Die Partyfreundin kam vermutlich schon im Glitzertop und mit Freigetränken auf die Welt. "Hey, im Keller Klub gibts heute bis Mitternacht Freibier, ich hol dich um zehn ab!" Die Partyfreundin duldet folgende Antworten nicht: "Mir ist heute nicht nach Leuten...", oder "Ich hab morgen Schule!" Alle anderen Erklärungen und Ausreden zählen auch nicht. Und da es dank ihrer guten Laune meist doch lustig wird, stehen wir um Punkt zehn frisch frisiert und gepudert vor unserem Haus. Es gibt Kussi-Bussis zur Begrüßung und alles, was seit der letzten Party passiert ist, tauschen wir im Schnelldurchlauf aus. Ab jetzt geht es nur noch um Party, Jungs und Feindinnen. Das Niveau steigt an diesem Abend nicht mehr, dafür der Alkoholpegel.
Die Partyfreundin sagt nie nein zu einem Drink, verwickelt ihre Sponsoren in Gespräche, lacht laut und ein wenig affektiert und stellt uns allen neuen Bekannten als eine "gute Freundin" vor. Später tanzen wir in der anonymen Masse und sind dabei tatsächlich glücklich.
Dabei tanzen wir außerhalb des Discolichts einen unterschiedlichen Rhythmus. In der Schule oder im Handballtraining reden wir nicht viel miteinander. Wir sind unserer Partyfreundin tagsüber zu nörgelig, zu streberhaft. Und sie ist uns zu laut, zu anstrengend. Wir tauschen Tratsch und Schminkutensilien aus, nicht aber unsere Gefühle und Sorgen. Weil wir nicht solche Freundinnen sind. Wir sind Freitag-Samstag-Abend-Freundinnen, manchmal auch Mittwoch.
Die Partyfreundin ist keine Anlaufstelle bei Liebeskummer, Zukunftsängsten und Elternproblemen. Eine Partyfreundin ist keine Person, auf die wir in jeder Lebenslage zählen können. Aber bei jeder Party.
Autor: Bettina Schneider für das Jugendmagazin "Spiesser"
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