa ungleich verteilt..?
5. na, wunderbar!
Schäfer 06.08.2013
Da bin ich aber froh, dass sich die Ergebnisse der Studien über Kinderarmut als Irrtum herausgestellt haben.
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